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INTERVIEW mit Boïndil Zweiklinge!

Interview mit Boïndil Zweiklinge zum baldigen Erscheinen von DAS SCHICKSAL DER ZWERGE für das Magazin Books&Chars

 

Interviewer (fröhlich): Guten Tag, Herr Zweiklinge. Schön, dass sie nach dem anstrengenden Buch Zeit für uns hatten. Es wurde Ihnen ja vom Autor dieses Mal Einiges abverlangt.

Boïndil Zweiklinge (freundlich): Oh, das kann man so sagen.

Interviewer (neugierig): Dann fangen wir doch gleich mal an und kommen auf das Körperliche zu sprechen. Haben Sie die Stunts alle selbst gemacht?

Boïndil Zweiklinge: Sicher! Ich hatte ja schon sehr viel Erfahrungen in den Büchern vorher machen können und wusste, was mich erwartet. Das gilt auch für Herrn Goldhand. Eine echte Pussy war der Kerl, der Rodario verkörpert. Die Stelle mit dem Schacht beispielsweise, die hat er nicht hinbekommen. Höhenangst! (lacht) Aber wenn man das Buch liest, könnte man meinen, er habe an der Kette gehangen. (nimmt einen Schluck Wasser)

Interviewer: Ist dabei auch was schief gegangen?

Boïndil Zweiklinge: Es geht immer was schief, gerade in den Kampfszenen und bei hohen Sprüngen. Versuchen Sie mal, mit einer schweren Waffe im Sprung ein kleines Ziel zu treffen. Wir haben bei manchen Szenen ja gar nichts von unseren Gegnern gesehen! (fuchtelt mit den Armen) Die Erste-Hilfe-Mannschaft hatte schon was zu tun, das kann ich Ihnen versichern, doch davon merken die Leser glücklicherweise nichts. Und auch die magischen Kreaturen sind nicht immer leicht beherrschbar, allen Stunden mit den Tiertrainern zum Trotz. (zeigt eine Narbe am rechten Oberarm) Das ist von einem Nachtmahr, der schlechte Laune hatte. Die schnappen schneller als man schreien kann. Aber die Schmerzen war es wert. Sind einige tolle Action-Szenen drin.

Interviewer: Ich stelle es mir sehr schwer vor, außerhalb des Buchs Freundschaften mit anderen Charakteren zu pflegen.

Boïndil Zweiklinge (irritiert): Sie meinen nach Schreibschluss?

Interviewer: Ja, so in etwa. Gibt es eine Bar, die der Leser nicht kennt, wo man sich abends auf ein Bierchen versammelt? Auch mit den Orks und dem anderen „Gesocks“, ohne den Darstellern zu nahe treten zu wollen?

Boïndil Zweiklinge: Zunächst, Bier ist so gar nicht meins, ich bevorzuge privat süffige Cocktails, wie einen BlackRussian oder einen AngelFace. Aber wenn es das Buch erfordert, hebe ich auch gerne mal etliche Humpen. (lacht) Je nachdem, wie der Autor gelaunt ist, könnte man schon zum Alkoholiker werden. Fragen Sie mal Goldhand, was der von Heitz hält, aber nehmen Sie sich einen Helm mit.

(räuspert sich) Um auf die eigentliche Frage zurückzukommen, ja, es gibt ein Etablissement, das steht etwas abseits des Geschehens, und wir achten darauf, dass es aus den Büchern rausgehalten wird. Nudin ist hervorragender Parodist und arbeitet jetzt unerkannt im Neuen Curiosum. Das wird eine größere Karriere als sein Dasein als Bösewicht, glauben Sie mir! Kennen Sie noch Bramdal Meisterklinge, den Henker? Der hat in Wirklichkeit einen Laden für Wein und Kohlen. Ach ja, Sinthoras ist ein ausgezeichneter Sänger! Wenn man es schafft, etwas Toleranz walten zu lassen, sind die Albae gar nicht so schlecht. Sie machen auch nur ihren Job. Wie Orks und Trolle.

Interviewer: Das gelingt aber nicht allen, wie ich hörte.

Boïndil Zweiklinge: Sie spielen auf die Schlägerei zwischen Narmora und Prinz Mallen an! (wird ernster) Der Lange hat das Dunkelauge provoziert, und ich kann Narmora sehr gut verstehen. Die Knochenbrüche und Platzwunden hatte er verdient.

Interviewer: Das bringt mich zum Thema Liebesszenen…

Boïndil Zweiklinge (winkt ab): Hören Sie bloß auf!

Interviewer: Weswegen? Haben Sie ein Problem damit?

Boïndil Zweiklinge: In meinem Vertrag steht, dass ich keine Sex-Szenen machen muss, und dieses Mal habe ich sehr darauf pochen müssen. Seit Heitz auch Dunkle Spannung schreibt, ist er unberechenbarer geworden, was das angeht. Weil ich mich geweigert habe, mussten dann beinahe Rodario und Coïra herhalten, aber wir konnten es bei kleinen Nacktszenen bewenden lassen. (senkt die Stimme) Es ist ja so, dass viele Jugendliche das Buch lesen werden, und da hat expliziter Schweinskram nichts darin zu suchen. Basta.

Interviewer: Ein paar Kritiker sagen ja, dass die Bücher mehr auf Action als auf Tiefgang ausgelegt sind…

Boïndil Zweiklinge: Ich möchte nicht abstreiten, dass die Special Effects wieder eine große Rolle in dem neusten Buch spielen. Und ich sehe mich auch nicht als Charakterdarsteller, der in einem Kammerstück auftreten möchte. Meine physische Präsenz ist gefragt, dazu markige Sprüche, wie es sich für Zwerge gehört. Unterhaltung und Zerstreuung in einem wunderschönen Setting, das möchten wir den Leserinnen und Lesern bieten. Dazu gibt es glaubhafte Szenen mit moralischen Dilemmata der Protagonisten, ergreifende Verzweiflung und vieles mehr. Tiefgang haben die Bücher sicherlich, ohne Shakespeare sein zu wollen.

Interviewer: Auffällig für mich, Herr Zweiklinge, ist die Diskrepanz zwischen Ihrer Buchsprache und der Ausdrucksweise in diesem Interview. Ich meine, Sie kennen den korrekten Plural von Dilemma!

Boïndil Zweiklinge: Tja, das kann kein Elb, was?! (zwinkert) Sie wären überrascht, mich mit Swerd in unserem Disputier-Club zu erleben. (lacht)

Interviewer: Ich wollte schon immer wissen, was mit den Charakteren geschieht, die bei den Bucharbeiten ums Leben kommen…

Boïndil Zweiklinge: Die kommen in den Himmel.

Interviewer: Ist nicht Ihr Ernst?!

Boïndil Zweiklinge: Stimmt. Nur ein Scherz. Angedeutet habe ich ja schon was, aber mehr möchte ich nicht aus dem Nähkästchen plaudern.

Interviewer: Apropos Scherz, es gibt da einen Witz von einem Zwerg und einem Ork, der …

Boïndil Zweiklinge: Nächste Frage, bitte.

Interviewer: Aber der Witz…

Boïndil Zweiklinge: NÄCHSTE FRAGE, HABE ICH GESAGT!!!!!

Interviewer (sucht hektisch in seinen Unterlagen): Wird es einen fünften Band geben?

Boïndil Zweiklinge: Mir wurde noch kein Vertrag angeboten. Entweder es gibt keinen oder er findet ohne mich statt.

Interviewer: Was schade wäre, wenn ich an Ihre vielen Fans denke.

Boïndil Zweiklinge: So ist das Buchgeschäft eben. Zack, wirst Du rausgeschrieben. Die Autoren haben meiner Ansicht ohnehin zu viel Macht. Da sollte sich eine Gewerkschaft gründen, welche diese Allmachtsphantasien der Schreiber mal gehörig stutzt. Ohne das Eingreifen der Fans hätten schon viel mehr von uns keine Jobs mehr, das ist sicher.

Neulich habe ich mich mit einem lieben Kollegen unterhalten, Waljakov oder so ähnlich. Anderes Setting, aber auch eine Heitz-Welt. Der arme Kerl hatte im Nachhinein erfahren, dass er beinahe im sechsten Band draufgegangen wäre! Stellen Sie sich das mal vor! Sie ziehen in einen Kampf und plötzlich trifft der Pfeil tödlich! Aber eine Frau hat sich eingesetzt, und deswegen hat er die Rolle behalten.

Interviewer: Sie haben uns mit Einverständnis des Autors ein paar Outtakes mitgebracht.

Boïndil Zweiklinge: Ja, ein paar Schmankerl zum Einstimmen und als Beweis, dass auch in einem Buch nicht jede Szene auf Anhieb klappt. (grinst)

Interviewer: Dann bitte ich die Regie, die Szenen zu zeigen. Sie können gerne kommentieren, Herr Zweiklinge.

 

DSdZ, Prolog, 4. Take

(…) „Etwas zischte von rechts heran, bohrte sich durch seine Schnauze und zerschmetterte den langen, dünnen Oberkiefer, was seine Qualen weiter steigerte. Sein Jaulen wurde lauter und endete unvermittelt, als gleich ein Dutzend Pfeile aus den verschiedensten Richtungen angeflogen kam und ihn spickte.

Dann lachte er brüllend los und hüpfte hechelnd umher, weil einer der Pfeilspitzen ihn an einer Stelle über Rippe kitzelte….“

Boïndil Zweiklinge: Das ist so ein Beispiel, wie eine Szene ruiniert werden kann. Der Darsteller hatte eine superbe Leistung abgeliefert, aber durch das Lachen war alles verdorben. Heitz musste nochmals von vorne anfangen.

 

DSdZ, Prolog, 12. Take

(…) „Tungdil!“, brüllte Ingrimmsch erwartungsvoll und stand gefährlich dicht vor der Sphäre, sodass er ihr leises Rauschen vernahm, das mal heller und mal dunkler klang. „Vraccas, lass meine Augen sich nicht getäuscht haben“, betete er und hätte beinahe eine Hand gegen den Energieschirm gelegt; er schluckte, und niemals war ihm seine Kehle derart eng erschienen.

Da zuckte eine bleiche Klaue, so breit wie drei Burgtore, aus dem Schatten und drosch mit ganzer Kraft gegen die Sphäre, dass es einen dumpfen Schlag gab und der Boden erbebte.

Mit einem Fluch sprang Ingrimmsch rückwärts und schlug in einem Reflex aus der Bewegung mit dem Krähenschnabel zu. Der Stahl prallte gegen die Barriere, ohne etwas auszurichten, dann federte er zurück und schoss Ingrimmsch aus den Fingern und traf einen der wartenden Zwerge am Kopf…

Boïndil Zweiklinge Die Jungs von der Abteilung Special Effects hatten den Schirm zuerst viel zu weich gemacht, wie Gummi, und dann kann so etwas passieren. Den armen Kerl, den es erwischte, haben wir wegen einer Gehirnerschütterung behandeln lassen müssen. Da sieht man, was solche Waffen anrichten können.

 

DSdZ, Prolog, 17. Take

(…) Dann trat ein Zwerg nach vorne, von Kopf bis Fuß in eine düstere Rüstung aus Tionium gehüllt; schimmernde Intarsien glommen eine nach der anderen auf. Die Kreaturen wichen ehrfürchtig vor ihm zurück.

In der rechten Hand hielt er eine Waffe, die sowohl im Geborgenen als auch im Jenseitigen Land Legende war: Sie war schwarz wie die schwärzesten Schatten und die Klinge etwas länger als der Arm eines Menschen. Auf der einen Seite war sie dicker und besaß lange, dünne Spitzen, die an einen Kamm erinnerten, auf der anderen verjüngte sie sich wie bei einem Schwert.

„Blutdürster“, raunte Goda und blieb stehen, wedelte mit dem Arm und verzog das Gesicht, dann nieste sie schallend, und die Monster lachten los.

Boïndil Zweiklinge: Schönes Beispiel, wie die Körperfunktionen eine Szene versauen können.

 

DSdZ, Prolog, 18. Take

(…) Der Zwerg in der nachtfarbenen Rüstung legte die Linke an das Visier des Helmes und wollte es nach oben schieben, aber…. es rührt sich nicht.

Wieder und wieder versuchte es der Zwerg, aber das Scharnier hatte sich verklemmt, und unter dem Helm erklang lautes, wütendes Fluchen. Schließlich steppte der Zwerg auf der Stelle und intonierte den Camelot-Song von Monty Python, während um ihn herum alles in Gelächter ausbrach und einige beim Tanz mitmachten.

Interviewer: Sie hatten viel Spaß am Buchset!

Boïndil Zweiklinge: Manchmal schon. (grinst)

Interviewer Dann danke ich Ihnen für das Gespräch, Herr Zweiklinge, und auch für die exklusiven Einblicke in das Buch. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg damit!

Boïndil Zweiklinge (nickt): Danke sehr! Kann man immer gebrauchen!