Fáilte!

....das heißt, glaube ich, so viel wie "Willkommen". Jedenfalls stand das überall in Irland. Ich hoffe, dass es keine gälische Beschimpfung war. :o)

Hier ist er, der ...

Irlandreisebericht, Sternzeit 16. September 2002

Es wird eine Mischung aus „Wir waren in“ und „Das ist mir aufgefallen“. Keinesfalls sind geschichtliche Abhandlungen zu finden. Es lebe das rein Subjektive!

Eine Woche lang reisten wir mit einer Busgemeinschaft durch Irland, Veranstalter war „CIE-Tours“, gebucht über „FTI“, unterschrieben und geregelt im „FirstReisebüro“ im Globus Markt (Einöd), das sich sehr viel Mühe gab, kleine Unstimmigkeiten im Vorfeld zu bereinigen!
Reisezeit: 30. August bis 14. September 2002.
Reiseleiter: John McGeorge; Busfahrer: Michael "Mike" O’Sullivan

Vorab: Bustouren kann ich nur empfehlen.
Selbst wenn die Landschaft und das Programm langweilig wären (was in Irland nicht der Fall war), das Beobachten der anderen Gäste ist sehr abwechslungsreich! Ich werde ein Buch daraus machen...

1. Urlaubstag: Panikschweiß
Anreise nach Shannon per RyanAir. Flug war okay, auch wenn mir ein gravierender Sicherheitsmangel aufgefallen ist: Das Cockpit war NICHT abgesperrt!
Mehrfach waren Besatzungsmitglieder während des Hin- und Rückfluges bei den Piloten. In den Zeiten der möglichen Flugzeugentführungen ist ein nicht abgesperrtes und in keiner Weise gesichertes Cockpit sträflich und fahrlässig, wie ich finde.
Direkt neben dem Cockpiteingang befanden sich die Toiletten. D.h. ein potenzieller Entführer müsste nur so tun, als wollte er aufs Klo und könnte mit einem Satz in der Kabine stehen.
Nicht gut.
Gar nicht gut, liebe RyanAir- Gesellschaft! Ich hätte es euch gerne geschrieben, aber ich habe keine Email-Adresse gefunden, an die man Beschwerden schicken kann....
(... und ihr, liebe potentielle Entführer, vergesst das, was ihr eben gelesen habt.)
Entsprechend stand mir der Schweiß auf der Stirn, eine Hand lag immer am Rucksack, um ihn einem Entführer sofort über die Rübe zu ziehen.
Außerdem hatte ich mein Keramikmesser immer griffbereit. Darauf hat das Metallsuchgerät am Flughafen nicht reagiert.
(... und ihr, liebe potentielle Entführer, vergesst das bitte auch, was ihr eben gelesen habt.)
Nach dem ruhigen Flug: Fahrt ins Oak Wood Arms, sehr schönes Hotel mit nur drei Sternen, was ich bei der Qualität nicht verstehe. Müsste mehr sein. Das Great Southern Hotel, vier Sterne, kostete 150 Euro und war schlechter, was die Unterbringung anging.

2.Tag und Start der CIE- Rundreise:
Umzug ins „Great Southern Hotel“, Ausflug in den Bunratty Folk Park, wo ein irisches Dorf aus dem 19. Jahrhundert nachgebaut wurde und irische Handwerke zur Schau gestellt werden.

Sehr schön anzuschauen, auch die Burg Bunratty ist gut anzuschauen, da sie aufwendig restauriert wurde. Keine Trümmerbude, sondern banketteinsatzfähig.


Erstes Beschnuppern der Reiseteilnehmer. Hey, wow, internationales Flair macht sich breit: drei Österreicher, drei Schweizer, zwölf Deutsche und drei Bayern. Die Bayern legten explizit Wert auf den Freistaat-Status. :o)
Dann der nächste Schock: das „full irish breakfast“. Es besteht aus zwei Spiegeleiern, zwei Würstchen, einer Scheibe gebratene Leberwurst und Blutwurst, einer Viertel Tomate und Toast mit gesalzener Butter. Fat as fat can.
Dazu las ich in der „Irish Independent“: Die Hälfte der irischen Toten geht auf Herzkrankheiten zurück. Und: Die Iren gäben pro Jahr und Kopf 1285 Dollar für Alkohol in Pubs und Restaurants aus.
Wen wundert da noch das Herzversagen?! Deutschland rangiert nach der Untersuchung auf Platz elf mit 211 Dollar.

3.Tag.
Full irish breakfast. Man ist sehr lange satt danach.
Dann ging es los zu den „Cliffs of Moher“.


Seeeeehr beeindruckend, vor allem wenn man sich abseits der getrampelten Pfade bewegt und sich mit aller Vorsicht entlang der Grasnarbe am Rand des 200 tiefen Abgrundes vorwärts tastet. Fallwinde machen den Spaziergang zu einem Adrenalinkick schlechthin.
(Der soeben beschriebene Stunt wurde unter Aufsicht von Sturmvögeln absolviert und von Profis beaufsichtigt, die mit einem Rettungsring parat standen, um mich nach meinen 200 Meter Sturz aus dem Wasser zu ziehen. Bitte nicht nachmachen!)
Danach ging es in die Tropfsteinhöhle von Ailwee, in der die Eiszeitbären einst schlummerten. Schön anzusehen, weil mit unterschiedlicher Beleuchtung gearbeitet wird.
Anschließend ging es durch die steinige Landschaft, die sich „Burren“ nennt. Cromwell soll sich darüber beschwert haben, dass man keinen Fluss habe, um einen Menschen zu ertränken, keinen Baum habe, um einen Menschen daran aufzuhängen, und man keine Erde finde, um ihn zu begraben. Lustig, der Cromwell. Ein echter Pragmatiker.


Die Landschaft ist bizarr. Mal grau, mal farbenfroh, weil es den Blümelein gelingt, sich zwischen den Kalkfelsen durchzuschieben und zu blühen. Sehr empfehlenswert. Aber beim Kraxeln aufpassen! Eine Dame der Reisegesellschaft knickte prompt um.
Genächtigt wurde im Connemara Coast Hotel, Frühstück mit Meeresblick! Das Hotel erhält die beste Wertung der Reise!
Was ich allen irischen Hotels hoch anrechne: Es gibt in jedem Zimmer einen kleinen Wasserkocher, Teebeutel, Zucker und Milch! Kostenlos. Für einen Tee-Junkie wie mich ein kleines Paradies!

4.Tag
Okay, nur noch Rühreier und zwei Würstchen. Toast mit salziger Butter oder herber Orangenmarmelade. Sehr lecker.
Danach ging es zur Connemara- Rundfahrt, vorbei an Tälern, Torffeldern, Heiden (Landschaften, nicht Un-Christen), bis wir zur Kyelmore Abbey gelangten, eine schlossartig an einem See gelegene Klosteranlage. Heute ist ein Mädchenpensionat untergebracht. Zu sehen war auch die gotische Klein-Kathedrale.
Danach ging es an den „Zwölf Kegeln“, wie die spezielle Bergformation genannt wurde, zurück ins Hotel.
Dabei stellte ich fest, dass Irland wirklich aussieht wie im Prospekt. Die Hoffnungen und Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Und: Jeder Ire muss in seinem Leben mindestens eine Steinmauer errichten. So sieht es jedenfalls in Connemara aus. Die Erklärung in den kargen Gebieten ist einfach und kommt (wie viele nützliche Erklärungen) von McGeorge. Ehe man ein Feld bestellen konnte oder Kühe grasen lässt, muss man die Steine entfernen. Weil man sie eben nicht weit schleppen wollte und man sowie einen Zaun braucht, baut man damit eben ... genau! Mäuerchen.
Weiter landeinwärts findet man die Mauern nicht. Dort wurden Hecken und Sträucher als Windschutz errichtet.
Übrigens „Berge“ sind in Irland 800 Meter hoch, was aber wahnsinnig Schwindel erregend erscheint, weil sie sich alle ab dem Höhenmeter null erheben. Was also in Deutschland ein normaler Hügel wäre, erscheint dort als kleiner Bruder des Himalaja.
Galway haben wir auch besucht, eine sehr angenehme Stadt.
Die Landstraßen und teilweise auch die Hauptstraßen stellen eine echte Herausforderung für alle Fahrer dar: schmal, schlecht, Rollsplitt an den Rändern. Jede Begegnung mit einem Lkw wird eine Mutprobe für die Passagiere, während die Fahrer immer recht souverän wirken.
Mein Lieblingsfahrerlebnis: Auf einer Brücke kam uns ein Pkw entgegen. Die Frau legte panisch den Rückwärtsgang ein, setzte die Kiste bei der Aktion halb in den Graben, und warf sich theatralisch auf den Beifahrersitz, hielt sich einen Arm als Schutz vors Gesicht, als unser Bus ihr Auto passierte. Eine gefaltete Serviette hätte in den Freiraum zwischen den Fahrzeugen gepasst. „Mike“ lachte und hupte freundlich. „Da war noch viel Platz“, lautete sein Statement.
Doch es gibt einen Indikator! Den „Jesus“-Indikator.
Immer, wenn es besonders eng wurde oder ein Schlagloch tiefer als vermutet war, rief unser Fahrer laut „Jesus!“, und dann wusste ich, dass es dieses Mal so dramatisch war, wie es aussah. Man gewöhnte sich irgendwann daran.
Am Atlantik waren wir auch. Lufttemperatur: 16 Grad, Wassertemperatur: 10 Grad. Dennoch ging „Iron-John“ schwimmen. Shocking.


Einen der Schweizer erwischte es beim Spaziergang. Er schlenderte glücklich den Strand entlang. Die nächste Welle fiel etwas höher aus als erwartet und wässerte ihm die Hose, die Schuhe und Strümpfe. Logisch, Schweizer sind meeresunerfahren.
Noch ein Wort zu den Schafen. Irische Schafe grasen überall.
Dabei unterscheide ich die Kategorie „Bergmade“ und „Dangerseaker“. Die gewöhnlichen Berg- und Wiesengraser (von den Iren wirklich „Bergmaden“ genannt) standen malerisch auf an Berghängen und auf Wiesen, während die „Dangerseaker“ am fahrtwindumtosten Fahrbahnrand ihre Halme zupften, unempfänglich für Lkwgetöse und Busgehupe. Sehr gewagt.

5. Tag
Eine Schrecksekunde.
Nein, ich habe nicht aus Versehen „full irish breakfast“ bestellt, sondern mein Notizbuch um ein Haar vergessen. Das hätte den Lesern zwar den Reisebericht erspart, aber mich unendlich traurig gemacht.
Zu sehen waren heute:
-Cong Abbey, eine schöne alte Klosteranlage mit tollen Fotomotiven.

Man musste über Grabsteine laufen und kam sich dabei etwas seltsam vor.


-Lough Corrib: 365 Inseln auf einem 40 Kilometer langen See. Sonnenschein durch Wolken, Schattenspiele und leuchtendes Grün. „Impressive“, wie Darth Vader sagte.


-Danach ging es zum einzigen Fjord Irlands,
-danach weiter nach Westport, das sehr malerisch und eine Reise wert ist.
Die Reise endet in Sligo, im Tower Hotel. Es liegt zwar mitten in der Stadt, ist aber nicht zu empfehlen. Schlechter Service.
Mein Lieblingszitat des Tages. „Jo mei, dös is scho a komische Sproche“, sagte einer Bayern über das Gälische. Im breitesten bairischen Dialekt.

6.Tag
Ich habe das Geheimnis des irischen Whiskeys gelüftet: Das Torfwasser ist es! Egal, in welchem Hotel man das Leitungswasser kostete, es schmeckt immer leicht brackig und war braun (mal mehr, mal weniger) eingefärbt. Kein Rost, sondern angetorftes Grundwasser!


Auf der Suche nach einem Pub erforschten wir Sligo zu Fuß und ich machte mehrere Entdeckungen: Die Iren haben ein Faible für Sportklamotten und Trikots, es gibt keine Hundehaufen und es gibt definitiv mehr Rothaarige als bei uns. Und ein geöffnetes Pub fanden wir nicht. Huch.
Es ging ans Grab des Dichters Yeats und zu einem uralten keltischen Hochkreuz. Ich muss sagen, dass ich das Yeats’sche Grab als sehr langweilig und die Plastikblumen als extrem stillos empfand, der restliche Friedhof dagegen eine Fundgrube für tolle Motive war! Sarkophage mit Gittereinfriedungen rund um die Kirche in Drumcliffe.
Danach ging es wieder an den Atlantik, der hier in der Nähe von Donegal eine Spur wilder erscheint. Die Wellenreiter haben sich jedenfalls sehr über die Brandung gefreut.
In Glenties, im „Highland Hotel“ gab es Sandwich und Tee. Außer dem Hühnchenfleisch war nichts auf dem Brot, was es sehr trocken machte. Dafür reichte man mit dem Sandwich Essig-Salz-Chips, die in Irland immer gegessen werden. Dazu später mehr.
Der Wetterbericht hatte Regen gemeldet, wir schwitzen uns weg. Merken: Niemals dem Wetterbericht glauben! Außerdem wechselt das Wetter manchmal so schnell, dass man sich nicht entscheiden kann, den Regenschirm oder lieber die Sonnenbrille auszupacken. Dafür erhält man gigantische Wolkenspiele geliefert.
Danach ging es weiter in den Glenveagh Nationalpark, und wir erklommen den Aussichtspunkt.
PHÄNOMENAL!!!


Überall Licht- und Schattenspiele auf sattgrünen Berghängen, zu unseren Füßen eine Burg und ein See.
Dafür war die Fahrt zum Park eine einzige Tortur. Der Grund: Die Straße hat sich wegen des Torfuntergrundes so abgesenkt, dass es eher eine Kamelrallye glich als einer Busfahrt. Aber wer was sehen möchte, muss leiden...
Rechts und links sah man die Gräben der Torfstecher, die das Torf in Barrenform stechen und in kleinen Pyramiden zum Trocknen aufstellen. Nass wiegt ein Barren sechs Kilogramm, getrocknet nur noch ein Kilo.

Exkurs: TORF


Torf [niederdt.], unter Luftabschluss als erste Stufe der Inkohlung v. a. in Mooren gebildetes Zersetzungsprodukt überwiegend pflanzl. Substanzen; enthält in frisch gewonnenem Zustand bis zu 90 % Wasser, lufttrocken noch 25-30 %. Die Gewinnung erfolgt nach Entwässerung der Moore in T.stichen mit Hand oder maschinell.
Bes. ältere Moos-T. und gut zersetzte Niederungsmoor-T. werden als Preß-T. (T.briketts) nach Trocknung zum Heizen verwendet. Der Heizwert von wasserfreiem T. liegt zw. 9 200 und 16 400, maximal bei 24 000 kJ/kg.
Jüngerer Moos-T. kommt, zu Ballen gepreßt, als Faser-T. oder (durch Trocknen und Zerkleinern gewonnener) T.mull in den Handel. Er wird u. a. zu Bodenbedeckungs-, Verpackungs- und Dämmzwecken sowie als Einstreu verwendet.
Flachmoor-T. sind inhomogen, mit schwach saurer oder neutraler Reaktion und werden u. a. zur Herstellung von Erdgemischen für die Pflanzenanzucht und zur Verbesserung leichter Böden benutzt.
EXKURS Ende

Die Torfgräben sehen ein wenig nach den Überresten einer gewaltigen Schlacht aus. Der Kampf gegen das Moor.
Der Geruch von Torffeuer ist klasse. Würzig, schwer. Man erkennt den Unterschied zu normalem Holz sofort. Gerade an etwas kühleren Tagen oder abends roch man die Torffeuer.

7.Tag
In Sligo saßen wir, wie gesagt, im Tower Hotel. Warum ich den Service nicht gut finde, soll folgende Begebenheit erklären:
Einem Gast fehlte ein Messer. Er reklamierte und erntete ein hastiges Kopfnicken. Das Messer kam nicht.
Er orderte Weißwein zum Essen. Der Weißwein kam nicht.
Es gab Tee zum Abschluss, bei ihm war die Kanne leer.
Die Bedienung verschwand, um neuen Tee zu holen. Er hatte keinen Löffel, um den noch zu erhaltenden Tee umzurühren und reklamierte. Er bekam keinen Löffel. Und keinen Tee.
Einleuchtend, er hatte ja auch keinen Löffel.
An diesem Abend geschah es, dass Kartoffeln vom Tisch fielen. Sie lagen am nächsten Morgen immer noch dort...
Ergo: Überlegen Sie, ob Sie das Tower Hotel nutzen möchten.
Aber in der angeschlossenen Bar hört man abends sehr gute irische Livemusik. Die Männer an der Bar waren ganz ergriffen und sangen bei der letzten Strophe der Lieder auch immer mit.
An dem Tag waren wir in einer alten Abtei, in Mellifont, die älteste Zisterzienserabtei Irlands.
Danach ging es nach Knowth, zu einem 5000 Jahre alten Megalithengrab. Schon erstaunlich, was die Menschen vor 5000 Jahren gebaut haben.

Dieses Mal regnet es wirklich (zehn Minuten lang). Der irische Regen schmeckt jedenfalls genauso wie der deutsche. Aber ob er vor 5000 Jahren anders war, DAS hätte mich interessiert.
Wir checkten in Dublin im Montrose-Hotel ein, das trotz seiner drei Sterne nicht viel im Zimmer zu bieten hat: lockere Bodenfliesen, Flecken auf den Sesseln... dafür sind der Service beim Essen und das Essen selbst sehr gut.

8. Tag
Dublin. Wir besuchten die St. Patricks Kathedrale, das Trinity College sowie schauten uns die viktorianischen Häuserfronten an.

Nach einem Sandwich im Kilkenny-Shop mache ich mal wieder eine Entdeckung: Warum klemmen die Iren (und vermutlich auch die Engländer) anstatt Scheibenkäse immer Cheddarbrösel in ein Sandwich?
Das ist die vermutlich unsinnigste Art, ein Brot mit Käse zu belegen. Weicht die waagrechte Haltung der Scheibe auch nur ein Jota von der Horizontalen ab, regnet es Cheddarspäne, die man danach mühselig zusammenklauben muss.
Warum ging die Erfindung des Scheibenkäses an den Iren vorbei, warum?!
Frisch gestärkt und voller Tatendrang: Es ging quer durch Dublin, eine absolut unirische Großstadt mit 1,3 Millionen Menschen und Hektik. Hier etwas Keltisches zu kaufen hat den gleichen Charme wie in Homburg ein Stück Kohle zu erstehen, um die Bergmannskultur des Saarlandes mit nach Hause zu nehmen. Es hat wenig miteinander zu tun.
Auffällig war, dass es jede Menge junger Mütter gibt. Und mehr Rothaarige. Aber das hatten wir bereits... Ich und meine Entdeckungen.
Die St. Patricks Kathedrale hat wenig mit einer Kirche zu tun und ist im Inneren sehr... gewöhnungsbedürftig.
Sicher, sie hat bunte Fenster und alles, was zu einer Kathedrale gehört. Aber leider viel zu viel davon. Vor allem zu viele Touristen. Ich stelle es mir sehr schwierig vor, darin zu Gott zu finden und in aller Ruhe beten zu können. Oder aber die Dubliner gehen in kleinere, unbekannte Kirchen.
[Anmerkung: Nachdem auch eine Mitarbeiterin von CIE-Tours den Bericht gelesen hat, bekam ich die Erklärung hierfür, die natürlich gerne weiter leite: "Die St. Pat's Kathedrale ist deshalb so leer an Betenden, da es sich um eine anglikanische Kathedrale handelt (englisches Erbe), die Mehrheit der Iren aber katholisch ist. Da hilft nur eine hauptsächliche Benutzung des Bauwerkes als Museum, die bauerhaltenden Maßnahmen zu finanzieren." Vielen Dank, Frau Unger!]
Die sogenannte „Militärecke“ der Kathedrale hat es tatsächlich geschafft, mir einen Schauer über den Rücken laufen zu lassen. Mir!
Dort hängen Gedenktafeln für die Toten der unterschiedlichsten Regimenter sowie die Standarten der Regimenter. Da einige bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgehen, löste sich der Stoff allmählich auf, wurde schwarz, verrottete. Ein besseres Symbol für Verfall, Auflösung, Verwesung kann es nicht geben. Es hatte den Anschein, als zerfielen die Fahnen ebenso wie die Leichen derer, die einst unter den Standarten marschierten. *grusel*
Das Trinity College ist nett, man kann es gesehen haben, muss es aber nicht. Unbedingt, unbedingt, unbedingt MUSS man in den großen Lesesaal! Dort stehen sechs Meter hohe, dunkelbraune, massive Regale mit uralten Büchern. Wirklich uralten Büchern.
Als Touri darf man nur an den Regalen vorbeigehen, nicht reinlangen und nicht fotografieren. Sehr schade.
Während unseres Aufenthaltes war gerade ein Angestellter dabei, die Bücher zu sortieren. Dazu trug er einen kompletten Schutzanzug samt Atemmaske. Stellt sich die Frage, ob er für das Buch oder das Buch für ihn gefährlich war.
Dennoch muss man den Saal sehen und ihn auf sich wirken lassen, den Geruch einatmen (wenn man kein Stauballergiker ist), der viel Wissen, altes Papier, Holz und Bohnerwachs beinhaltet. Man flüstert automatisch.
Nicht zu vergessen das „Book of Kells“ im Original! In einer speziellen Ausstellung kann man einen Blick in DAS Buch werfen.
Danach ging es auf eigene Faust weiter durch Dublin, und wir klapperten die Shoppingmeilen und Fußgängerzonen ab. Sehenswert ist das „St. Stephens Green Shopping Centre“ wegen seiner Glas- und weißen Schmiedeisenarchitektur. Durch eine Querstraße kommt man zum „St. George Shopping Centre“, das auch einen Ausflug (nur zum Anschauen) wert ist. Dort sind Designerläden untergebracht, also nix für schmale Geldbeutel.
Abends fuhren wir in den Pub „The Old Abbey“, in dem ein „typisch irischer Abend“ stattfinden sollte. Die Musik und das Pub waren in Ordnung. Der „typisch irische Abend“ fand in der wohl ehemaligen Scheune statt, in der unsere Reisegruppe und drei weitere (Amerikaner) saßen. Die Musiker waren sehr gut, aber es hatte eben kein Flair von einem „typischen irischen Abend“. Den sollte man sich besser selbst in einem kleinen Pub suchen.

9.Tag
Während die Rundreise zu Ende geht, bereiten wir uns auf den Anschlussaufenthalt vor, bei dem wir nur auf die irischen Busse zurückgreifen werden. „Bus Eireann“ nennen sie sich, und sie fahren von unserer Busstation Limerick aus in alle irischen Himmelsrichtungen.
An diesem Morgen leistete ich mein englisches Meisterstück. Mit einem souveränen Fingerzeig auf die Teekanne sagte ich zu der Bedienung: „Excuse me, may we have another pot of tea? This one is all.“
All.
A L L ! ! !
Sicher, Markus, all.
„Empty“ wäre das richtige Wort gewesen.
Da der Saarländer aber gerne zu etwas Leerem „all“ sagt, schlug die Herkunft voll durch.
Schuld ist aber die Potsdamerin, die nämlich zuerst bemerkt: „Ach?! Der Tee ist alle.“ Sofort sah ich das Plakat einer saarländischen Brauerei vor mir, auf dem „All“ steht und ein leerer Bierkasten zu sehen ist. Tja, und schon formulierte ich Schwachsinn. Tee haben wir trotzdem bekommen.
Nach dem Einchecken im „Oak Wood Arms“ (in unmittelbarer Nähe zum Flughafen Shannon und 15 Minuten von Limerick entfernt) verging der Rest des Tages mit süßem Nichtstun und der „Episode IV“ von StarWars auf „Sky One“. Darth Vader ist im Englischen ein fürchterlicher Choleriker und sehr sympathisch.

10.Tag
Wir haben Limerick und „Kings John Castle“ auf den Kopf gestellt.

Es hat richtig viel Spaß gemacht, mal ohne Reisegruppe durch eine Sehenswürdigkeit zu laufen und sich so viel Zeit zu nehmen, wie man wollte.
Das Schloss ist touristisch sehr ergiebig, weil es sehr gut restauriert ist und eine gute Ausstellung aufweist, die gemachten Ausgrabungen perfekt erklärt werden.
Limerick selbst präsentiert sich als eine angenehme Stadt, die sich sehr gut zum Shoppen eignet und mit zahlreichen Pubs sowie Cafés genügend Möglichkeiten bietet, die Massen an sich vorbei treiben zu lassen und bei einer Tasse Tee auszuspannen.
Sehenswürdigkeiten sind ebenfalls reichlich vorhanden, die Stadt bietet einen „Heritage“- Rundkurs an, den man zu Fuß erwandert.. Kardinalpalast, King John’s Castle, das „Hunt“-Museum, Milkmarket und vieles mehr, insgesamt sind es 30 Punkte oder so. Lohnenswert.
Wo man sehr gut sitzt: „The Locke Bar“, direkt am Flussufer des Flusses Abbey gelegen.
Heute hat es zum ersten Mal lange und anhaltend geregnet (4 Stunden). Deshalb sollte man immer einen Schirm dabei haben. Die Schauer gehen normalerweise recht schnell vorüber. Normalerweise...

11.Tag
Ein Ausflug nach Waterford, mit Express „Bus Eireann“. Gute zweieinhalb Stunden on the road.
Bus fahren sollte man unbedingt, wenn man Zeit hat. Man bekommt eine kostenlose Rundfahrt durch die irische Landschaft, kann sich in aller Ruhe satt sehen und steigt entspannt aus, um sich in die Stadt zu stürzen.
Der Nachteil ist, dass man nicht alle abgelegenen Sehenswürdigkeiten erreicht. Aber die Großziele sind ohne Einschränkung anzufahren, wie die „Cliffs of Moher“.
Für 45 Euro gibt es das sogenannte „Rambler-Ticket“, mit dem man an drei Tagen alle „Bus Eireann“- Verbindungen nutzen darf, die es gibt. Und damit kommt man verdammt weit, bis nach Dublin und weiter! Sehr sinnvoll! Das Ticket ist für verschiedene Fahrtzeiträume erhältlich.
Und: Irische Busse halten überall an, um Leute aussteigen zu lassen, wenn man nach vorne läuft und dem Fahrer ein freundliches „Please, stopp here“ zuruft. Die halten sogar auf der Autobahn, also auf der Nationalstraße! Kein Witz! Und zum Einsteigen: einfach am Straßenrand stehen und den Arm heben, wenn der Bus kommt. Vorher macht es keinen Sinn und sieht gerade bei den Deutschen verfänglich aus. Sie sollten vorsichtshalber den linken Arm nehmen.
Als sehr haltestellengewohnte Deutsche hat es einen Tag gedauert, bis wir das verstanden haben, das mit dem Aussteigen, wo immer man will. :o)
Waterford ist empfehlenswert, vor allem wegen des „Waterford Treasure Museum“ am Quai. Die 6- Euro- Eintritt lohnen sich auf jeden Fall, es werden mehrere Filme und eine elektronische Führung in der jeweiligen Landessprache geboten!


Danach erkundeten wir Waterford zu Fuß, liefen zu unzähligen geschlossenen Abteien und Kirchen (grummel), bis wir aus lauter Frust mal wieder in Shopping Centern landeten.
Dabei fiel mir auf, dass die Iren ständig Chips essen.
Und zwar die Salz-Essig-Chips, abgepackt in 35 Gramm oder 45 Gramm-Tüten! Die isst man unterwegs, beim Warten auf den Bus, im Bus, im Restaurant, einfach überall!
Dafür ist es sehr schwierig, große Chipstüten zu finden, die den deutschen Maßstäben entsprechen. Die Iren stehen auf die kleinen Packungen.

12.Tag
Limerick, mal wieder.
Und zwar suchten wir alles das heim, was bei unserem ersten Besuch geschlossen war, wie das „Hunt“-Museum und die St. Mary’s Cathedral, die ich als eine der schönsten Gotteshäuser der Tour empfand. Auch zu sehen ist in Limerick der höchste Glockenturm Irlands, als Bestandteil der St. John’s Cathedral.
Während ich auf eine einkaufende Begleiterin wartete, beobachtete ich bettelende Kinder, die wohl zum „Fahrenden Volk“ gehörten, das man früher auch „Tinkerer“, „Kesselflicker“ nannte. Eine eigene soziale Schicht, die nur in Wohnwagen lebt und sich niemals lange an einem Ort aufhält. Moderne Nomaden. Allerdings ist der Ruf nicht der beste, sie stehen im Verdacht, gerne an Straftaten beteiligt zu sein, in erster Linie Einbrüche und Diebstähle. Meistens leben sie vom Schrottverkauf, wie unser Reiseführer erklärte.
Das Bettlerkind ging die Sache jedenfalls sehr professionell an. Ab und zu wurde der kleine Bruder, den sie auf dem Arm trug, gezwickt, damit er noch mal jammerte und weinte. Die Passanten wurden gezielt angebettelt, nicht jeder kam in das „Oh, Sir/Madame, please! Look, little Brother. Please!” Anzugträger wurden gemieden, ältere Omas waren bevorzugt.
Sie saß auf einem kleinen Plastikhocker, den sie so unter ihr Kleid schob, dass man nicht sah, worauf sie hockte und den Eindruck hatte, sie befände sich auf dem kalten Stein der Fußgängerzone.
Als sie an dem Punkt keinen Cent einnahm, lief sie ein paar Meter weiter und begann ihre Rolle des leidenden Kindes von vorne. Der Tonfall war perfekt gewählt. Schauspielerei pur.
Warum ich das weiß?
Etwa nach einer Viertelstunde kamen aus allen Richtungen drei weitere kleine Kinder und zwei Erwachsene, die rasch und fröhlich einen Kassensturz machten und dann wieder auf Tour gingen. Interessant.

13.Tag
Cork stand auf dem Plan, nach Cork fuhren wir auch.
Während der Busreise erinnerte ich mich an die Worte des Reiseführers, dass es viele Füchse in Irland gäbe. Sie seien sehr schlau und liefen entlang der Straßen, um nach Aas zu suchen.
Ich habe vier überfahren Füchse gezählt. So schlau können sie demnach nicht sein. :o)
Es gibt jede Menge Raben in Irland. Und sie müssen schlauer sein als die Füchse, denn überfahren wurden sie nicht. Die fressen dafür die Überreste der platten Füchse. Seltsame Nahrungskette.
Cork ist sehr hektisch und gefiel uns gar nicht. Bei uns zumindest wollte sich kein Flair einstellen, und als sie noch 5 Euro für das simple Erklimmen eines Glockenturmes verlangten, den ich höchstens für 5 Euro Bezahlung bestiegen hätte, wollten wir nicht mehr. Anschauen sollte man sich aber die „Peter & Paul Cathedral“. Kostet auch nix.
Das „Treffen der Nationen“ fand vor einer Damenumkleide statt.
Während ich (mal wieder) auf meine Begleiterin wartete, was mir nichts ausmacht, weil ich in der Zwischenzeit Menschen beobachten kann, bemerkte ich einen Asiaten wenige Meter von mir entfernt. Er hatte auch einen zusätzlichen Rucksack in der Hand, einen zweiten Mantel über dem Arm und wartete.
Wir sahen uns an.
Grinsten.
Männer verstehen sich in solchen Situationen ohne Worte. Leidensgenossen.

14. Tag
Limerick hat es uns angetan.
Wir waren schon wieder hier, schlürften unseren Tee in der „Locke Bar“ am Georges- Quai und machten uns einen angenehmen Tag.
Wer es noch nicht wusste: Im Pub geht man zum Tresen, bestellt sich sein Bier, bezahlt, nimmt das Glas und geht zurück an seinen Platz. Keine Bedienung, die etwas bringt, no, Sir.
Andererseits waren unwahrscheinlich viele Kellner im Einsatz, die um die Tische liefen, um die leeren Gläser abzuräumen. Ohne eine neue Bestellung aufzunehmen. Mh, DAS System müssen die Iren noch ändern.
Und: Vorsicht! Die Iren lassen die Teebeutel in der Kanne schwimmen! Daran sollte man denken, wenn man sich einen „Pot“ bestellt und sich bei der dritten Tasse wundert, warum der Tee plötzlich 1. stark und 2. bitter schmeckt. :o)
An dem Abend wagte ich den Besuch der „Sophie’s Lounge“ im Oak Wood Arms.
Shit, ich hätte früher herkommen sollen!
Die Lounge ist toll gemacht, viele Einheimische sind hier zu finden und ein Gespräch mit echten Iren ist garantiert. Wenn man sich an die irische Aussprache gewöhnt hat. Ein Jugendlicher verabschiedete sich mit den Worten „sa ju ladda“. Nach einer Viertelstunde begriff ich, dass es nur „See you later“ sein konnte, was er sagte. :o)

15. Tag
Der letzte Ausflug zu Sehenswürdigkeiten.
Es ging nach Cahir, einem Städtchen, gesegnet mit einer sehr gut erhalten Burg und einem „Heritage“-Pfad sowie dem „Swiss-Cottage“, zu dem ein malerischer Fußweg entlang eines Baches führt. Allerdings kann man mal wieder nur rein, wenn mal Geld abdrückt. Die Burg lohnt sich sicherlich, die „Cottage“ haben wir boykottiert, weil man sie ohne Geld nicht mal von außen zu sehen bekam! Schweinerei...


Übrigens stammt der Begriff aus Irland, „boykottieren“. Weil die irischen Farmer sich weigerten, mit einem sehr harten Menschen namens „General Boykott“ Handel zu treiben, um ihn für seine schlechte Bezahlung und seine Umgangsformen abzustrafen, übernahm man den Begriff des „boykottierens“.
Und noch was stammt aus Irland: Lynch-Justiz. Richter Lynch hängte seinen eigenen Sohn, der sich eines Kapitalverbrechens (im Sinne von Mord, nicht von Geld) schuldig machte. Und zwar am Fenster des Hauses, weil sich sonst keiner traute, den Sohn des Richters zu hängen. Lynch-Justiz stand damals für eine harte, kompromisslose Gesetzestreue, wurde im Wilden Westen als Synonym für „Hängen“ genommen. Das ist das Fenster, aus dem er baumelte...

 

16.Tag
Abflug und stundenlanges Warten auf dem Flughafen Shannon, weil unser Flug erst gegen 20.30 Uhr abhebt. Aber solange es etwas zu beobachten und Tee gibt, sind Schriftsteller zufrieden. Das kann man alles für Romane benutzen. :o)

Fazit: Wir kommen noch einmal nach Irland. Unbedingt sogar! Was kann man Besseres über ein Land sagen?!

Die Busrundreise mit CIE war im Ganzen betrachtet gut, man sieht viel und erfährt noch mehr.
Daher: empfehlenswert!
Die Touren auf eigene Faust machen noch mehr Spaß, weil der Entdeckersinn mehr angesprochen wird. Dafür muss man sich viel mit Organisation aufhalten, man muss mit dem Bus oder dem Auto fahren, was bei diesen Straßen in Kombination mit Linksverkehr, Landstraßen, entgegenkommenden Bussen und Lkws ein bisschen haarig ist, Landkarten lesen, durch Innenstädte fahren und Ruhe bewahren. Da liegt der definitive Vorteil der Busrundreise.
Die Kombination aus beidem ist das Optimale für Anfänger, schätze ich.

Und nun ein Quiz:
Wie oft kam das Wort „empfehlenswert“ in diesem subjektiven Bericht vor?
Zählen Sie, notieren Sie es sich und schreiben Sie mir bloß nicht!
Aber Ihnen kann es eine Lehre sein, dass man immer Alternativen auf Lager haben sollte.