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Band eins Ulldart-Die Dunkle Zeit

"Schatten über Ulldart"

Zur Thematik des ersten Bandes:
Auf dem Kontinent Ulldart könnte alles in geregelten Bahnen verlaufen. Auseinandersetzungen zwischen Königreichen werden durch spezielle Einheiten nach festen Regeln ausgetragen, Kriege im großen Stil sind unbekannt, Magie existiert nur bei einer bestimmten Rasse, und diese hat keine andere Aufgabe, als zu heilen. Die Reiche haben sich auf einen 1000-jährigen Friedensvertrag geeinigt.
Alles könnte ohne Gefahr andauern.
Wenn es diese eine unglückselige, verstümmelte Prophezeiung nicht gäbe, dass im Falle des Todes von Lodrik, der Prinz von Tarpol, die sogenannte „Dunkle Zeit“ zurückkehrt.
Nun wird alles unternommen, diesen Jungen vor Gefahren zu beschützen, denn es gibt durchaus Strömungen, die der „Dunklen Zeit“ positiv gegenüberstehen.
Und plötzlich steht die Frage im Raum, ob es heißt „im Falle des Todes des Prinzen“ oder „wenn der Tod des Prinzen nicht eintritt“...

 

AUSZUG

Das Audienzzimmer, ein großer, heller Saal mit vielen goldenen Verzierungen, riesigen Bildern ehemaliger Herrscher und martialischen Säulen, war wie immer gefüllt mit Kanzlern, Beamten und Schreibern, und vor den Türen stand eine Schlange von Bittstellern.

Egal ob Kaufleute, Bürger, Bettler oder Bauer, jeden Tag kamen sie in Scharen zum Palast und wollten ihre Anliegen vorbringen, am besten dem Kabcar persönlich.

Als Oberst Mansk und Grengor die Leute passierten, sprachen einige Mutige den Herrscher an, verlangten weniger Steuern, beschwerten sich über ihren Großbauer oder hatten "eine gute Idee zur Aufbesserung der Staatskasse" - dubiose Lotterie-Ideen oder Pfandverschreibungen und dergleichen mehr.

Grengor Bardri� winkte ihnen allen majestätisch zu, schritt, den Säbel schwenkend, zügig aus und verschwand im Audienzzimmer, während Mansk mit ein paar Dienern die aufdringlichsten Schreihälse an die frische Luft beförderte.

Nach ein paar Minuten herrschte wieder Ruhe im Gang, der Offizier ordnete seine Kleidung und betrat den Raum.

Der Kabcar thronte erhöht auf dem riesigen, mit Schnitzereien verzierten Holzsessel, der mit Pelzen und weichen Stoffen ausgeschlagen war; um ihn herum wieselten Hofschranzen und Schreiber.

Der Ausrufer an der Tür stieß mit dem Meldestab drei Mal auf den Boden. "Oberst Mansk, Befehlshaber des Ersten Regiments, Kommandant der Hoheitlichen Leibwache und..."

"Ja, ja. Das weiß ich, ich habe eben noch mit ihm Tee getrunken", meinte Grengor unwirsch und bedeutete dem Offizier herzukommen. "Ihr stellt Euch hinter mich, damit ich den Rücken frei habe." Ein Diener brachte dem Kabcar einen Becher, der verdächtig nach Grog roch. "Und jetzt schickt den Tadc herein. Ich sehne mich nach meinem Sohn." Leises Gelächter quittierte die ironische Bemerkung des Herrschers.

Der Offizier biss sich auf die Unterlippe, um nicht laut loszulachen, als der Thronfolger das Audienzzimmer betrat. Eine zu offensichtliche Verletzung des Protokolls war nie gut, aber das Bild, das sich bot, war einfach zum Schreien.

Auf der Stirn des dicken Jünglings prangte eine stattliche Beule, den rechten Arm trug er in der Schlinge, die Hand war verbunden, und die Augen waren rot vom Weinen.

Einige der Beamten zückten blitzartig ihre Taschentücher, andere wandten sich mit bebenden Schultern ab. Ein heiteres Raunen ging durch den Raum, das sich verstärkte, als der Tadc, gestützt von seinem Vertrauten Stoiko, auf seinen Vater zu hinkte.

"Reitunterricht?" fragte Grengor scheinbar belustigt. Sein Sohn nickte stumm, um Fassung ringend.

"Ihr hättet ihn sehen sollen, wie er mit dem halbwilden Rappen umgesprungen ist, hoheitlicher Kabcar." Stoiko verneigte sich und versuchte einmal mehr die Situation zu retten. "Wir haben ihm alle abgeraten, aber der Tadc war so mutig und hat ihn ohne Hilfe bestiegen. Das Biest hat sich gewehrt und ihn fünf Mal abgeworfen, doch letztendlich hat der Tadc ihn besänftigt."

Die Riege aus Kanzlern und Beamten klatschte höflich, die Schreiber senkten die Köpfe und kritzelten, um ein weiteres Abenteuer des Thronfolgers aufzunotieren.

Lodrik schniefte und lächelte unsicher. "Ja, so war es."

"Es freut mich, dass mein Herr Sohn über Nacht zu einem tapferen Mann geworden ist." Der Kabcar prostete ihm zu. "Vielleicht besteht noch Hoffnung für Ihn. Eines Tages." Er deutete auf die verbundene Hand. "Gebrochen?"

Stoiko verneinte. "Ein kleiner Schnitt mit dem Säbel, als er ein besonders waghalsiges Manöver versuchen wollte und die Klinge des Lehrers mit der bloßen Hand abfing. Er ist recht geschickt, Hoheitlicher Kabcar."

Wieder Applaus des Hofes, wieder tunkten die Schreiber die Federn in ihre Tintenfässer und kritzelten.

"Er reift von Tag zu Tag mehr, findet Ihr nicht auch, Oberst?" Lächelnd wandte sich Grengor zu dem Offizier, der seine Handschuhe vor den Mund hielt, um das breite Grinsen zu verbergen.

"O ja, gewiss, Hoheitlicher Kabcar." Mansk hüstelte. "Das Kommandieren beherrscht er beinahe perfekt. Meine Männer sind ganz..., wie soll ich sagen,...aus dem Häuschen."

Lodrik strahlte und reckte sich ein bisschen, nur um mit einem Schmerzenslaut wieder zusammenzusinken.

Der Kabcar stellte den Grog ab und klatschte in die Hände. "Nun lasst uns allein. Mein Sohn und ich haben etwas Familiäres zu bereden. Die Audienz ist für heute beendet."

Grengor nickte dem Ausrufer zu, der die Botschaft nach draußen verkündete. Die Hofgesellschaft zog sich schnell aus dem Saal zurück.

Nach einer Weile waren der Offizier, Stoiko, Lodrik und der Herrscher Tarpols allein.

"Jetzt die Wahrheit, Stoiko. Die Schreiber und das neugierige Volk sind weg." Die Miene des Kabcar vereiste. Langsam lehnte er sich in seinen Thron zurück und schlürfte am Becher.

Mansk wurde unwohl, weil er mit einem Wutausbruch des Regenten rechnete. Passenderweise kündigte fernes Grollen ein Gewitter an.

"Und trag das nächste Mal bei deinen Berichten nicht so dick auf. Dass du lügst, weiß jeder, aber muss es derart übertrieben sein?"

Der Vertraute des Tadc verzog die Mundwinkel und verneigte sich. "Entschuldigt, Hoheit, aber ich dachte mir, dass es ein besseres Licht auf den Thronfolger werfen würde. Immerhin wird es ja auch für die Nachwelt festgehalten. Und wenn Lodrik dann erwachsen und ein kräftiger Mann geworden ist, der Euer Reich wunderbar regiert, wie würde es klingen, wenn es hieße: Der Tadc fiel mit fünfzehn Jahren vom zahmsten Pferd im königlichen Stall, weil er den Steigbügel mit dem Fuß nicht richtig zu fassen bekam?"

"Nicht sehr gut", pflichtete Grengor ihm bei, "keineswegs gut. Ich danke dir für deine große Zuversicht, was meinen Sohn angeht. Und was ist mit seiner Hand passiert? Wirklich ein waghalsiges Manöver?"

"Ich wollte...", sagte Lodrik, aber der Kabcar schnitt ihm das Wort ab.

"Halte Er den Mund. Mit Ihm rede ich später. Und du, sprich."

"Der Fechtmeister ist ganz aufgelöst, Hoheit." Stoiko verneigte sich erneut, dem Tadc liefen die Tränen über die Wangen. "Lodrik sollte einen Ausfallschritt machen und dabei einen Schlag gegen seinen Kopf führen. Dabei geriet er ins Ungleichgewicht, als sein rechter Reitsporn den linken Zeh durchbohrte. Vor lauter Schreck ließ er den Säbel fallen, und als er ihn aufheben wollte, griff er wohl aus Versehen in die Klinge, Hoheit."

"Es ist nicht die Schuld des Fechtmeisters, Herr Vater, bitte bestrafe Er ihn nicht." Lodrik hatte seine Stimme erhoben.

Grengor sah ihn kühl an. "Wenn ich alle die mit dem Tode bestrafen lassen würde, bei deren Unterricht Er sich verletzt hat, wäre ich der letzte Mensch in Tarpol." Der Herrscher wurde gegen Ende des Satzes immer lauter. "Vermutlich gäbe es dann auch keine Pferde mehr, keine Hunde, Raubvögel oder andere Tiere. Er lässt die Reitsporen zum Fechten an? Er humpelt, weil der Sporn Ihm den Zeh durchbohrt hat?"

Grengor beugte sich vor, die Hände umklammerten die Sessellehnen. Weiß traten die Knöchel hervor, die Arme zitterten, und die Halsadern des Regenten standen dick hervor. Mansk machte vorsichtshalber einen Schritt zurück.

"Wie soll mein Herr Sohn denn ein Reich regieren? Wie, frage ich Ihn?" Lodrik starrte seinen Vater an, das Kinn bewegte sich, und immer mehr Tränen quollen aus den Augenwinkeln. "Schau Er sich einmal an, mit dem Mondgesicht, dem Wampen und der Geschicklichkeit eines Fingerlosen. Er kann nicht reiten, nicht kämpfen oder kommandieren." Grengor hämmerte mit der Faust auf den Sessel. "Und das Schlimmste ist, dass von einem solchen unförmigen Klotz die Zukunft Ulldarts abhängt! Ich habe Angst um den Kontinent, wenn Er nur aus dem Zimmer geht!" Der hohe Raum verstärkte die Lautstärke der Schreierei Grengors, der letzte Satz hallte noch immer zwischen den Wänden und Säulen hin und her.

Der Tadc weinte und wimmerte nun ungehemmt, was den Regenten aber nur zu neuen Tiraden anstachelte.

Der Offizier sah das Mitleid in den Augen Stoikos, und auch er fühlte so etwas wie Verständnis für den Jungen. Die anfängliche Schadenfreude war verschwunden.

"Er ist eine Blamage für uns, für Tarpol und vielleicht sogar für ganz Ulldart. Was hat Ulldrael der Weise sich dabei gedacht, als er diese Prophezeiung schickte?" Der Kabcar beruhigte sich allmählich wieder, suchte eine gemütliche Sitzposition und nahm den Grogbecher wieder in die Hand.

"Aber ich werde Ihm beibringen lassen, wie ein zukünftiger Regent zu sein hat. Und Oberst Mansk hat mich auf die Idee gebracht." Der Offizier warf dem Herrscher einen erstaunten Blick zu. "Ihr sagtet zu mir, dass ein Mann an seinen Aufgaben wüchse, oder?"

Mansk nickte langsam und überlegte insgeheim, welches Schicksal er dem jungen Tadc mit seinen Worten eingehandelt hatte. Auch Stoiko machte ein fragendes Gesicht.

Lodrik schniefte bloß und zog ein Taschentuch aus dem Uniformärmel. Laut dröhnte das Schneuzen durch den Saal. Alle Ahnen und verblichenen Regenten schauten beinahe vorwurfsvoll aus ihren Gemälden auf den dicken Jungen herab.

"Ich habe in der Tat eine Aufgabe für meinen Herrn Sohn, der Ihn auf das Regieren und Herrschen vorbereiten wird."

"Ich will nicht", kam es bockig vom Tadc, der sich noch mal schneuzte und seinen Vater anfunkelte.

"Doch, Er wird. Zuerst wollte ich Ihn zum Wohle Tarpols im tiefsten Keller des Palastes unterbringen, aber ich habe eine bessere Idee." Grengor stand auf. "Niemand wird einmal sagen sollen, die Linie der Bardri�s hätte nach mir einen unfähigen Kabcar auf den Thron gesetzt." Er schritt die Stufen hinab und stellte sich vor seinen übergewichtigen Sprössling. "Er reist morgen ab."

Die Augen des Tadc weiteten sich. "Aber wohin? Ich will nicht weg. Der Winter kommt, und da ist das Reisen furchtbar anstrengend."

"Höre Er auf zu jammern, oder ich schlage Ihm hier und jetzt eins mit dem Grogbecher aufs Dach, dass Seine Schindeln wackeln, Herr Sohn", schrie der Kabcar unvermittelt und stieß mit dem Säbel auf den Marmorboden. Der Oberst und Stoiko bewegten sich keinen Finger breit, aber der Tadc zuckte zusammen, als ob der Blitz eingeschlagen hätte. "Er wird zusammen mit Stoiko, Seiner Leibwache und einem Berater in aller Frühe und Stille von hier verschwinden."

Mansk verhielt sich mucksmäuschenstill, um nicht die Aufmerksamkeit des Regenten auf sich zu ziehen. Hatte er da etwas von einem Berater gesagt?

"Er wird in die Provinz Granburg reisen und dort den Gouverneur ablösen. Wasilji Jukolenko ist mir schon zu lange ein Dorn im Fleisch."

Mansk fielen bei dieser Verfügung die Handschuhe zu Boden, der Diener zog beide Augenbrauen ungläubig nach oben, und Lodrik glotzte seinen Vater mit offenem Mund blöde an.

"Ja, aber wie...ich meine...", stotterte der Tadc, doch die gebieterisch erhobene Hand Grengors ließ ihn verstummen.

"Ich bin noch nicht fertig mit meinen Ausführungen, Herr Sohn. Er wird nicht als Tadc dort eintreffen, vielmehr wird Er sich als Sohn eines Hara� ausgeben, der sich das Amt erkauft hat. Niemand kennt meinen Herrn Sohn so hoch im Nordosten und abseits des Lebens, also braucht Er auch keine Angst vor möglichen Attentätern zu haben." Der Regent stellte den leeren Becher ab und fixierte die blinzelnden Schweinsäuglein seines Thronfolgers. "Wenn ich Ihn zurückbeordere, erwarte ich, dass aus Ihm ein Mann geworden ist, der alles das kann, was ein zukünftiger Kabcar beherrschen muss. Stoiko sorgt mir dafür, dass es so geschieht."

Grengor setzte sich wieder, Lodrik starrte auf seine Füße. Weit weg von den köstlichen Keksen, von warmer Milch und warmen Betten herrschte trübe Stimmung.

"Hoheit, mit Verlaub, die Idee ist großartig." Der Diener lächelte wieder. "Aber meint Ihr nicht auch, dass es vielleicht ein bisschen zu viel Verantwortung für den Anfang ist?"

"Wenn ich morgen stürbe, säße er auf dem Thron. Das wäre in meinen Augen zu viel Verantwortung für den Anfang", antwortete Grengor. "Besteht Er den Probelauf in Granburg, schafft Er es auch, Tarpol würdig zu regieren. Gelingt es Ihm nicht, ist der Keller des Palastes immer noch frei, und ich setzte einen anderen ein, den ich mir notfalls von der Straße hole. Hat mein Herr Sohn das verstanden?"

Der Tadc schluckte geräuschvoll und nickte hastig.

"Wen geben wir ihm als persönlichen Leibwächter und Waffenlehrer mit, Oberst Mansk?"

Am Tonfall erkannte der Offizier, dass er nun an der Reihe war. Aber er hatte überhaupt keine Lust auf die kalten Winter im Nordosten, die einem den Atem zu Eis gefrieren ließen. Er beschloss, sich geschickt und mit Fingerspitzengefühl aus der Affäre zu ziehen.

"Hoheit, ich bin untröstlich, aber ich habe Verpflichtungen in der Hauptstadt." Der Kabcar drehte bei den Worten verwundert den Kopf in seine Richtung. "Ich weiß jedoch jemanden, der bestens dafür geeignet ist", beeilte sich Mansk zu sagen. "Da gibt es einen erfahrenen Recken aus einer Scharmützeleinheit, der bisher jeden Gegner vom Pferderücken geholt oder mit dem Säbel ins Jenseits befördert hat. Er wäre genau der richtige Mann für diesen vertrauensvollen Posten."

Stoiko schickte dem Offizier, der sich gerade um die Reise und den Aufenthalt von unbestimmter Dauer drückte, einen unverhohlenen Blick der Missgunst hinüber.

Grengor überlegte kurz. "Ihr verbürgt Euch für ihn?"

Mansk nickte. "Keiner könnte geeigneter sein, Hoheit."

"Gut, ich verlasse mich auf Euch." Der Kabcar erhob sich und ging zur Tür. "Sollte meinem Herrn Sohn etwas zustoßen, bedenkt das, bricht wahrscheinlich die Dunkle Zeit wieder an. Aber Euer Kopf wird, ganz egal was mit Ulldart geschieht, auf jeden Fall rollen. Ich hoffe für Euch, dass der Soldat etwas taugt." Der Diener grinste den Offizier breit an und zwinkerte fröhlich. "Bis denn. Morgen möchte ich die Visage meines Herrn Sohnes nicht mehr in der Stadt sehen." Ohne einen weiteren Gruß verschwand der Regent.

"Ihr seid ein Glückspilz", sagte Stoiko zu dem Oberst, dessen Gesicht eine weißliche Färbung angenommen hatte. "Ihr sitzt hier im gemütlichen Zuhause, während der Tadc und ich uns in Granburg den Hintern abfrieren. Wer weiß, was dort oben alles passieren kann. Man hört viel über wilde Tiere." Der Offizier wurde eine Spur weißer und griff gedankenverloren nach seinem Hals.

"Ist es wirklich so kalt in Granburg?" fragte Lodrik und betastete seine verbundene Hand. "Dann will ich nicht. Außerdem tut mir bestimmt alles weh, wenn wir mit der Kutsche fahren." Der Tadc berührte vorsichtig seinen Arm und verzog das Gesicht. "Wie weit ist es nach Granburg, Oberst?"

"Schätzungsweise vierhundert Warst." Mansk überlegte, ob er nicht vielleicht doch selbst mitkommen sollte, dann könnte er sich wenigstens an Ort und Stelle umbringen, wenn der dicke, ungeschickte Junge vom Pferd fiel und sich den Hals brach. Andererseits schreckten ihn die Reise und die Gedanken an die Wintermonate ab. Er würde doch lieber Waljakov mitschicken.

"Was? So weit? Dann will ich nicht." Lodrik zog eine Schnute und setzte in seinem runden Gesicht wenigstens so einen Akzent. "Wir könnten doch so tun, als ob wir abreisen, und schleichen uns wieder her, Stoiko, oder?"

Der Vertraute schüttelte den Kopf. "Ich will Euren Vater nicht verärgern. Er wird sicher Späher aussenden, um zu sehen, ob wir wirklich in Granburg ankommen. Er ist da ein sehr vorsichtiger Mann."

"So ein Mist." Der Thronfolger suchte mit seiner unverletzten Hand in seiner Bauchbinde und beförderte einen verdrückten Keks hervor, den er sich mit einer schnellen Bewegung in den Mund schob.

Stoiko und der Oberst seufzten gleichzeitig, als sie dem hinauswatschelnden Lodrik nachschauten.

"Ich sehe meinen Kopf schon rollen", murmelte der Offizier ahnungsvoll.

"Wer hatte denn die Idee, dass Aufgaben einen Mann ausmachen?" warf der Diener des Tadc ein.

"Ich hatte es doch nicht so gemeint, wie es der Kabcar verstanden hat." Mansk zog die Handschuhe über und wünschte sich, ein unbekannter Aspirant in einem Ulldraelkloster zu sein.

"Ihr bleibt hier, seht es so. Während ich erfriere. Auch kein schöner Tod, erzählt man sich." Stoiko klapperte mit den Zähnen und schüttelte sich.

"Was tust du? Es ist nicht kalt hier drin."

"Ich übe, Oberst. Ich übe."