NEUES
ZWERGE!!!! GAME!!!!
DES TEUFELS GEBETBUCH
Frankfurter Buchmesse - passé


 abonnieren?

Leseprobe II: Die Legenden der Albae - DUNKLE PFADE
ET: 20. August 2012

Wie versprochen, noch eine kleine Leseprobe. Dieses Mal wird es ... kunstvoll.
viel Spaß damit, auch wenn die Formatierung durch die Übernahme aus dem PDF-Dokument mal wieder suboptimal ist.

Wir sind unterwegs mit Tirîgon und einer Albin namens Esmonäe, die er unterwegs in einer der Höhlen Phondrasôns aufgesammelt hat.
Schnell verlieben sie sich, und der Alb möchte mit ihr an die Oberfläche, zurück ins Albae-Reich.
Esmonäe kennt einen albischen Künstler namens Tossàlor. Er wurde verbannt, weil er Albae (!) als Materialquelle nutzte – und ausgerechnet ER weiß angeblich, wie man diesem Ort entkommt.

Schauen wir, was der Künstler als Lohn für sein Wissen fordert …


Tirîgon und Esmonäe wanderten durch die Gänge, Kavernen und Tunnel.

Die Albin führte sie zu einer von Tossàlors Unterkünften. Er unterhielt mehrere, wie sie Tirîgon unterwegs berichtete. Zur Inspiration, in verschiedenen Gegenden.

Während des Laufens schmiedeten sie Pläne für die gemeinsame Zukunft in Dsôn, und die Vorstellungen der beiden deckten sich, was die Euphorie des Kriegers steigerte. Bei ihren

Rasten errichteten sie stets nur eine Schlafstatt, die sie mit Hingabe teilten.

Endlich passierten sie einen Höhleneingang, der hoch über einer hügeldurchzogenen Landschaft lag, ein gezackter Himmel wölbte sich darüber.

»Wir sind da.« Esmonäe klatschte. »Lobe mich, dass ich uns sicher hierherbrachte.«

»Ich lobe dich.« Tirîgon küsste sie. »Sooft du möchtest.« Dann wandte er den Kopf.

Was er zunächst für gefrorene Blitze gehalten hatte, entpuppte sich als Stalaktiten, die von innen heraus leuchteten und Licht spendeten. In der Decke und den Wänden klafften breite Spalten und riesenhafte Löcher, durch die ein Drache hätte gleiten können.

Im Schein der schimmernden Kalkgebilde wuchsen gelbgrünliche Nadelwälder, in den Lichtungen breitete sich orangefarbenes Gras aus. Rehähnliche Tiere ästen darauf, Vögel zogen über den Baumkronen ihre Kreise. Vereinzelt erhob sich Rauch aus einfachen Hütten, es gab bestellte Felder mit Ähren und Rebstöcken. Am anderen Ende, in etlichen Meilen Entfernung, war ein befestigtes Gebäude im Fels zu erkennen, über dem ein braunoranges Banner mit unkenntlichen Ornamenten wehte.

Es sieht friedlich aus, dachte Tirîgon verblüfft. Weder Ungeheuer noch Attacken von Barbaren. Scheint, als könne man in Phondrasôn doch ein normales Leben führen. Er sah verwundert zu Esmonäe. »Ist das die Insel der Glückseligen?«

Sie lachte. »Nein. Die Höhle der Wehrhaften.« Sie wies auf die Festung. »Darin halten die Bewohner, die einem Barbarenstamm entsprangen, ein Scheusal gefangen, das sie stets freilassen, sobald sie von außen bedroht werden. Diese Bestie ist gewaltig und kann fliegen, aber sie kehrt in ihren Hort zurück, nachdem sie die Gefahr abwehrte. Sie scheint sich darin wohlzufühlen.«

»Und sie dulden Tossàlor in ihrer Heimat?«

»Mehr noch, sie mögen ihn sogar. Daher sind wir auch vor der Bestie sicher. Sie kennt unser Volk und ist darauf abgerichtet, uns nicht anzugreifen. Das erklärte mir Tossàlor zumindest.« Esmonäe blickte sich um. »Wenn ich mich richtig erinnere, liegt sein Haus gleich unter uns, in der rechten Ecke. Zwischen den großen Bäumen.«

Tirîgon erkannte die große Hütte, die auf Stelzen errichtet stand und um die herum Knochen von unterschiedlicher Größe verteilt lagen. Vermutlich der Abfall bei der Erschaffung neuer Werke. Das Dach strahlte weiß gestrichen und warf seinen hellen Schein weithin sichtbar ins Land.

Sie eilten den gewundenen Pfad hinab, vorbei an den Feldern mit Weinreben. Die grellroten Trauben hingen voll und reif an den Zweigen. Tirîgon widerstand dem Wunsch, einige Früchte zu kosten. Am Ende schadete ihm der Verzehr. »Sollte ich noch etwas über ihn wissen?«

»Du klingst ja beinahe ängstlich«, zog Esmonäe ihn auf. »Er wird sich nicht mit seinen Ausbeinmessern auf dich werfen.«

Er verkniff sich die Frage, weswegen Tossàlor ihr nichts antat. Weil er wenigstens hier unten so viel Anstand besitzt und den Zusammenhalt wahrt? »Ich bin nicht ängstlich. Ich suche nach Gründen, die ihn dazu bringen könnten, uns zu helfen. Ein Lockmittel, wenn du verstehst?«

»Dir wird schon etwas einfallen. Du bist schlau.« Esmonäe führte ihn durch den Wald bis zum schwarzen Haus, dessen dicke Holzstämme sich lückenlos aufeinanderfügten.

Doch aus der Nähe öffnete sich ein Anblick, der die meisten denkenden Lebewesen veranlassen würde, schreiend das Weite zu suchen: Das Dach bestand aus Knochenplättchen, dünn geschnitten und gegen die Verwitterung mit einer dünnen Lackschicht überzogen. Die umlaufende Rinne war aus Gebein, das Fallrohr, sogar die Halterungen bestanden aus bearbeiteten Unterkiefern.

Das ist sagenhaft! Wohin Tirîgon blickte, Tossàlor hatte sich sein Zuhause mit den sterblichen Überresten verschönert, von großen abstrakten Gemälden auf Hautleinwand bis hin zu kleinen und großen Skulpturen auf dem Dach. Es wäre nicht mit Geld zu bezahlen.

Sie umrundeten das Haus, um das herum die geborstenen Gebeine der verschiedensten Wesen lagen. Es schien in der Tat der Abfall des Künstlers zu sein, oder Material, das er für untauglich befunden hatte.

Über eine gerade Treppe aus Knochenstücken schritten sie hinauf zur kleinen Veranda.

Esmonäe pochte gegen die Tür, deren schwarzes Holz mit weißen Ornamenten versehen war. »Tossàlor, ich bin es«, rief sie. »Esmonäe.«

Tirîgon nahm sich vor, seine Gefährtin bei Gelegenheit nach der Verbindung zwischen den beiden zu fragen. »Lass mich vor«, bat er sie und schob sich vor sie.

Es klickte mehrmals, dann öffnete sich der Eingang.

Vor Tirîgon stand ein Alb in einer purpurfarbenen Robe, deren Ärmel in die Höhe gestreift waren. Die Unterarme und Hände troffen vor Blut, feinere Spritzer waren auf der Brust und im Gesicht zu erkennen. Die Haare lagen unter einer bestickten schwarzen Haube, eine blassgrünliche Locke spitzte hervor. Der Künstler mochte es offenbar, seine Haarfarbe zu wandeln. Die Blicke aus den dunklen Augen musterten zunächst Esmonäe.

»Eine Freude, dich zu sehen«, sagte er lächelnd. Dann wandte er sich an Tirîgon, und das Lächeln erlosch. »Und du? Was wünschst du?«

»Ich grüße dich.« Er fühlte sich wie ein Tier, das zur Schlachtung gemustert wurde. »Esmonäe war so freundlich, mich zu dir zu bringen.«

Schlagartig grinste Tossàlor wieder. »Zu freundlich. Sie könnte mit dir ohnehin auf lange Sicht nichts anfangen. Mir dagegen gehen gerade die Materialien aus.« Er sah an ihm vorbei zur Albin. »Dass sich das Objekt selbst vorstellt, ist eher ungewöhnlich. Und dazu auch noch freiwillig. Das nennt man wahren Kunstverstand.«

Tirîgon machte einen Schritt zurück, legte die Hand an sein Schwert. »Es verhält sich nicht ganz so.«

Esmonäe lachte. »Nein, ich bringe dir keine milde Gabe. Sein Name ist Tirîgon, und er gehört zu mir. Er ist auf der Suche nach dem Ausgang aus Phondrasôn.«

»Weil er unschuldig ist«, setzte Tossàlor hinzu, sein Antlitz verfiel zurück in den alten Ausdruck. »Wie originell. Das ist wahrlich ein guter Grund zurückzuwollen. Viel Erfolg.« Er machte Anstalten, die Tür zuzudrücken.

Tirîgon stellte den Fuß in den Spalt. »Ich habe eine Karte, aber es fehlt ein entscheidender Teil, fürchte ich«, sagte er und suchte die Karte heraus. »Wenn du mir sagst, wie ich aus dieser Welt herausfinde, gebe ich dir alles, was du verlangst, sobald wir in Dsôn sind. Meine Familie ist einflussreich.«

»Alles, was ich verlange?« Wieder begutachtete ihn Tossàlor. »Schön. Deine vierte rechte Rippe, dein Oberschenkelknochen, deine rechte Hand und«, er nickte zufrieden, »deine Augenlider. Den Rest magst du behalten. Ich bin sanft beim Auftrennen und geschickt beim Entnehmen. Sind wir im Geschäft?« Er grinste dämonisch.

Er meint es ernst! Tirîgon schluckte. »Ich fürchte ...« Er wusste nicht, was er sagen sollte.

»Ah, der Preis ist dir zu hoch. Nun, was gibst du mir aus freien Stücken?« Dann lachte Tossàlor. »Oh, ein ungewolltes Wortspiel. Aus freien Stücken. Das muss ich mir merken.«

Tirîgon atmete tief ein und sah zu Esmonäe, die mit den Schultern zuckte. »Ich kann dir Geld ...«

»Was soll ich mit Geld?«, schnarrte der Künstler. »Gib mir etwas Einzigartiges, aus dem ich etwas noch Einzigartigeres erschaffen kann! Dann führe ich dich hinaus.«

»Die Bestie«, kam es blitzartig über Tirîgons Lippen, bevor er richtig nachdenken konnte. Aber als er Interesse in Tossàlors Augen sah, wähnte er sich auf dem richtigen Weg. »Diese Bestie, die das Tal beschützt – wäre sie etwas Einzigartiges?«

Der Alb schürzte die Lippen, er überlegte und neigte den Kopf langsam. »Aber es darf kein Verdacht auf mich fallen. Du kannst in die Festung eindringen, sie heimlich umbringen und sie in die Höhle von Frempâion schaffen. Esmonäe wird dir zeigen, wo das ist. Doch nimm dir Zeit und gehe behutsam vor. Melde dich bei mir, wenn es so weit ist.« Tossàlor sah auf den Stiefel. »Darf ich die Tür schließen?«

»Hättest du etwas zu trinken für uns? Wir sind lange gelaufen und bräuchten eine kleine Stärkung«, warf sie ein. »Wir sind gleich wieder verschwunden, großer Meister.«

»Von mir aus.« Er verschwand aus dem Eingang. »Kommt.«

Ist das eine gute Eingebung? Tirîgon setzte einen Fuß über die Schwelle und betrat die Hütte. Wann bekomme ich wieder eine Gelegenheit, seine Kunst zu betrachten? Die Neugier überwand die Vorsicht. »Halte die Augen offen«, raunte er Esmonäe zu. »Ich traue ihm nicht.«

»Schön, dass du mir traust«, gab sie leise zurück und streichelte seinen Nacken. »Ich gebe auf dich acht, Geliebter.«

Die Zeit, sich von ihr schon wieder verspottet zu fühlen, blieb ihm nicht. Die Sicht auf den Innenraum machte jegliches Nachdenken unmöglich.

Das erste Zimmer wurde von einer grau abgestuften Knochenvertäfelung ausgekleidet, von der Decke hingen drei Gebein-Leuchter in verschiedenen Höhen. Die Durchbrüche und feinen Bohrungen streuten das Licht der Kerzen auf besondere Weise. Was könnte ich von ihm alles erlernen!

Sie durchschritten den Raum, kamen durch zwei weitere Zimmer, die auf ähnliche Weise gestaltet waren.

Als Tirîgon sich die hauchdünnen Beinscheiben betrachtete, war Tossàlor auf einmal dicht neben ihm und legte ihm eine Hand auf die Schulter. »Ich sehe einen kundigen Blick bei dir, junger Alb?«

»Er schnitzt ganz passabel«, kommentierte Esmonäe aus dem Hintergrund.

»Nicht gut. Zum Zeitvertreib. Ein Ausgleich zum Dienst auf dem Wall«, erklärte er und geriet beinahe ins Stammeln. Tirîgon bereiteten die schmalen, blutfeuchten Finger, die locker auf ihm ruhten, regelrecht Schmerzen. Ich muss ihn von mir ablenken. »Sind die Knochen angemalt? Es sieht nämlich nicht danach aus.«

»Gut bemerkt, junger Alb.« Tossàlor schien innerlich abzuwägen, dann zog er seinen Besucher mit. »Komm mit in meine Werkstatt. Ich zeige dir, wie ich es mache.« Unterwegs reichte er ihm und Esmonäe Brot und Käse, nachdem er sich immerhin die Finger abgewischt hatte. Tirîgons Appetit war dennoch nicht sonderlich groß in dieser Umgebung.

Und wieder musste Tirîgon staunen, als sie die Werkstatt betraten. Schränke und Kisten standen umher, Aufschriften verkündeten, welche Gebeine, Farben oder Werkzeuge darin lagerten. Blutbahnen auf dem Boden führten zu einer Klappe. Anscheinend hatte der Künstler gerade vor ihrem Eintreffen einen Kadaver entsorgt.

An der hinteren Wand waren vier kleine Zellen zu sehen, und hinter den Gitterstäben saßen apathisch glotzende Elben. Ihr Wille schien gebrochen. Einer von ihnen hatte violette, der andere schreiend gelbe Haare. Abgesehen davon und von den frischen Narben an den Unterarmen wirkten sie weder misshandelt noch unterernährt. Eine Zelle war leer. Er kümmert sich gut um sie, wie es den Anschein hat. Er wandte sich dem Künstler zu, seine Blicke richteten sich auf dessen grüne Locke.

»Du bist dem Rätsel auf der Spur, nicht wahr?« Tossàlor machte die kurze Führung Spaß.

»Ich nehme an, du hältst sie dir, um bei Bedarf auf sie zurückgreifen zu können. Und du hast Versuche mit ihren Haaren angestellt. Sogar an dir selbst«, antwortete Tirîgon. »Was hat das mit den bunten Knochenplättchen zu tun?«

»Ich entdeckte bestimmte Rassen in Phondrasôn, deren Knochen sich färben. Ihrer Nahrung wegen. Mal sind es Algen, dann Pflanzen, dann die Panzer von Insekten oder besondere Flechten an der Wand. Ich sammelte all das und erschuf daraus Pulver, gab es in die Nahrung«, erklärte er voller Stolz und zeigte auf die Zellen. »Da drin sitzen meine kommenden Meisterwerke! Durch und durch von Farbe durchwirkte Elbenknochen! Ich könnte vor Freude bersten!« Tossàlor steckte die Haarlocke zurück unter die Haube. »Das stammte von meinem ersten Versuch. Ich wurde zu ungeduldig.« Er sah die Besucher an und erwartete Beifall.

Er ist verrückt. Tirîgon wusste, dass der Künstler das Gleiche mit einem Alb machen würde, sollte sich die Gelegenheit bieten. Ich sollte ihn bei unserem Abschied töten, ehe er sich einen von uns schnappt.

»Das ist außerordentlich!«, lobte Esmonäe und klatschte. »Damit könntest du ein Vermögen in Dsôn verdienen.«

»Das werde ich.« Tossàlor grinste. »Aber noch nicht jetzt. Erst forsche ich noch weiter. Wer weiß, wie lange unser junger Alb braucht, um mir die Bestie zu bringen? Und an der Formel für die weichen Knochen feile ich ebenfalls.« Bevor Tirîgon die Albin aufhalten konnte, fragte sie nach, was er meinte.

Tossàlor ging an einen Schrank, öffnete ihn und suchte einen skelettierten Brustkorb heraus, dessen Knochen das Weiß verloren und eine milchigtrübe Färbung angenommen hatten. Tirîgon sah erstaunt, dass sich das Gebein verformte wie biegsame Äste. »Essig«, sprach er. »Nun, und zwei, drei Zusätze, die den Kalk aus den Knochen lösen. Aber der Essig erledigt die Hauptaufgabe. Damit kann ich das Gebein formen, wie ich möchte. Mit etwas Lack sorge ich anschließend dafür, dass der Knochen seine neue Gestalt beibehält.« Tossàlor reichte den Brustkorb an Esmonäe, die auf den einzelnen Stücken herumdrückte.

»Du bist wahrlich ein Meister!«, lobte sie.

Und von allen guten Sinnen verlassen, dachte Tirîgon und sah den Blick, mit dem der Künstler ihn neuerlich musterte. Wie dumm, dass wir ihn brauchen.

Tossàlor schlug Tirîgon auf den Rücken. »So, genug ausgeruht. Hinaus mit dir und melde dich, wenn du mir mein neues Spielzeug besorgt hast.«

Er war erleichtert, ungeschoren aus der Hütte zu gelangen. »Ich mache mich gleich daran«, spie er aus.

»Ich gehe ihm ein wenig zur Hand«, fügte Esmonäe hinzu. »Wir werden uns schneller wiedersehen, als du denkst.«

»Sicher.« Tossàlor klang nicht überzeugt.

Die beiden verließen die Hütte und marschierten durch den Wald zurück zu den Rebstöcken.

»Ihr Infamen und sonstigen Götter«, stieß Tirîgon aus. »Wie verrückt ist dieser Alb?«

»Er ist Künstler. Manche sagen, es gibt keinen Unterschied zwischen Verrückten und Künstlern«, antwortete Esmonäe.

»Das würde bedeuten, dass so gut wie sämtliche Albae wahnsinnig sind«, führte er den Gedanken fort. Nein, so verhält es sich gewiss nicht. »Tossàlor ist für mich der König der Seelenkranken.«


… ob sie die Bestie besiegen oder doch Körperteile gegeben werden, kann ich aus dramaturgischen Gründen hier nicht darstellen.

Aber bald ist ja der 20. August! :o)