Phantastik-Interview mit Carsten Kuhr
Markus Heitz, Jahrgang 1971, veröffentlichte im letzen halben Jahr die ersten drei durchweg hochgelobten Bände seiner auf insgesamt 6 Titel projektierte Fantasy-Saga um die Dunkle Zeit. Seit April 2000 lebt der studierte Geschichts- und Literaturwissenschaftler als freier Journalist und Autor im Saarland. Grund genug für phantastik.de das Gespräch mit dem jungen, aufstrebenden Autor zu suchen.
CK: Lieber Markus, vielleicht stellst Du dich unseren
Lesern einmal kurz selbst vor (Beruf, Hobbies etc.). Wer verbirgt sich hinter
dem Namen Markus Heitz?
MH: Dahinter verstecken kann ich mich nicht. Dürfte schwierig sein, bei
1,89 Meter Länge und mit leichtem Übergewicht. Dank der Größe
verteilt es sich ein wenig. *g*
Prinzipiell trage ich Schwarz, liegt an meiner Vorliebe für die Goth-Musik,
ohne mich als echter Goth zu sehen. Schwarz macht zudem schlank. Eine wichtige
Eigenschaft.
Und um Missverständnissen vorzubeugen, ich lebe schon immer im Saarland.
Zum Beruf ist ja schon alles gesagt: Schreiber und Fotograf für eine
Tageszeitung.
Hobbys... mh.... ich backe sehr gerne, vor allem Muffins und kleinere Gebäckstücke.
Das Kochen überlasse ich anderen. Der Sport kommt leider ein bisschen
zu kurz. Früher war ich mal echt schwer in Form. Das vor der Schreiberei.
*g*
Hoch im Kurs steht bei mir das Musik hören, quer durch alle Sparten,
außer FreeJazz, Reggae und volkstümliche Musik. *grusel*
Ansonsten Gothic, E.B.M., Dark Wave und schwermütiger Skandinavier- Metal.
Und das quer durch alle Sparten, von "Dead Can Dance" über
"Sisters of Mercy", "VNV Nation", "Theatre of Tragedy"
bis "Tristania" und "Nightwish".
Dazu kommen Soundtracks, mittelalterliche (echte und neu interpretierte von
"Corvus Corax", "In Extremo", "Qntal", "Estampie"
u.ä.) und sogenannte "klassische" Musik, hauptsächlich
russische und skandinavische Komponisten
CK: Mit den ersten drei Teilen Deiner Saga taucht Dein
Name, zumindest für mich, das erste Mal als Verfasser phantastischer
Stoffe auf. Hast Du bereits vor den Romanen Stoffe geschrieben und publiziert,
oder war gleich der erste Versuch ein Volltreffer, der zu einem Vertrag mit
einem Verlag geführt hat?
MH: Geschrieben habe ich, seit ich 14 Jahre bin, aber das interessierte damals
niemanden. *g*
Von daher war der erste Versuch ein Volltreffer.
CK: Wo erschienen damals Deine Kurzgeschichten, wird
es einmal eine Anthologie mit Texten aus Deiner Feder geben?
MH: Meine Kurzgeschichten?! Oh, je....
Es gab mal eine Vereinszeitschrift unseres Rollenspielvereins, darin wurde
ich abgedruckt. War aber alles nicht so doll. Anfänge eben.
Und mit denen würde es sicherlich keine Anthologie werden, die irgendjemand
kaufen würde. *g* Wenn ich die Homepage des Schreibers Markus Heitz fertig
habe, werde ich einige dort veröffentlichen. Zum Spaß. *g*
CK: Stichwort Shadowrun -ein etwas anderes Pflaster,
als Dein jetzt vorliegendes High Fantasy Setting. Was liegt Dir persönlich
mehr? Ich würde, ausgehend von Deiner Vita als Geschichtswissenschaftler
und Rollenspieler mal auf die Fantasy tippen?
MH: Ich kann noch nicht sagen, was mir mehr liegt. Es macht beides Spaß.
SR ist allerdings ein Areal, wo man feste Vorgaben hat, was die Hintergrundwelt
angeht. Da ist man schon bedacht, darauf zu achten.
Fantasy, zumal es sich bei Ulldart um eigene Fantasy handelt, lässt mir
natürlich viel mehr Freiraum, um mich auszutoben. Alles meins. *g*
CK: Wie kam der Kontakt mit dem Verlag zustande? Hattest
Du damals bereits einen Agenten, geht es Deiner Meinung nach für einen
jungen, noch unbekannten Autor eigentlich überhaupt ohne professionelle
Hilfe eines Agenten einen Fuss in die Tür der kommerziellen Buchproduktion
zu bekommen?
MH: Ich habe meine Manuskripte an vier Verlage verschickt, Heyne meldete sich
und gab mir den Zuschlag, nachdem sich der Lektor Ralf Reiter für den
Roman einsetzte.
Einen Agenten habe ich bis heute nicht.
Ich denke schon, dass es junge Autoren ohne Agenten schaffen, wenn sie an
einen guten Lektor geraten, der den Wert eines Buches erkennt und seine Ansicht
gegenüber dem Verlag durchsetzen kann.
Das setzt voraus, dass der Verlag auch auf seine Lektoren hört.
CK: Was liest Du selbst gerne, wer sind Deine literarischen
Vorbilder? Wie kamst Du auf die Idee Fantasy zu schreiben, wer sind hier Deine
Vorbilder?
MH: Ich lese selbst gerne, habe keine literarischen Vorbilder, fand und finde
Theodor Storm als Erzähler sehr gut, ohne wie er schreiben zu wollen.
Sehr gerne lese ich Edgar Allen Poe, H.P.Lovecraft, Barbara Hambly und David
Eddings.
Fantasy lag deshalb nahe, weil ich durchs Rollenspiel "Das Schwarze Auge"
zu Fantasy Kontakt bekam und der Schwerpunkt in den ganzen Jahren hierauf
lag. Muss prägend gewesen sein.
Auch hier habe ich keine Vorbilder, die man als Autor sicherlich nicht braucht.
"Zu sein wie", "zu schreiben wie" halte ich für kein
erstrebenswertes Ziel.
CK: Wie dürfen wir uns dann den Weg Deiner Bücher
hin zum Heyne Verlag vorstellen. Hat Dein Agent den Kontakt hergestellt, oder
bis Du auf Heyne zugegangen? War von Anfang an eine Publikation von insgesamt
6 Romanen geplant -für einen unbekannten Neuling ja ein enormes verlegerisches
Risiko?
MH: Wie gesagt, Ralf setzte sich für den Roman ein.
Konzipiert war die Serie zunächst auf drei Bände, ich habe es, weil
ich sah, dass der Stoff mehr hergibt, auf sechs Bände ausgeweitet. Auch
Heyne kam diese Erweiterung entgegen.
Wobei ich unterstreichen möchte, dass es sich nicht um eine bloße
Längung handelt. Es ermöglichte mir, neue Facetten in der Story
heraus zu arbeiten.
CK: Deinen Worten zufolge hast Du für die Romane
eine sehr umfangreiche Pseudogeschichte Deiner Welt entworfen. Denkst Du daran,
diese auch Deinen Lesern, z. B. über Deine Internetseite zugänglich
zu machen?
MH: Zuerst entstand die Idee zum Buch, dann die Welt, dann der erste Roman.
Die Internetseite und die Infos standen schon von Anfang an im Netz, unter
www.ulldart.de.
Sie dient als Info und Hintergrundmaterial, sollte sich jemand näher
mit den Königreichen, der Mythologie, den Völkern und der Historie
beschäftigen wollen.
Wenn ich mir schon die Arbeit gemacht habe, sollen auch andere darunter leiden.
*g*
CK: Deine Welt gleicht in Vielem den Europäischen
Staaten der Vergangenheit. Mal abgesehen von den fiktiven Staaten und Personen
- wo, und wichtiger noch warum bist Du bei der Gestaltung der Staatswesen
von Vorbildern abgewichen?
MH: Ulldarts Geschichte kann man umschreiben mit "inspired by".
Ich habe nichts Konkretes aus der Weltgeschichte genommen, sondern mich beim
Gang durch die 440-Jährige Zeitlinie der Welt an zahllose Ereignisse
der realen Welt erinnert und daraus Situationen auf Ulldart geformt.
Beispielsweise die Bündnisfalle und die unglückliche Verstrickung
in Kriege, obwohl ein drittes Land gar keinen Streit mit den eigentlichen
Kampfhähnen hatte.
Einen geschichtlichen Abklatsch eins zu eins wird man auf Ulldart nicht finden.
Die Ereignissen sind frei erfunden, die Mechanismen, wie es dazu kommen konnte,
wurden in der realen Welt bereits erprobt. Leider.
CK: In Abkehr von den gängigen, tolkiensequen
Fantasyromanen gibt es bei Dir keine Zwerge oder Elfen. Statt dessen setzt
Du auf bis dato nebulöse, geheimnisvolle Wesen wie die Beobachter, oder
Sinured, deren Motivation und Handlung zunächst einmal im Dunkel bleiben.
Hier fiel mir auf, dass die bislang auftretenden magischen Wesen allesamt
auf der Seite des Bösen angesiedelt sind. Gibt es nicht auch Unterstützung
für unsere Kämpen des Guten?
MH: Jetzt muss ich selbst mal überlegen.... Nö.
Die Guten sind dazu da, sich selbst und Anderen aus der Patsche zu helfen.
*g*
Nein, es wird schon noch Beistand in unterschiedlicher Form geben, dazu werde
ich aber JETZT noch nichts sagen. Dramaturgie und so...
Ich fand es auch spannender, die Motivationen der "Bösen" (Was
ist eigentlich Böse? Die Abweichung von der durch eine Mehrheit aufgestellte
Verhaltensnorm, somit die Unterdrückung einer Minderheit *g*) vorerst
etwas im Unklaren zu lassen.
Vieles wird im dritten Band deutlicher. Die Spreu trennt sich vom Weizen,
freiwillig oder unfreiwillig.
Übrigens sind nicht alle "Bösen" böse (was für
ein bedeutungsschwerer Satz!). So werden sich die "Sumpfmonster"
noch anders entwickeln, als einige Leserinnen und Leser vermutlich annehmen.
CK: Dein Protagonist macht im Verlauf der ersten drei
Teile eine enorme Entwicklung durch. Vom verzärtelten, süssigkeitfressenden
"Keksprinzen" entwickelt er sich zunächst zum charismatischen
Vorkämpfer für Recht und Freiheit, dann zum verführten Despoten.
Ohne zuviel zu verraten -liebst Du letztlich tragische Helden, die dem Verlockungen
des Bösen verfallen, obwohl sie eigentlich nur Gutes bewirken wollten?
MH: Für mich sind diese Figuren die interessanteren, weil sie vielschichtig
sind, weil sie am Menschlichsten sind. Und es ist- ohne zu viel zu verraten-
noch gar nicht sicher, dass Lodrik dem Bösen vollends verfällt.
Man sollte nicht vergessen, dass er beim Amtsantritt sehr jung ist, in einer
verzweifelten Lage steckt und ihm fast niemand helfen möchte.
Sagen wir einfach, dass er mit einer inneren Zerrissenheit zu kämpfen
hat, wobei seine Umgebung mit Mortva und seiner Cousine Aljascha mehr negativ
auf ihn einwirkt, ein Keim des Guten aber von anderer Seite durch seine Erziehung
gepflanzt wurde.
Dennoch können Persönlichkeitsentwicklungen mitunter überraschend
verlaufen. Können. Müssen aber nicht. *g*
CK: Belohnte Band 1 SCHATTEN ÜBER DULLART die
Leser noch mit einem versöhnlichen Happy-End, so entwickelt sich die
Handlung mehr und mehr hin zu einem pessimistischen Ende. Anlehnungen an die
Dark Fantasy Vorbilder sind nicht zu übersehen. Ist die dunkle Zeit eine
Tragödie?
MH: "Dark Fantasy"-Vorbilder habe ich nicht, wobei ich einige "Ravenloft"-Romane
sehr gut fand, WEIL sie eben nicht mit Happy Ends daher kamen und einen bitteren
Nachgeschmack hinterließen.
Da ich Poe und Lovecraft aufgeführt habe, einer meiner Lieblingszeichner
Brom ist, ich Schwarz trage und auf Gemälde von Casper David Friedrich
stehe, dürfte die Affinität zur "dunklen Seite" geklärt
sein. *g*
Ob die Dunkle Zeit eine Tragödie ist, lasse ich mal dahingestellt.
Mit Sicherheit wird sie noch einige tragische Elemente beinhalten, das kann
ich schon mal zusichern.
CK: Es fiel mir recht positiv auf, dass Du Deine eigentliche
Handlung immer mit zunächst unabhängigen "Geschichten in der
Geschichte" würzt. Wir erleben Piratenüberfälle mit, Invasionen
anderer Länder mit sehr skurrilen und damit interessanten Personen (der
Händler Tezza etwa, oder König Perdór mit seinem Gaukler)
die erst später, quasi in der Rückschau das gebotene Bild abrunden
und zur weiteren Glaubhaftmachung beitragen. Greifst Du bzgl. dieser eigenständigen
Geschichten auf einen vorhandenen Fundus zurück, oder sind das Überbleibsel
vom "Brain storming"?
MH: Überbleibsel sind es sicherlich nicht. Das ist alles volle Absicht
und geplant, jawoll! *g*
Ich möchte den Leserinnen und Lesern ein breites Spektrum von Ulldart
liefern und Hintergründe von Handlungsweisen erklären.
In diesen scheinbaren Ereignissen am Seitenrand wird der Grundstock für
zukünftige Entwicklungen und Konstellationen, Bündnisse und Auseinandersetzungen
gelegt, wie sich im Laufe der Serie zeigen wird. Alles greift ineinander.
CK: Deinem Lebenslauf entnehme ich, dass Du zunächst
einmal Lehramt studiert hast. Sind, besser gesagt sollen Deine Bücher
"belehrend" im positiven Sinne sein? Was willst Du mit den Romanen
vermitteln, eine Message, oder entspannende Unterhaltung?
MH: Das Belehren überlasse ich anderen.
Mir geht es darum, den Leserinnen und Lesern ein paar spannende Stunden zu
liefern, sie zum Lachen zu bringen und mit Wendungen im Geschehen zu überraschen.
Daher auch der zügige Schreibstil, die vielen Dialoge. Ich sehe meine
Bücher als Popcorn-Kino fürs Hirn, für die Vorstellungskraft.
Abschalten, eintauchen in einer andere Welt. Wenn jemand daraus positive Lehren
für sich ziehen kann, ist es um so besser.
CK: Was wolltest Du in Deinem Werk anders machen, als
die anderen Fantasy Autoren? Wo sahst Du in der Vielzahl der entsprechenden,
meist von anglo-amerikanerischen Autoren dominierten Fantasy-Markt die Lücke
für Romane von Markus Heitz?
MH: Vielleicht liegt darin der Trick von Ulldart: Ich habe keine Lücke
gesucht.
Ich habe mein Ding gemacht, eine Welt entworfen, wie sie mir gefiel und wie
ich sie ein wenig im Genre vermisste.
Dazu muss ich sagen, dass "Ulldart" niemals zur Veröffentlichung
gedacht war.
Ich schrieb den ersten Band für mich, um zu sehen, ob ich ein größeres
Projekt im Griff habe. Erst meine Freunde haben mich gezwungen, die Manuskripte
einzusenden. Beschwerden bitte an sie schicken. *g*
Alle Welt stürzt sich auf Elfen, Orks und dergleichen. Bitte sehr, ich
habe nichts dagegen, ich finde Elfen und Zwerge auch cool.
Aber als kreativer Autor möchte ich etwas Eigenes schaffen. Was eben
nicht jeder vorher schon mal gemacht hat. Oder bekannte Motive so anzuordnen,
dass sie dadurch ihr Gesamterscheinungsbild überraschen.
CK: Die ersten bei den Romane wurden vom Verlag als
"Das Panorama einer neuen Weltordnung" angepriesen. Das erinnert
mich an Modesitt Jr´s. "Das Panorama einer hinreissendrn Welt".
Im dritten Teil wirst Du dann als "deutsche Antwort auf J.R.R. Tolkien
und Robert Jordan" genannt. Spornen Dich solche Werbeaussagen an, oder
machen sie Dir vielleicht sogar Angst?
MH: Äh... wer ist Modesitt Jr?! Ehrlich, ich weiß nicht, wer das
ist.
Tolkien habe ich gelesen, Jordan kenne ich vom Hörensagen. Dass ich einen
anderen Stil als Tolkien habe, weiß ich. Dass ich anders als Jordan
schreibe, vermute ich. Beide Schriftsteller sind mit ihren Werken sehr erfolgreich.
Um es hart zu formulieren: Solche Werbeaussagen spornen mich weder an, noch
machen sie mir Angst.
Es sind Aussagen für die Leserinnen und Leser, nicht für mich. Solche
halbwegs vergleichenden Statements müssen wohl sein und werden vom Verlag
gemacht, nicht vom Autor.
Das rührt daher, dass der deutsche Markt jahrelang vom englischen und
amerikanischen bedient wurde und den deutschen Leserinnen und Lesern ein Vergleich
fehlt.
CK: Woher nimmst Du Deine Ideen? Verarbeitest Du Geschehnisse
aus Deinem täglichen Erleben in Deinen Büchern? Fliessen Personen
aus Deinem Bekanntenkreis als Vorbilder in den Kreis der handelnden Akteure
mit ein?
MH: Meine Ideen ... huh, schwierig.
Man macht sich Notizen, denkt ein wenig über Charaktere nach, man denkt
sich eben etwas aus, wobei Gehörtes unbewusst oder bewusst einfließen
kann.
Alltägliches findet sich nicht darin wieder, auch keine mir bekannten
Personen sind enthalten. Aber Geschichtliches, wie Belagerungstaktiken und
Herstellungsmethoden, oder Kulinarisches aus Urlaubserinnerungen sind eingebunden.
Ich sage nur "Perdór". *g*
Im jungen Lodrik steckt mit Sicherheit ein Stück Heitz, weil der weiß,
wie es ist, als mächtig Übergewichtiger in jungen Jahren verarscht
und zur Zielscheibe von Spott gemacht zu werden. Aber keine Angst, ich bin
nicht Lodrik. Und ein Mortva ist noch nicht an meiner Seite aufgetaucht. *g*
CK: Wie müssen wir uns Deinen Schreibprozess vorstellen?
Hast Du zunächst ein detailliertes Exposee gefertigt -ohne das geht es
wohl bei 6 Bänden von vorneherein nicht -, oder bist Du einfach Deiner
Muse gefolgt?
MH: Der erste Band entstand unter dem Eindruck der Muse, bis sich ab der zweiten
Hälfte des ersten Bandes der Verstand meldete und mir dringend riet,
alles aufzuschreiben und zu ordnen, ehe ihm Kopf alles Drunter und Drüber
gehen würde.
Die ganze Serie wurde auf einer DinA4-Seite grob skizziert.
Jedem Band gehen handschriftliche Notizen voraus, aus denen ich einen sechs-
bis siebenseitigen Plot am PC zusammenzimmere, der meine Grobgliederung darstellt.
Anhand dieses Fahrplans wird ein Roman geschrieben, das Gerippe füllt
sich dann Seite für Seite mit Fleisch. Der letzte Band wird wahrscheinlich
um die 700 Seiten oder mehr haben. Man will zum Abschluss ja was bieten. *g*
Ein Beispiel: Der Punkt "Lodrik" enthält im Plot die Unterpunkte
"Die Entwicklung des Krieges und dessen Ablauf", "Zwischenmenschliches"
und "Politik", wo ich wieder Notizen mit Charakteren, kurzen Szenenbeschreibungen
und Geschehnissen stehen habe. Dazu kommt der Punkt "Matuc, Belkala und
Nerestro" sowie "Nebenplots und Randereignisse", die in Unterpunkten
ebenso gestylt sind. Tja, und daraus entstand dann Tag für Tag Seite
um Seite.
CK: Wie lief die Zusammenarbeit mit dem verantwortlichen
Lektor ab. Musstest Du oft in Klausur gehen, und Passagen umschreiben? Wie
lange hast Du an den Büchern gefeilt? Sind bereits alle Romane fertig
geschrieben, und hast Du auf den Veröffentlichungsabstand bei Heyne irgendwelche
Einflussmöglichkeiten?
MH: Ralf hat kaum Eingriffe vorgenommen, außer ein wenig "Wortkosmetik",
wie er es nannte. *g* Strukturell wurde nichts verändert.
Der erste Band entstand, das es nur zu meiner persönlichen Erbauung gedacht
war, in mehr als einem Jahr. Für die Folgebände brauchte ich jeweils
rund drei Monate. Wenn es läuft und man einen Plot hat, ist das möglich.
Die Hintergrundwelt stand, von daher musste ich nicht großartig darüber
nachdenken, wie was wo aussieht. Ich konnte mich voll und ganz aufs Schreiben
konzentrieren, weil die entsprechende Vorarbeit geleistet war.
Die Bücher sind alle geschrieben und leider, leider habe ich keinerlei
Einflussmöglichkeit, was die Veröffentlichungsabstände angeht.
Geplant war mal, dass alle zwei Monate ein neues Buch erscheint, das hat sich
inzwischen leider erledigt.
CK: Du bist bekennender Rollspiel- und das Fan. Würde
es Dich reizen auch einmal einen das Roman beizusteuern? Gibt es diesbzgl.
Überlegungen?
MH: Ich wurde am Rand der letzten Buchmesse tatsächlich von FanPro gefragt,
habe aber abgelehnt, weil das DSA zwar mein Einstieg ins Rollenspiel war,
es sich aber inzwischen und glücklicherweise derart komplex weiterentwickelte,
dass ich ein Jahr bräuchte, um mich einzulesen. *g*
Es sind einige Dinge in Aventurien geschehen.
Als ich DSA spielte, gab es noch gar keine Karte, die Charakterbögen
waren schrecklich und sehr einfach!
Das hatte sich beständig zu einem sehr schönen deutschen Rollenspiel
entwickelt, bei dem wir aber irgendwann ausgestiegen sind.
Als Rollenspieler gab es einfach zu viele Welten zu entdecken. *g*
Beispielsweise Shadowrun, bei dem ich glücklicherweise auf der Höhe
der Zeit bin. Von daher konnte ich Heyne und FanPro sofort ein Zusage geben,
mich auf eine kleine, aber feine Trilogie zu stürzen.
CK: Was können wir Leser für die Zukunft
von dem Autor Markus Heitz Neues erwarten, mal abgesehen von den drei restlichen
Teilen Deiner Saga? Sind da Projekte spruchreif? Gibt es Pläne?
MH: Der letzte von drei SR-Bänden ist gerade abgeschlossen, die Testleser
tun ihre Arbeit. *g*
Was danach kommt, weiß ich noch nicht.
Ideen habe ich genügend, das reicht vom historischen Roman über
ein weiteres Fantasy-Projekt bis zum Krimi. Das ist das Schöne am Schreiben:
Nichts ist unmöglich!
Am Besten würde mir gefallen, wenn sich "Ulldart" so etabliert,
dass ich mir Gedanken um neue Abenteuer auf Ulldart und den Nachbarkontinenten
machen müsste. Weil es eben "mein Baby" ist, habe ich dazu
im Moment den größten Bezug.
CK: Wie bist Du bislang mit der Reaktion auf Deine
beiden Bücher zufrieden? Gibt es ein Feedback über den Verlag, oder
wie kommst Du überhaupt mit Deinen Lesern und Fans in Kontakt? Sind Lesungen
oder Conbesuche geplant?
MH: Die Reaktionen sind seitens der "Fachpresse", wie Internet-Magazine
oder die "Nautilus" sehr positiv.
Die Leserinnen und Leser haben sich ebenfalls bei mir gemeldet, und die Rückmeldungen
machen mir sehr viel Mut, sind kleine Streicheleinheiten für die Autorenseele.
Kontakt zu mir bekommt man über die Ulldart-Homepage. Dort finden sich
auch die Termine für die Lesungen und Con-Besuche. Nachdem ich auf der
NordCon debütierte, steht der FeenCon als nächstes an. Daneben bin
auch im Herbst in Köln, Plauen, Bad Bentheim und Kaiserslautern zu finden.
CK: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen
Dir alles Gute, und uns weiter zauberhafte Bücher voller Spannung, Intrigen
und Magie.