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Akustischer Vorspann an:

Durchblättergeräusch, gefolgt vom Klackern einer Tastatur, dazu das Abrollen von Reifen, leise mischt sich Roland Kaiser-Gesang darunter, der von einem schrammelnden Cello unterdrückt wird.


Sprecher: „Rein subjektives, satirisch-ironisches

Tourtagebuch JUDASSOHN

 

… und Satire darf alles!

Dennoch sind alle Namen, Personen, Busse und Begebenheiten aus rechtlichen Gründen vollkommen frei erfunden.
Jede Ähnlichkeit mit lebenden Namen, Personen, Bussen und Begebenheiten sind aus rechtlichen Gründen reinst zufällig und ungewollt. Ich auch, also, erfunden.
So.“


Einblendung der Schrift … Lesen muss man halt selbst.


1. Tag: THE bus – what the f***!?!?

Ich kenne sie, die Road-Berichte von Metallica und Rammstein, und ich kenne die Tourbusse. Diese rollenden vier bis fünf Sterne-Hotels.

„Machen wir eine Tour? Im Tourbus?“, wurde ich gefragt.

Sauber, dachte ich. Da reist man doch gerne! Zwei Stockwerke, Küche, Bad, Aufenthaltsräume, geräumig, TV, Wlan … Ein Traum! „Klar!“, rief ich begeistert.

Und dann kam er.

Der Bus.

Aus Holland. Zusammen mit der Ernüchterung. In schönem Used-Weiß stand er vor dem „Grünen Hotel“, in dem sich schon unschöne Szenen für die Band und die Leute von WerkZeugs ereignet hatten. Welche das sind, das muss WerkZeugs schon selbst verraten.

Ein Hotel namens „Grünes Hotel“ in einem Industriegebiet, mit einem weißen Bus - hallo? Wir gehen auf die JUDASSOHN-Tour, und wir haben einen weißen Bus???


Bild: Persephone

Blutrot, ja, schwarz, gerne, von mir aus mit weißer Schrift … aber weiß?

Okay, Tarnung ist alles, sage ich mir. Das Böse lebt mit uns im Inneren und täuscht Unschuld vor ... Solche und ähnliche verzweifelten Argumente sollen mir selbst dabei helfen, das Weiß zu akzeptieren.

Dazu habe ich dann erfahren, dass er Spitzname des Geschosses „Moby Dick“ lautet. Danke. DIE Anspielung habe ich verstanden...

Hui ... Sind die Polizisten jetzt Ahab? Oder die Groupies – haha?! Zum Thema „Sex, Drugs und Rock'n'Roll“ später mehr … und keine falschen Hoffnungen.

Die erste Inspizierung weckt bei mir Erinnerungen an den Film „Das Boot“: Ich kann nirgends aufrecht stehen (außer auf der Treppe), und dabei bin ich nicht der Größte in der Truppe!

Unser Mann am Klavier, Flo, und Cellist Holger sind länger als ich. Man nimmt automatisch eine Haltung ein, die zwischen Büßerdemut und Schützengraben liegt. Flo mit seinen zwei Metern schläft deswegen in der „Suite 21“, ein kleines Kämmerchen unter (!) der Treppe, das schmal, aber lang ist und bei dem man um die Kurve liegt. Respekt.

An Bord darf niemand Platzangst haben, und Menschen mit Agoraphobie fühlen sich wie zu Hause, das ist sicher.

Und dann die Toilette: YES!
Also, die Tür, das ist der Eingang. Neben der Tür ist die "Küche". :o)


Bild: ich

Wer schon mal auf Festivals war und weiß, wie Dixi-Klos von innen aussehen, der wird lachen, wenn ich jetzt schreibe: Die Dixis sind dagegen geräumige Appartements!

Ich kann nur vorwärts rein und rückwärts raus, die Toilette ist nur für „kleine Geschäfte“, alles andere bitte auf Raststätten, lautet die Ansage vom Busfahrer. Ach ja, Körperhygiene auch auf Raststätten oder in Locations. Gedanklich setze ich oder am Straßenrand hinzu.

Die Koje ist definitiv Uboot! Immerhin müssen 20(!) Leute auf einmal im Bus schlafen. Ich nächtige unten, muss mich zum Einstiegen auf den Boden legen und in die niedrige Kabine schlängeln, rollen oder sonstwie fummeln. Die Privatsphäre wird geschützt durch einen niedlichen, gelben, halbdurchsichtigen Vorhang. Die Koffer müssen in den Bauch des Busses, weil sonst nirgends Platz ist, im Anhänger ist die Technik verstaut. Dinge des täglichen Bedarfs müssen auf eine kleine Gepäckreling über dem obersten Bett: Wechselhosen, Shirt, Strümpfe, Toilettenbeutel, Handtuch, Jacke.


Bild: auch ich...

Ich weine stumme Tränen, als ich an die Bilder des Metallica-Tourbusses denke, sie fallen auf den Synthetikmattenboden und brennen Löcher hinein.

In mir erklingen die Stimmen meiner Freunde, die mal neidisch, mal wehmütig, mal begeistert sagten: „Du hast es gut! Eine Woche Rockstar! Sex, Drugs, Rock'n'Roll.“

Stimmt. Eine Woche Rockstar, aber von einer %§$/§&“% Anfängerband (und damit ist nicht Persephone gemeint!!! Das sind Profis, wie man später sieht)!!!

Platz für Sex ist nicht, Drugs … in einem holländischen Bus sollte man das vermuten, gab aber nix. Ähm, also nichts Illegales. Und Elvis oder Rock'n'Roll ist nicht so meine Sache.

Wenigstens die Jungs und das Mädel von Persephone sind nett, auch die Crew als solche macht einen soliden, freundlichen und lockeren Eindruck.

Persephone, das sind Martin, das Obercello, Holger und Johannes an den anderen Celli, Tim an den Percussions, und unsere österreichischen Freunde Flo am E-Klavier und Francis mit dem Stehbass, die mit ihrem Schmäh den Hauch von Internationalität in unser Projekt bringen. Sonja ist die bezaubernde Stimme.

The Crew: Hartmut macht das Licht kunstvoll an und aus und bringt Nebel zum Wabern, Maurice tuned den Ton in jeder Location, der Lord vercheckt das Merch von Persephone. Boris und Arne sind die wechselnden Hilfstruppen der Technik („Der Scheinwerfer, da, rechts, der muss höher, Arne!“ - und Arne ist schwuppdiwupp die Leiter hoch!), und das WerkZeugsTeam hilft auch. Bei allem, na ja, so weit eben möglich. Bleiben noch Doppelkönig und Tourmanager Frank sowie Königin Heike. Doppelkönig habe ich ihn genannt, weil er doppelt so viel wert wie ein König ist, falls wir unterwegs auf andere Könige treffen. Er selbst hatte sich wiederum nur König genannt, was ich zu wenig fand. Egal.

Alle da?

Sieht so aus ...

„Na, wie ist der Bus?“, fragt mich Doppelkönig Frank erwartungsvoll.

„Äh“, sage ich tapfer, weil mir die rechten Worte nicht einfallen. Dann mein professionelles: „Das steht so nicht in meinem Vertrag!“

Doppelkönig cool und triumphal: „Welcher Vertrag?“

Mist. Ausgekontert, und die Türen schließen sich.

Ich erinnere mich, dass Moby Dick am Ende des Buchs gewonnen hat, jedenfalls bilde ich mir das ein, und bin beruhigt. Tauchen, Schleichfahrt!


First, we take Leipzig, and then Beeeeerlinnnn!“

Die Fahrt ist hurtig, ist ja auch keine echte Entfernung.

Die kleine „Lounge“ oben im Bus sieht bald aus wie ein Internet-Café. Auf 20 Mann kommen 18 Laptops und 10 Surfsticks, da es entgegen der Ankündigung kein Wlan im Bus gibt. Logisch. Ein Wal hat keinen Sender. Vermutlich haben wir uns alle gegenseitig verstrahlt.

In die Lounge oben passen fünf Leute, der Rest muss runter. In der Lounge steht außerdem ein kleiner, süßer Kühlschrank, den ich nachts hasse, weil mit „rööööööööm“ und „swiiiiiiip“ und „brmmmmmmmmmmmmm“ den Inhalt auf etwa 4 Grad kühlt. Leider steigt dafür die Temperatur in den Kojen auf tropische Verhältnisse. Vielleicht wäre es klüger, im Kühlschrank zu schlafen? Nee, da passe ich nicht mal zerstückelt rein. Auf dem grünen Ding steht: „biertje?“ - ja, gerne. Wenn was Gescheites drin ist, damit meine ich nicht den IQ der Hopfenkaltschale.

Aber die Stimmung ist nach dem gelungenen Premierenauftakt in Leipzig sehr gut, sodass mich der Bus gerade nicht mehr so schockt.

Ich sage mir, dass ich die Bundeswehr und die Pfadfinder überlebt habe und ich durchaus massentauglich bin. Dennoch brauche ich einen Tag, um meine Bus-Erwartungen mit den Bus-Realitäten abzustimmen und ein Systemabgleich herzustellen. Es wird mir gelingen.

Rasthofstopp vor Berlin, dann invasieren wir die Hauptstadt und kommen am K17 an.

DAS (!) ist Rock'n'Roll, und die Plakate an den Wänden sagen, dass hier meistens härtere Bands spielen. Da schluckt der Cellist, und der Autor verzieht beeindruckt den Mundwinkel.

Doppelkönig und Tourmanager Frank sorgt für die Einhaltung der Absprachen mit den Veranstaltern, Königin Heike macht uns klare Ansagen und erklärt mir Tour-Newbie, wie die Informationen laufen: Zettel im Backstage mit einer Timeline, was wann wo geschieht oder zu geschehen hat.

Noch ein neues Wort: Curfew … oder so ähnlich. Das bedeutet frei übersetzt: alles raus, raus, raus bis X Uhr und im Bus sein, sonst aua.

Dann gibt es da noch Doordeals, Stagehands und andere Fachtermini, wobei ich viel nicke, aber nichts verstehe. Aber ich sehe das neue Buch schon reifen!

Die Catering-Dame des Clubs ist sehr nett und aufmerksam, alles ist in Hülle und Fülle vorhanden. Der Backstagebereich an sich ist schon was älter und … na ja, bestimmt mal diversen harten Bands zum Opfer gefallen, aber alles halb so wild. Da das Klo größer ist als das im Bus, werde ich nicht meckern. Da sind wir also, die Backstageboys and -girls.

Aufbau, Soundcheck, Abendessen und ab in den Hühnerstall: ein winziger Raum über der Bühne, von dem aus wir über ein schmales Treppchen auf die Bühne marschieren. Würde man oben stolpern, fiele man kopfüber in die Percussionabteilung von Tim. Sturz mit Automatik-Tusch, sozusagen.

Binnen Sekunden wird es sehr, sehr heiß im Hühnerstall, und dann ist nach einer halben Stunde schwitzen for nothing … SHOWTIME!

Schauen wir mal, was Persephone dazu schreibt:

Das Instrumental-Intro von „The Man who swallowed my Soul“ beginnt und Lichttechniker Hartmut schafft die richtige Atmosphäre. Nur die Silhouetten der Musiker sind zu sehen, Nebel steigt auf... Obwohl der erste Auftritt schon sehr gut verlaufen ist, bin ich sehr nervös, als die ersten Töne von „Merciless“ erklingen und ich die Bühne betrete. Der Auftritt macht sehr viel Spass und das Publikum lauscht gespannt. Nach einigen Songs herrscht betretene Stille, die Zuhörer sind so leise, dass man eine Stecknadel fallen hören würde... Die Bühne ist angenehm groß und Asherah Latifa und ich haben reichlich Platz uns auszutoben.

Stimmt. Alles läuft super, die Zuschauer sind überrascht und angetan, wie so von meinem Erzählerthron herunter sehen kann.

Hinterher gibt es ein Belohnungsbier (the drugs), und schon beginnt das Abbauen, das Verstauen, ab in die Heia. Und während der Bus durch die Nacht schaukelt, ich mich an die Geräusche und das Geruckel gewöhne, döse ich sanft ein.

Hamburg, wir kommen, um zu rocken... nee .... um zu celli-en! … mh ... na, um Musik zu machen halt.

… erwähnte ich schon, dass die Kojen keine Fenster hatten?

Nach Uboot zuckte mir Sarg durch den Kopf. Na, immerhin weiß ich jetzt, wie man so einer Kiste liegt. Das habe ich vielen Lebenden voraus. Ich habe eine Lampe an der Decke, die man im Sarg vermutlich nicht hat. Es sei denn, man ist Vampir und liest gerne vor dem Einschlafen. Brüller, ich weiß.



2. Tag: Hamburg, meine Perle!

Denn man moas moas, hummel, hummel und viele andere hanseatischen Beschimpfungen!

Wir parken den MobyDick, werden von verschiedenen Parkwächtern nacheinander angesprochen („Moin, moin und nee, nee! Nu, wie lange woll's'n hier steh'n, mit dem Geschoss?“), bis alle verstanden haben, dass wir das doch dürfen. Damit sich die Wächter wichtig vorkommen, rollen wir zehn Meter weiter, bevor sie uns die Reifen zerstechen. Aye, das waren die echten Ahabs! Dem Harpunieren entkommen.

Der Club Markthalle hat noch geschlossen, und da wir in der Nähe des Hauptbahnhofs sind, irgendwie noch alle schlafen oder unterwegs sind, schnappe ich mir meinen Laptop und verkrümele mich in die DB Lounge: Getränke for free, und viel wichtiger: TEE!!!! Ich bin hochgradig abhängig von dem Stöffchen, und das in der Bahnlounge ist nicht das schlechteste.

Es folgt stundenlange Arbeit an JUDASTÖCHTER, bevor ich gegen 15.30 Uhr wieder bei der Markthalle bin. Danach kommt das Übliche: Aufbauen, Ton und Licht einrichten.

Persephone schreibt:

Gegen 16.00 Uhr finden wir uns in der Markthalle ein und disponieren auch gleich um: Der eigentliche Backstageraum verfügt über die viel schönere Bühne und ist auch vom Gesamtbild viel besser für unsere Zwecke geeignet, also wird sogleich umarrangiert. Wir verlagern den Backstagebereich und entern die größere und höhere Bühne. Die Freude über eine nette Duschgelegenheit ist groß!

Dazu muss man sagen, dass die wenigsten Duschen in den Locations absperrbar sind. Jedenfalls die in den Locations. Was an sich nicht schlimm ist, wenn man eine FKK- Dauerkarte hat oder Exhibitionist ist. Oder ein harter Hund.

Aber ich HASSE es, an Massenduschszenen teilzunehmen oder mich beim Einschäumen von anderen beobachten zu lassen. Fände ich das cool, hätte ich einen anderen Job, der eng an Hamburg und die Reeperbahn gekoppelt wäre. Die „Göttin“ von WerkZeugs ist übrigens der gleichen Ansicht, aber wir gehen dennoch nicht zusammen duschen, nur weil wir Meinungen und Überzeugungen teilen. Aber ich gehe fast so weit, uns als „Duschgeschwister“ zu bezeichnen. "The Showersisters" - guter Name für eine Band!

Also verzichte auf Dusche, hoffe auf die nächste Location und vertraue meinem Eau de parfum, wie damals, bei Königs. Wenn das Zeug schon so teuer ist, sollte es lange halten.

Checks, Essen, warten … Danach celli-en wir Hamburg, und ich muss sagen, dass die Hanseaten einmal mehr lockerer sind als der schlechte Ruf es ihnen andichten möchte! Würde mich interessieren, wer denen DAS angedichtet hat.

Immer präsent, immer wird geklatscht, ein Traumpublikum! Die sind so gut, dass „meine“ Mädels Sonja und Asherah bei der Zugabe vollends eskalieren und es weitere Zugabe-Forderungen gibt. Hamburg, meine Perle!

Jemand schreit noch: „Wir wollen das Buch zu Ende hören!“ Ha-ha! Guter Versuch!

Danach das Übliche: Abbau, huschhusch in den Busch … Bus, meine ich.

Unsere Tänzerin hat Geburtstag, es gibt Sekt für alle (ausgeschlossen der Fahrer), und wir feiern tatsächlich! Also... fast wie Rockstars!

Ich mit einem Sekt und drei Bier (kleine, diese Kindergrößen), ja, du meine Güte! Ich will gerade voll aus mir rausgehen – bin dann aber doch müde und falle zuerst auf den Boden, um mich dann in die Koje zu rollen. Eine sanfte Kurve unterstützt meine Bemühungen. Wie gut, dass es die richtige Richtung war, sonst hätte sich Holger gewundert, der mir gegenüber knackt.

Der Wal schwimmt zurück nach Süden, nach Frrranken. Nach Nürrrnberch. Ein Wal rollt zum Hirsch – ein echtes Tier-Meeting.



3. Tag: Ein Königreich für eine Dusche!!!

Irgendwie waren wir wieder verdammt schnell in der Nacht, die Uboot-Eingewöhnung ist bei mir abgeschlossen. Alles ist gut, jedenfalls im Vergleich zu den Verhältnissen in den schlimmsten Krisenherden der Welt.

Weniger gut: Die Truppe hat, während ich Weichei schlummerte, schön weitergefeiert, was dem Busfahrer wohl nicht so gefallen hat. Es gab kleinere Sauberkeitsmalheure mit leeren Flaschen, Dirt-Overflow im Mülleimer und .. na, Chips und Kuchen krümeln halt.

Und wie rächt sich das Personal?

Perfide.

Brutalst.

Grausam.

Die Buslautsprecher fahren hoch, und es brettern Schlager(!) mit 90 Dezibel durch den Wal. Spätestens bei Roland Kaiser steigen die letzten Tapferen aus den Kojen. Danach wurden sie gezwungen, den Kühlschrank sauber zu machen sowie den Bus mit einem Staubsauger zu reinigen. Rock'n'Roll habe ich mir anders vorgestellt.

Ich war eh wach und lümmle vor dem Bus rum. Mit der deutsch-holländischen Freundschaft sieht es gerade nicht so glücklich aus, und wäre ich vorletztes Jahr nicht auf der tollen Lesereise in Holland gewesen und hätte viele nette, liebe Holländer getroffen, ich weiß nicht, ich weiß nicht ...

Blitzfrühstück im Petit Bistro in einer Tanke, das so petit ist, dass gerade vier Mann an den einzigen Bistrotisch passen. Wir machen das Beste draus: Ein Ellbogen lagert gemütlich im Regal mit den Chipstüten, der andere im Kühlschrank, den Hintern kann man halb auf den Zeitungsständer platzieren. Es müsste eigentlich Très petit bistro heißen, aber es gibt Tee, und ich bin glücklich. Der Stoff wirkt schon!

Danach im Bus sitzen, warten, am Buch arbeiten (die Schlager sind verstummt, hooray!). Zwischendurch lasse ich mir von Holger erklären, wie oft Persephone im Laufe ihrer Karriere schon falsch ausgesprochen wurde.

Korrekt wäre „Pèrséfoné“

… zu hören waren auch schon: „Pörsífooní“

auch nett: „Pérsìfón.“

Mir fallen spontan noch andere Varianten ein, die mir stylisch vorkommen ich aber nicht sage, sonst haut mich Holger, und das ist der Cellist, der 1. größer ist und 2. von dem ein Besucher meinte: „Also, vor dem Cellisten in der Mitte, vor dem habe ich Angst.“ Außerdem kann man mit meinem Namen auch dumme Wortspiele machen, und so lasse ich es. Das hat Persephone nicht verdient!

Dann öffnet der Hirsch seine Türen für uns.

Alle sind sehr nett hier, das Catering ist phä-no-menal!!!!

Und die Bühne ist hypermodern mit Technik bestückt, Licht- und Toncrew sind schier aus dem Häuschen.

Und dann... die Dusche.

Eine echte!

Mit absperrbar!

Es gibt eine höhere Macht, ganz offenkundig! Das Hygieneangebot wird von mir dankbar angenommen, o meine Güte, sie haben einen Wärmestrahler! Und er ist angeschaltet! Danach noch rasieren … ich will gar nicht mehr raus – bis es klopft. Doppelkönig und Tourmanager Frank reklamiert seine Ansprüche, und ich muss weichen. Adé, ma chère Düsch'. Es war formidable!!!

Danach alles wie immer: Aufbau, Checks, Essen (sehr lecker), warten.

Die Vorstellung lief prima … bis .... Persephone, sag du was dazu:

Ganz zünftig nimmt das Publikum heute auf Bierbänken Platz... etwas irritierend ist, dass während der Show immer wieder Bierflaschen umkippen und gerade leise Passagen mit einem Geklirr und Geschepper untermalen. Highlight: „The day you went *klirrrr* away“. Nett. Nach der Pause fällt mein Headset aus, schnell wird ein Ersatzmikro, allerdings mit Kabel, bereit gelegt, dass ich mir bei passender Gelegenheit greife und Markus irritiere, weil ich vor seinem Thron herumkrieche... aber wie wir wissen passieren auf der Bühne manchmal Dinge... -)

Und ich sitze auf meinem Thron, während Sonja alles gibt, denke so: „Aha. Sie hat ihre Show umgestellt und macht einen auf devot oder ... – AH! NEIN! ICH DEPP! SIE WOLLTE DAS MIKRO!“

Wieder was gelernt.

Zugabe, Zugabe, alles gut.

Abbau, Bus besteigen, Curfew und Abfahrt nach Duisburg.



4. Tag: Duisburg – Forum Rheinhausen, und eine Halle nur für uns!

Kaum ist es Tag, sind wir schon da.

Alle schlafen mal wieder, ich packe meinen Laptop aus, gehe in die Halle und arbeite an JUDASTÖCHTER, bis alle wach sind. Was lange dauert.

Das Wetter ist frühsommerlich zu nennen, nach dem Frühstück hängen alle im Freien ab. Computer werden bedient, ich leiste mir auch endlich einen Surfstick und bekomme das §&$%&* Stück nicht zum Laufen, weil ich bedingt blöd war – merke: erst Registrieren lassen, dann surfen.

Die Bühne sieht gut aus, sogar mit Glücksdrache, und ich denke kurz darüber nach, eine Lesung aus DRACHENKAISER zu machen, was aber weder bei Persephone noch bei den Zuschauern gut ankommen würde. Mist. Aber so isset eben.

Die einen chillen, die anderen arbeiten, bis Aufbauzeit angesagt ist. Es geht flott und zügig, und ich habe danach wieder eine Dusche entdeckt. Erneut mit absperrbar! Wer weiß, wann es die nächste gibt …

Also rein, mit dem Duschvorhang gekämpft, der sich für ein Badetuch hält und mich die ganze Zeit anfliegt, umschmiegt und ankuschelt, ganz egal, was ich mache. Er ist leider nicht breit genug, um ihn mit Wasser an der Wand festzukleben. Weiche, Duschvorhangsatanas! Dachte zuerst, er wäre schwul, habe danach aber gehört, dass er bi ist: Der Vorhang hat sich alle Besucher genommen, der kleine Genießer!

Zum Abendessen das Wunschgericht für alle: CPM.

Was das ist?

Wir essen lokal und bekennen uns zu CurrywurstPommesMajo, obwohl die Einheimischen nur lächeln und sagen, es wäre eigentlich ein Mantateller bzw. eine Mantaplatte. Woher die den Rochen im Pott haben (boah, schon wieder ein Brüller), weiß ich nicht, aber CPM ist lustig. Und schmeckt auch noch leckerst! Solange T.Schweiger nicht aufkreuzt … habe gehört, er will „Manta, Manta 3“ drehen.

Persephone sagt jetzt was zur Show:

Es finden sich ca. 200 Leute im Forum Rheinhausen ein, um der Lesung und unserer Darbietung zu lauschen... Die Bühne ist sehr groß und der Auftritt macht allen Spass, auch das Publikum ist begeistert und fasziniert vom gebotenen Spektakel.

Mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Sauber gelaufen. Ach ja, damit kein falscher Eindruck entsteht: Gelegentlich verlese ich mich auch, manchmal improvisiere ich auch, weil ich in der Zeile verrutscht bin, aber hey, show must go on!

Am nächsten Tag ist um 6 Uhr erst Abfahrt, und es deutet sich an, dass die Mannschaft in Feierlaune ist. Sozusagen Bergfest, was mit Bierfest verbunden wird.

Auch wenn es richtig Spaß macht, gehe ich gegen 1.40 Uhr in meine Koje. Ich weiß, ich bin das Weichei, aber, hey, Bücher schreiben sich nicht von selbst. Und am nächsten Morgen möchte JUDASTÖCHTER weiterbearbeitet werden.

Aber es beschleicht mich das Gefühl, dass es immer Sex, Drugs und Rock'n'Roll gibt, wenn ICH weg bin ... Mh ...



5. Tag: Frankfurt – Da Batschkapp!

Alles fein. Ich stehe mal wieder früh auf, esse zwei alte Brötchen, die zwischen den Flaschen im summenden, brummenden „biertje?“ eingelagert sind. Dass Salat welk aussehen kann und dennoch knackig ist?! Wunder der Genmanipulation.

Laptop an, arbeiten.

Danach netter Empfang der Batschkapp-Crew, lecker Essen, Soundcheck – und Sonjas Stimme klang plötzlich nach Bonnie Tyler!

Wir denken, dass ein Off-Day dazwischen ganz sinnvoll gewesen wäre, so im Nachhinein, dazu die Klimaanlage im Bus und Wechselwetter. Denn in FaM ist es arschkalt … wobei ein Arsch an sich nicht kalt ist, fällt mir gerade auf. Okay, sagen wir: Es war kalt. Auch am Arsch.

Ich bin kurz beeindruckt, als ich im Vorbeigehen auf einem Plakat sehe, mit wem ich ab jetzt in der gleichen Club-Liga spiele:

Robbie Williams – wumm!

Die Ärzte – wumm!

Killerpilze – wu … ähm. Na, okay, bei allem Respekt, aber das Kaliber von anderen beiden ... wobei: das Lied „Drei“ ist lustig und klingt wie eine alte Ärzte-Scheibe. Und tonnenweise andere Berühmtheiten reihen sich untereinander.

Super! Wenn ich Robbie treffe, dann kann ich souverän zu ihm sagen: „You know, we are stage-brothers. We played in the famous Batschkapp. Call me, if you need some books. I wrote something about aliens, it's exactly your type of literature. Oh, look! There are the Killerpilze, stage-brothers too. Zee ya!“

Für Sonja gab es Tee, Honig und meine Halspastillen, weil ich dachte, ICH brauche sie. Hatte kiloweise davon dabei und brauchte sie nicht wirklich. Aber gut, dass ich sie dabei hatte. Beim Singen später … was, was schreib ich? Los, WerkZeugs:

In Frankfurt fiel dann leider Sonjas Mikro kurzfristig aus, so dass sie einen Song praktisch ganz ohne Mikro sang, was mir ehrlich gesagt gar nicht aufgefallen war. Insgesamt aber auch wieder ein spannender Abend mit vielen netten Besuchern und einer tollen Show.

Jau, sehe ich auch so.

Danach, dawai, dawai: verschärftes Abbauen und ein neuer Rekord: 11 Minuten, was das Einladen anging! Denn danach brauchte die Batschkapp die Location für ihre Disco, zu der wir noch eingeladen waren.

Aber irgendwie endete es im Bus, die Mannschaft kaute Pizza, wir haben eine Folge von „Father Ted“ geschaut (sehr empfehlenswert), und entspannt.



6. Tag: Limbach/Saar (another Weltstadt!) – the Abschluss mit Technik-GAU! War klar ...

Früh gegen 11 Uhr angekommen.

WerkZeugs sagt:

An dieser Stelle erstmal ein riesengroßes Lob, an den Kontrastbühne e. V. Zweibrücken. Das war ganz großes Kino. Der Empfang war so herzlich und toll, dass wir ganz sprachlos waren. Es war zwar "nur" eine Turnhalle, aber was Ihr daraus gemacht habt, war grandios. Sonjas Stimme hatte sich etwas erholt, war leider aber noch immer angegriffen. Die Proben setzten ihr dann noch etwas zu, aber wir waren guter Dinge, dass es kein Problem sein wird, dass sie etwas tiefer klingt, als gewohnt. Einige fanden genau das sehr reizend;-)

Ich bin aber erst nach Hause: eigene Dusche, eigenes Klo, leckerer Tee – WUNDERBAR! Danach zurück nach Limbach, das übliche Prozedere.

Abends dann full house … also, nein, full Dorfhalle! 300 Menschen kamen und sahen und hörten. Damit hat Limbach den Beweis erbracht, dass ein saarländisches Dorf in der Lage ist, Hamburg, Berlin und andere Weltstädte locker hinter sich zu lassen! Ja, so etwas können nur Saarländer!

Die Aufregung vor Heimatpublikum stieg bei mir etwas an, aber inzwischen konnte mich fast nichts mehr erschüttern.

Was uns keiner vorher sagte: Es gab eine kleine, schöne Mittelalterbandvorführung im Vorfeld sowie einen Videokünstler, der bei der Show Animationen an die Wand geworfen hat (Danke, Tom). Also, mit einem Beamer.

Anfangs war ich irritiert, weil ich mich plötzlich selbst aus den Augenwinkeln sah – nur unscharf, riesig groß und … ich saß neben mir! Doch es war stimmig, und die Leute machten Kopfbewegungen wie beim Tennismatch: mal zur Bühne, mal zur Leinwand, mal zur Bühne, was ich wiederum amüsant fand. Da soll man mal von Blut, Tod und Verderben erzählen!

Tja. Und dann gab der Technik-Bug alles ...

Zuerst dachte ich, die Crew wollte uns reinlegen, weil am letzten Tag immer „fool's day“ sei, wo man die Band gerne mal nett und lieb auflaufen lässt.

Wieder zu Beginn des zweiten Blocks: TechnikGAU. Es gab ein lautes „huuuuuuuuup“, gefolgt von einem „pfump“ - und Ton aus.

War klar.

Ich sehe Maurice und Hartmut im Gegenlicht hektisch hin und her springen, was ein wenig nach tonlosem Scherenschnitt- oder Puppentheater aussah, und ich hörte absurderweise die Melodie von der „Muppet Show“ in meinem inneren Ohr – Mist. Es war kein Fool's day-Gruß von der Technik und ich wurde nicht sofort wieder erlöst, nein, sondern es handelte sich um astreine Systemüberlastung. Oder den Judassohnfluch, wer weiß das schon?!

Profis sind Profis: Sonja und die Band haben einfach ein Lied unplugged weitergespielt, ich musste eh mit einem Handmikro anstelle meines Headsets sprechen, was mich beim Umblättern in Bredouille gebracht hat. Herumlaufen konnte ich auch nicht, beim Fluch-Sprechen musste Tanja improvisieren ... aber letztlich haben wir es hinbekommen, und es hat den Leuten gefallen. Es gab Zugabe und langen Applaus!

Wer wusste schon, dass es SO nicht geplant war? Gut, jetzt wissen es alle, aber vorher nicht.

Danach haben wir alle gefeiert, bis 2 Uhr, weil wir dann raus mussten. War aber ganz gut, sonst hätte es doch noch Sex, Drugs und Rock'n'Roll gegeben?!



Akustischer Abspann an:

Man hört einen Holländer laut rufen, Gegenstände fliegen durch die Luft und schlagen auf dem Boden auf, ein Cello setzt ein, ein Österreicher (Flo oder Francis) sagt „Ba-Ba!“, ein Bus röhrt und beschleunigt, jemand sagt „Duisburg? Ich wollte nach Frankfurt!“, dann hört man wieder das Reifenabrollgeräusch...


Sprecherstimme:

„Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, und die Truppe von Persephone samt der Technik-Crew war so was von bezaubernd, dass ich mir durchaus vorstellen kann, mit ihnen wieder etwas zu machen …

… na ja, okay: Es würde mich verdammt freuen, wenn man ähnliche Projekte auf die Beine stellt, ohne sich selbst zu kopieren und langweilig zu wirken. Eine tolle Erfahrung, die ich machen durfte, auf vielfältige Weise!

Und das Publikum war überall toll, aufnahmefreudig und bereit, sich auf Neues einzulassen. Dafür an alle Locations und die Veranstalter ein dickes DANKE!!!!“

-kurze Pause, dann gemurmelt-

„Nur … mit dem Busfahrer … das wird eng. Roland Kaiser mit DEN Songs und DER Lautstärke ist nicht leicht zu verzeihen.“


Reifenabrollgeräusche zum Lied „Don't drive with strangers“ zur Melodie von „Don't talk to strangers“, fade out


Echter Abspann ...


Akteure in Reihenfolge ihrer Körpergröße (geschätzt) in der jeweiligen Crew

PERSEPHONE

Flo als: der Pianist

Holger als: der Cellist, vor dem man Angst haben kann

Fancis als: der Stehbassist, von dem man glaubt, er groovt gleich den Rock'n'Roll

Johannes als: der Cellist, der aussieht wie ein Professor

Martin als: das Obercello

Tim als: der Percussionist, der seine eigene Fingergesundheit aufs Spiel setzt

Sonja als: bezaubernde sie selbst/ Bonnie Tyler (nur stimmlich) – beide gaben alles!


DIE CREW

Hartmut als: Mister „Schönes Licht“, Lightmanager on duty

Maurice als: „some people call me Morrrrris“ Tonmanager

Sören als: Lord of Persephone-merchandise

Arne und Boris als: die flinken Helfer an Traversen und auf Leitern; wie Rammstein schon sang: „Leiter, Leiter ins Verderben!“

Frank als: Doppelkönig und Tourmanager, Herr sämtlicher Lagen

Heike als: Königin oder Königinanwärterin, Frank wusste es nicht genau

biertje? als: the fridge (not fringe)

Toon als: Busfahrer mit und ohne Nerven


WERKZEUGS aka Werkszeug aka Werkzeugkiste

Richard als: Mister WerkZeugs

Diana als: Göttin und Misses WerkZeugs

Tanja als: Misses WerkZeugs und Asherah Latifah

Karsten als: Mister WerkZeugs

Bernd als: der Fotografeur

 

DER SPRECHER

…. und Markus Heitz als: Typ, der in Schwarz auf der Bühne sitzt oder steht, dabei die Sängerin sowie die Tänzerin bei ihren Aktivitäten behindert und ebenso aus dem Off hätte lesen können.

Aber der Sessel war einfach zu cool – wenn auch f****** unbequem!


… UND ...

Knaur als: der Verlag, der mir die Tour eingebrockt hat.

… und ich fand es total spannend!!!!

Danke dafür (ernst gemeint)!!!



Licht an, zurück ins Leben und weitermachen!