Interview mit X-Zine.de

Vorwort: Unser Interview besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Person und dem bisherigen Werk des Autors und ist leicht formalisiert. Trotzdem sind wir immer erstaunt, welche interessanten Antworten wir bekommen. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem aktuellen Buch und den daraus resultierenden Fragen.

X-Zine: Wo sind Sie aufgewachsen?

Markus Heitz: Im Saarland, was einigen SR- Spielern heute leider als Sox bekannt ist. Um genau zu sein: Einöd, das zur drittgrößten Stadt des Saarlandes, Homburg (46000 Einwohner),gehört. Jemand hat mich mal gefragt, ob das der Grund für die "Flucht ins Rollenspiel" gewesen sei. Nein, die Gründe für die "Flucht ins Rollenspiel" waren Mathematik und schlechte Fernseh-Serien.
Aber es ist ein sehr nettes Dorf (3600 Einwohner), und so einöde ist es hier nicht. Schließlich lebe ich immer noch hier.

X-Zine: Haben Heimat oder ein besonderes Erlebnis in der Jugend Ihr Schreiben beeinflußt?

Markus Heitz: Braucht man das?
Ich schreibe Kurzgeschichten, seit ich 14 Jahre alt bin, das ging quer durch alle Genres, von SF über Krimi bis zur Umsetzung von Alltagsbeobachtungen und Gedankengängen. Nichts Besonderes.
Aber etwas Auslösendes gab es nicht. Fantasy gehörte, dank des Rollenspiels, später zum Schwerpunkt der Kurzgeschichten. Ansonsten wurden viele Rollenspielereignisse in Kurzgeschichten umgesetzt, wie das sicher viele Spieler machen, weil ihnen eine Situation besonders gefallen hat.

X-Zine: Wann und warum haben Sie begonnen zu schreiben?

Markus Heitz: Wie gesagt, mit zirka 14 Jahren, an den Tag und die Uhrzeit kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich habe schon immer viel gelesen und wollte auch selbst kreativ werden.

X-Zine: Welche Person hat Ihr Schreiben beeinflußt?

Markus Heitz: Beeinflusst? Niemand, wenn ich genau darüber nachdenke.
Man liest als sehr junger Mensch viel, man findet Autoren, deren Stil man eine gewisse Zeit gut findet. Also klingen manche Kurzgeschichten wie ein schlechtes Plagiat des Originals, von Karl May über Mark Brandis-Romane, Die drei ???, Die 5 Freunde, später ging es thematisch mehr in Richtung "John Sinclair", zwischendurch "Perry Rhodan"-Sammelbände, oder Stephen King.
Aber stilistisch beeinflusst hat es mich nicht. Höchstens thematisch, also mehr in Richtung der fantastischen Ecke. Irgendwann landete ich bei Edgar Allen Poe, H.P. Lovecraft, die ich bis heute im Original sehr gerne lese. Faust I schätze ich auch sehr.

X-Zine: Welches Buch lesen Sie gerade?

Markus Heitz: Keins. Seit ich mit dem "professionellen" Schreiben anfing, bleibt keine Zeit, weil ich mein Einkommen als Journalist und Fotograf verdiene. In der wenigen freien Zeit sitze ich an den Romanen. Nicht jeder Schreiber ist automatisch wohlhabend, sobald er ein Buch veröffentlicht. Schade eigentlich.

X-Zine: Was ist ihre Lieblingsfarbe?

Markus Heitz: Schwarz. Auch wenn das angeblich keine echte Farbe ist.

X-Zine: Welche Musik hören Sie gerne, auch beim Schreiben?

Markus Heitz: Das ist sehr unterschiedlich. Hängt von der Szene und dem Genre ab.
Bei der "Ulldart"- Serie habe ich gerne und viel Mittelalterliches gehört. D.h. mittelalterliche Originale und neu interpretierte, wie "Corvus Corax", "In Extremo", "Qntal" oder "Estampie". Dazu kam "klassische" Musik, hauptsächlich von russischen und skandinavischen Komponisten. Nicht zu vergessen die Scheiben aus meiner Soundtracksammlung, wie "Willow", "Legende", "Prince of thieves", "Gladiator", zwischendurch "Hellraiser", "The Crow" oder auch mal "The Rock" oder "Starship Troopers." Auch die fast vergessene Gruppe "Dead Can Dance" steht bei mir hoch im Kurs. Die Sängerin ist übrigens Lisa Gerrard, die zusammen mit Zimmer am Gladiator-OST mit arbeitete.
Bei der SR-Sache lief in erster Linie Gothic, E.B.M., Dark Wave und schwermütiger Skandinavier- Metal, von "Sisters of Mercy", "VNV Nation", "Theatre of Tragedy" bis "Tristania", "Rammstein" und "Nightwish". Und: Lambretta, Garbage, No Doubt.
Natürlich schalte ich auch das Radioein und höre, was gerade so aktuell ist. Rap kommt bei Barrens-Szenen gut: "Break ya neck", sage ich da nur.
Alle Gruppen höre ich auch, wenn ich nicht am Schreibtisch sitze.

X-Zine: Wann und wo kommen Ihnen Ihre besten Ideen?

Markus Heitz: Schwer zu sagen. Kann überall passieren, deshalb habe ich immer etwas zu schreiben dabei, um mir Notizen zu machen.
Eine Alltagsszene kann ein Auslöser sein, eine Szene im Fernsehen, eine Dokumentationsserie, eine Quiz-Show, der dumme Spruch eines Freundes. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo ich mich hinsetze und die Ideen zusammenlaufen lasse. Das wird geplant, "geplottet".
Richtig in die Tasten haue ich am Liebsten, wenn es draußen dunkler ist. Schreiben kann ich immer, aber mit weniger Licht drum herum klappt es besser. Ich ziehe tagsüber meist das Rollo runter.

X-Zine: Haben Sie ein Lieblingsbuch, selbst verfasstes oder fremdes?

Markus Heitz: Nein. Einige Bücher anderer Autoren haben mir gut gefallen, aber nicht so, dass ich sie zu meinem Lieblingsbuch erklären würde.
Sehr lustig ist "Frau Rettich, die Czerny und ich". David Eddings gehört zu den Autoren, die ich gerne lese, Barbara Hambleys "Jagd der Vampire" gefiel mir auch.

X-Zine: Welches Buch/Geschichte eines fremden Autors hätten Sie gerne selber geschrieben?

Markus Heitz: Harry Potter. Dann wäre ich jetzt ganz reich.... Nein, im Ernst, ich bin mit dem zufrieden, was ich selbst geschrieben habe. Da schaue ich nicht auf andere. Gut, die Bibel lasse ich mal außen vor, die ist ein echter Dauerbrenner. Einer von den Evangelisten hieß ja auch wie ich.

X-Zine: Woran arbeiten Sie derzeit?

Markus Heitz: Am dritten Band meiner kleinen SR-Reihe, der den Arbeitstitel "Aeternitas" trägt. Ist gleich fertig. Danach mache ich eine Pause und sehe zu, wie die bislang geschriebenen Bücher veröffentlich werden. Ausruhen tut Not.

X-Zine: Was sind die schwierigsten Arbeiten als Autor für Sie heute?

Markus Heitz: Wohnung aufräumen, alle sechs Monate mein Auto waschen und die Steuererklärung ausfüllen. Oder wie war die Frage gemeint?

X-Zine: Wenn Sie auf ihre bisherigen Werke zurückblicken, welches würden sie heute gerne nochmal schreiben?

Markus Heitz: Den ersten Band der Ulldart-Serie, der immerhin 1998 entstand. Stilistisch liegen zwischen ihm und dem sechsten Band Welten. Aber was soll's. Da sieht der Leser, wie ich mich entwickle, meinte jemand.
Sollte es einmal die goldene Jubiläumsauflage von Ulldart geben, bringe ich die "Author's cut" raus.

X-Zine: Was finden Sie so faszinierend an ihrem Genre(s)?

Markus Heitz: Ich lege mich nicht auf ein Genre fest.
Warum auch?
Manche würden das als Drohung bezeichnen, aber ich habe Ideen für zwei historische Romane in der Schublade, ein Krimi-Plot steht schon lange, für SR-Romane habe ich genügend Ansätze auf Lager, Ulldart könnte man nach dem sechsten Band fortsetzen.
Und mal was echt Literarisches, um Schüler zu zwingen, einen Heitz im Unterricht zu lesen, DAS wär's!
Das erklärt auch, warum ich schreibe: Vielfalt. Unmögliches tun zu dürfen.
In einer eigenen Fantasy- Welt epische Schlachten in einer Caspar- David- Friedrich- Landschaft zu beschreiben, tragische Liebeskonstellationen zu entwerfen, mal in einer Cyberpunkwelt Storys entstehen zu lassen oder in der realen Welt auf Mörderjagd zu gehen - gibt es mehr Abwechslung?
Von daher finde ich das Schreiben faszinierend. Die Genres sind unterschiedliche Spielfelder, auf denen man sich austoben kann.

X-Zine: Nach Fantasy - den Ulldart Bänden - nun Shadowrun, wann kommt Das Schwarze Auge dran?

Markus Heitz: Das DSA war meine "Einstiegsdroge". Ich habe noch die erste Ausgabe, die mit den kaum ausgefeilten Charakterblättern.
Das Problem ist, dass meine DSA- Kenntnisse weit hinter dem aktuellen Stand des Projektes liegen.
Von daher macht es wenig Sinn, mich an DSA-Romane zu trauen. Es würde ein Jahr dauern, bis ich mich in der gegenwärtigen Hintergrundwelt auskenne.

X-Zine : Sie haben früher selber Shadowrun gespielt? Waren Sie eher Spielleiter oder Spieler?

Markus Heitz: Bei SR war ich mehr SC als SL. Mich hat der Regelumfang der vielen Spezialisten als SL etwas abgeschreckt. Vielleicht war ich einfach nur zu faul, mich einzulesen. Wir hatten ja gute SL.
Aber bei "Vampire" und "DSA" oder anderen Systemen litt... nein, leitete ich jahrelang, und es hat riesigen Spaß bereitet zu sehen, wie die Gruppen Situationen lösen oder in die ausgelegte Schlinge tappen.

X-Zine: Was hat Sie an den alten Regeln als Spieler am meisten gestört?

Markus Heitz: Das ist bis heute geblieben: Dass ein normaler Mensch ratzfatz weg vom Fenster ist. Ein Rigger außerhalb seiner Karre ist leichte Beute. Sage ich als Be- und mein Char als oftmals Getroffener.

X-Zine: Was stört Sie als Autor eines Romans an den Regeln bzw. an dem Setting?

Markus Heitz: Ich nutze Settings und mache das Beste daraus.
Dennoch habe ich als Autor die Gelegenheit, einige Dinge mehr in eine Richtung zu biegen, wie ich sie mir vorstelle.
Schattenläufer sind Kriminelle, ein nicht geringer Teil von ihnen hat mit Sicherheit Probleme mit der Psyche (Vercyberung, Genuss- und Kampfdrogen, Auswirkung von Runs und Verlust von Freunden) und seinen Beziehungen. Letztendlich sind die meisten doch ganz normale Typen mit Marotten und Vorlieben. Und die Kons und die Politik sitzen im Grunde immer am längeren Hebel, deshalb wird es ganz selten reine Happy-End- Siege geben.
Ich mag SR gerne etwas deprimierender, dreckiger.

X-Zine: Der Roman könnte als wunderbare Spielvorlage dienen, wenn man den Spielern das Lesen verbieten würde; ist das Zufall, oder stecken da eigene Spielerlebnisse in der Erzählung?

Markus Heitz: Wie bei den meisten routinierten SL schrieb ich die Abenteuer für die Gruppen irgendwann selbst, weil sie besser auf die SC zugeschnitten sind.
Vielleicht hat sich dadurch die Fähigkeit entwickelt, Romane zu plotten. Ich gehe an Romane ähnlich heran wie ans Abenteuer entwerfen. Nur stören die Spieler weniger...
Ich war als SC IMMER Rigger. Da kannte ich mich mit den Regeln am Besten aus. Von daher stand ein Rigger automatisch im Mittelpunkt des ersten Romans.
Einmal unternahm ich einen Ausflug in die Samurai-Klasse und spielte eine ehemalige Stadtkrieg-Spielerin. Toughes Mädchen, eine Anti-Elfin.
Die kommt im dritten Band vor und ist bereits im "Hintergrund" des ersten und des zweiten Romans zu sehen, man erinnere sich an die "Mainzer Black Barons" und die Elfin Tattoo, von der gelegentlich die Rede ist.
Die Romane haben mit konkreten Spielerlebnissen nichts zu tun. Ich leihe mir lediglich meine eigenen Figuren aus.

X-Zine: Von Ihnen ist ja eine kleine Serie im Bereich Shadowrun geplant, welches werden die verbindenden Elemente der Bücher sein?

Markus Heitz: Ein Journalist, der SR-Bücher schreibt... Das erklärt es fast von selbst, oder?!
Das Bindeglied ist der freie Reporter Severin T. Gospini, der auf der Straße "Poolitzer" genannt wird, weil er ursprünglich nur geschrieben hat und behauptete, er bekäme eines Tages den besagten Preis.
Poolitzer bietet die einfachsten Übergänge, weil er in so ziemlich jede Thematik stolpert und sich mit allem beschäftigen kann. Nichts ist für einen Snoop unmöglich.

X-Zine: Die Quiz-Vernarrtheit des Trolls als Running-Gag ist einfach klasse, wie kamen Sie darauf?

Markus Heitz: Tja, in Deutschland herrschte bis vor kurzem eine echte Quiz-Manie, die Amerikaner betreiben das schon viel länger mit solcher Euphorie.
Und warum sollte es in der imaginären Zukunft anders sein?!
Der Troll ist nicht der hellste und ist stolz, dass er durch seine Vorbereitungen plötzlich so viel weiß, und nutzt das bei jeder Gelegenheit. Ein ähnliches Phänomen beobachtet man auch bei kleinen Kindern.

X-Zine: Aber ist die Endpointe mit dem Quiz nicht etwas hart? All das Leid und die Tragik bei den Runs - dabei könnte man doch das große Geld bei den Quizshows machen?

Markus Heitz: So ist das Leben.
Wer gewinnt den in den Quiz-Shows? Hausfrauen, Busfahrer, Akademiker, Lehrer, Hilfsarbeiter, im Grunde alle, die durch die lockere Vorausscheidung kamen. Normale Menschen.
Zu Abräumern werden diejenigen, welche -Zufall oder nicht- genau die Fragen gestellt bekommen, zu denen sie die Antwort kennen. Glück.
Im echten Leben können diese Sieger die größten sozialen oder menschlichen Verlierer sein oder seit Jahren erfolglos an der Karriere basteln. Nach einer halben Stunde ist ihre graue Welt auf den Kopf gestellt.
Ultra ist ein Krimineller, der sich knallhart auf seine Chance bei "Quizz It" vorbereitete. Und Glück hatte.
Das gleiche grausame Glück verhilft 84-Jährigen Sozialhilfeempfängern zum 20 Millionen Euro Lottogewinn, und drei Tage später sind sie tot. Zack.
Ich habe übrigens ausgewürfelt, ob Ultra es schafft.... er hatte Glück.

X-Zine: Persönlich finde ich die negative Darstellung der Ghuls problematisch. Eigentlich sind dies doch nur "erkrankte" Menschen, oder?

Markus Heitz: Korrekt.
Dennoch, im Regelwerk ist die Rede vom "Trauma der Goblinisierung" und "Verlust mentaler Kapazitäten".
Es wurde immer darauf hingewiesen, dass nicht wenige Menschen durch den Vorgang der Goblinisierung wahnsinnig werden. Wenn sich ein größenwahnsinniger IQ 85-Ghul an die Spitze einer Kolonie von IQ50 setzt, KANN es so aussehen. Zahlreiche Regierungen haben aus diesem Grund wohl ein Kopfgeld auf Ghule ausgesetzt, andere sperren sie als Menschenfresser in Umerziehungslager.
Dann gibt es solche, die geistig normal bleiben. Die verursachen keine Schwierigkeiten.
Jeroquee und Piers trafen bislang nur auf Vertreter der aggressiven Sorte.
Und darum geht es auch im zweiten und dritten Roman: Jeroquee hat bei ihrer Arbeit ein Schlüsselerlebnis, das sie ins Grübeln über den "Schädling Ghul" bringt. Mehr möchte ich aber nicht verraten.
Ach ja, auch das vorgesehene "Ghulschutzprogramm" der ADL- Bundesregierung (3.Band) wird nicht vergessen. Wie man sieht, habe ich mich mit der Thematik beschäftigt.

X-Zine: Was wird uns im nächsten Shadowrun Band erwarten?
Markus Heitz: Oh, einiges. Eine absurde Theateraufführung "Hamlet gegen Hitler"; Einblicke in die Sox und in die Sitzungen des Kontrollrates, der sie verwaltet; Einblicke in die Kon-Kriege und in eine Forschungs-Ark in der Sox; Morde und Hinrichtungen in der Unterwelt; ein Engel und ein Teufel; ein geheimnisvoller Sammler von Foki und Fetischen.
Mit dabei sind außerdem wieder Poolitzer, Jeroquee, Ultra und seine Chummers sowie Jennings.
Neu sind ein deutscher Kriminalhauptkommissar und ein ADL- Schattenläuferteam mit einem Samurai-Chef namens Ordog, das hingeht, wo noch kein Schattenläuferteam zuvor gewesen war...