NEUES
DA DIE MENSCHEN BÖSE SIND
Welch Auftakt!
Wédōra – Staub und Blut


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I. Leseprobe

 

LESEPROBE I (Arbeitsversion)

 

Lamento III


Immer

ergreift das Schicksal diejenigen,

welche hinten laufen.

Immer

packt das Unrecht diejenigen,

welche die Wahrheit sagen.

Immer

zerreißt der Zorn Gottes diejenigen,

welche freundlich leben und niemandem etwas tun.

Immer

gewährt die Hure Glück

den Falschen

ihre

Gunst.


So rate ich dir:

Sei du Schicksal, sei Unrecht, sei Zorn Gottes,

und mach dir die Hure zu willen!

Und du wirst herrschen.

Es macht den Schmerz erträglicher...

 

31.12., Deutschland, Sachsen, Leipzig, 17.41

„Kommt Sia heute Abend wirklich?“ Elena hüpfte die Stufen im Treppenhaus hinauf, die braunen Zöpfe wippten, als wären es merkwürdige Flügelchen.

„Sie hat es mal zumindest gesagt.“ Emma schleppte die beiden Einkaufstüten, in denen sich die Sachen für den gemeinsamen Abend befanden. Sie wohnte seit zwei Jahren in der Ritterstraße, auch wenn sie vorgehabt hatte, Leipzig zu verlassen. Wegen ihres geschiedenen Mannes.

Aber das Schicksal hatte eingegriffen. Zwei Blitzschläge, nicht mehr, nicht weniger.

Damit war das Thema Umzug zwar nicht erledigt gewesen, weil Emma die Wohnung bereits gekündigt hatte, doch in ihrem neuen Zuhause lebte es sich gut. Zentral, doch erschwinglich, in der Nähe des Schauspielhauses, wo sie eine Anstellung als Dame für alles gefunden hatte.

Ein schönes, neues Leben. Alles hatte sich zum Besseren gewandelt, seit Sia Sarkowitz über ihre Schwelle getreten war.

„Und wer kommt sonst noch?“

Emma stöhnte. „Für eine Siebenjährige hast du aber kein gutes Gedächtnis. Ich habe es dir doch vorhin schon im Bus aufgezählt. Und vorgestern.“ Auf dem Treppenabsatz angekommen, stellte sie die ramponierten Plastiktaschen vor der hohen Tür ab. Altbau, neunzig Quadratmeter, frisch renoviert. Wohnraum war in Leipzig nach wie vor günstig. Nur so konnte sie sich die große Wohnung leisten. Und eine Silvesterparty mit genügend Platz für dreißig Freunde. Sie wischte sich eine dunkle Strähne aus dem schmalen Gesicht. „Sperr mal auf.“

Elena hüpfte lieber noch ein bisschen, bevor sie der Aufforderung nachkam. Dabei summte sie die Namen der Gäste vor sich hin. Natürlich kannte sie jeden einzelnen.

„Wird das heute noch, Fräulein?“, sagte ihre Mutter gespielt ärgerlich. Emma war stolz, dass Elena sich klug und ungewöhnlich eigenständig für ihr Alter erwies. Aber sie sagte es lieber nicht all zu oft. Sonst fürchtete sie, ihre Tochter würde eingebildet. In der Schule schrieb sie die besten Noten. „Wir müssen doch noch dekorieren.“

„Ach, Mama. Das mache ich doch mit links.“ Sie nahm den Schlüssel, der am Halsband hing, und öffnete die Tür. Dann versuchte sie, eine der Tüten zu schleppen. Stattdessen riss der rechte Griff ab, und sie purzelte rückwärts in den Flur. „Menno“, machte sie beleidigt.

„Nicht schlimm.“ Emma schob die Tasche mit dem Fuß hinein und trug die andere. „Dein Kopf ist noch dran, die Zöpfe sitzen auch. Und jetzt legen wir los!“

Ihr war nie aufgefallen, dass es noch nach neuen Möbeln roch, wenn man die Wohnung betrat. So ziemlich alles, auf dem man sitzen, liegen und stehen konnte, stammte aus einem sehr günstigen skandinavischen Möbelhaus. Zu mehr hatte das Geld nicht gereicht, und außerdem fand Emma es nicht einmal schlecht.

Alles war in hellem Holz oder weiß lackiert gehalten Ihre neuste Errungenschaft, eine separate Anrichte, dünstete anscheinend die Buche aus.

Die Einkäufe wanderten teils in den Kühlschrank, teils in die Vorratsregale, teils auf den Arbeitstisch.

Gemeinsam fertigten Mutter und Tochter Käse- Obst- Spieße an, über die sie Kürbiskernöl oder alten Balsamicoessig gaben, und nannten es Die Rache des schwarzblutigen Käseigels. Danach begannen die Fertigung der adligen Unterlegscheiben: runde Pumpernickelstücke, die mit Frischkäse und günstigem Forellenkaviar versehen wurden. Alles wanderte in den Kühlschrank.

„Haben wir doch gut hinbekommen! Ich mache rasch den Nudelsalat.“ Emma sah auf die Uhr. Noch zwei Stunden. „Du kannst dein Zimmer aufräumen, damit Üdin, Greta und Joanna und du Platz genug zum Spielen haben. Und vergiss nicht zu duschen.“

Elena verdrehte die Augen und blies die Luft in die Höhe, die den hellgesträhnten Pony zum Fliegen brachten. „Menno.“ Aber sie trottete los. Gleich darauf schallte Kindermusik durchs Haus. Zum sicherlich tausendsten Mal zogen Wickie und die Wikinger fest das Segel an, bevor die Biene, die Karel Gott meinte, Maja hieß. Kleine, freche, schlaue Biene Maja.

Emma hatte gelernt es zu überhören. Spätestens beim Dröhnen der Dunstabzugshaube versank die Hymne von Bibi Blocksberg, der kleinen Hexe, in einem deutlich angenehmeren Rauschen.

Die nächsten Minuten verbrachte sie mit der Zubereitung des asiatischen Nudelsalats und war froh, von Elena in Ruhe gelassen zu werden.

Kaum war sie damit fertig, nutzte sie die Gelegenheit und verteilte in Küche und Wohnzimmer Schälchen mit Knabberzeugs, leere Gläser und ungekühlte Getränke. Der Rest stand auf dem Balkon.

Noch eine halbe Stunde. Emma war glücklich. Mit allem und ihrem Leben. Das hatte sie nicht immer behaupten können.

„Elena?“

Sie ging ins dunkellilafarbene Kinderzimmer, wo eine Ordnung herrschte, wie sie es selten erlebt hatte. Nur ihre Tochter fehlte.

„Gut gemacht“, rief sie laut und schaltete das Kinderlieder-Gedröhne ab. Sie marschierte ins Bad, um sich ebenfalls schnell zu duschen und etwas anderes anzuziehen.

Denn unter den Partygästen würde sich auch Sebastian, ein netter Anfangsdreißiger, befinden, der ausgezeichnet zu einer Endzwanzigerin wie sie passte. Er hatte ebenfalls eine kleine Tochter. Sibylle, fünf Jahre. Ein Mann mit Sorgerecht und Karriere, das machte bei Emma Eindruck. Patchwork lautete das Zauberwort.

Das Bad war leer.

„Wo steckst du denn?“ Emma zog das Shirt und die Hose aus, die Socken folgten. Sie bekam keine Antwort. „Elena?“

Aus irgendeinem Grunde wurde ihr kalt.

Das leise Quietschen sagte ihr, dass eines der Fenster offen stand und in der kalten Winterluft schwang. Oder ...

Der Balkon! „Habe ich dir nicht gesagt, dass du keine Schneebälle machen und auf die Leute auf der Straße werfen sollst?!“, rief sie und schlüpfte in den dunkelgelben Morgenmantel. Sie eilte ins Wohnzimmer, von wo aus es auf die kleine Plattform ging.

Die Tür stand offen, Fußspuren im Schnee führten zum Geländer.

Aber nicht wieder zurück ...

Ihr wurde gleichzeitig heiß und kalt. Sie machte zwei, drei schnelle Schritt durch das Weiß und beugte sich über den Handlauf und blickte in den Hof, um das Schlimmste auszuschließen.

Der Schnee fünf Stockwerke unter ihr war unberührt. Keine kleine Gestalt mit braunen Haaren lag regungslos auf dem Boden.

Gott sei dank! Innerlich atmete sie auf, auch wenn das Mysterium des Verschwindens nicht gelöst war. Sie wird in ihren eigenen Abdrücken rückwärts gelaufen sein. Wo kann sie noch stecken?

Von der schrecklichsten Vorstellung befreit, spürte sie die Dezemberkälte. Zitternd kehrte sie ins Wohnzimmer zurück. „Elena?“ Inzwischen rang sie mit der Verärgerung. „Elena, verflixt, wo steckst du? Komm raus! Ich finde es nicht mehr witzig.“

Es klingelte an der Tür.

Emma ging zum Eingang und blickte durch den Türspion.

Im Flur stand eine Frau in ihrem Alter mit kurzen schwarzen Haaren, die einen dunkelgrauen Wintermantel und einen blauen Schal um den Hals trug. Das Gesicht war leicht abgewandt, sie schaute zu den Türen der Nachbarn.

Wer ist das denn? Sie hängte den Sperrbügel ein und öffnete. „Ja?“, sagte sie durch den Spalt.

„Oh, hallo.“ Die Stimme war angenehm, wenn auch etwas tief für eine Frau. Ihr Deutsch hatte einen leichten Akzent; Emma meinte, etwas Britisches zu hören. Das Hallo klang mehr wie ein hello. „Ich suche Frau Theresia Sarkowitz.“ Jetzt zeigte sie ihr Gesicht in Gänze. Es gab durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit Sia. „Eine Arbeitskollegin von ihr aus dem Krankenhaus meinte, dass ich sie hier finden könnte.“

Das klang ungewöhnlich, war aber auch nicht unwahrscheinlich. Emma wusste, dass Sia dort ihre Festnetznummer für Notfälle auf der Arbeit angegeben hatte. Jedenfalls konnte sie sich nicht daran erinnern, dass sie vom Krankenhaus jemals angerufen worden war. Über die Nummer war die Adresse durch minimalste Recherche herausfinden.. „Sie sind, bitte?“

Die Frau lächelte entschuldigend. „Tonja Umaschwili. Ich bin ihre Cousine aus London. Ich wollte sie überraschen. Bei ihr zu Hause war niemand.“

Überraschen ist dir auch bei mir gelungen, dachte Emma und wusste nicht, was sie tun sollte. Sia hatte erzählt, dass sie keinerlei Verwandte mehr besaß. Außerdem war da noch ihre verschwundene Tochter, die sie suchen musste. Schlechtes Timing. „Von einer Cousine weiß ich gar nichts.“

„Sie kennt mich nicht. Noch nicht.“ Tonja bemerkte die Unentschlossenheit. „Verzeihen Sie, dass ich Sie einfach so überfalle. Ich wäre an Ihrer Stelle auch misstrauisch.“ Sie hob eine Plastiktüte. „Hier. Nehmen Sie das Geschenk, das ich für Sia gekauft habe, und sagen Sie ihr bitte ...“

Was soll's. Das kann sie klären, wenn Sia da ist. „Warten Sie.“ Emma schloss die Tür, hängte den Sicherungsbügel aus und machte ihr auf. „Kommen Sie rein“, bat sie zerstreut und richtete den Bademantel. „Ich muss mich entschuldigen. Wir stecken mitten in der Vorbereitung für eine Silvesterparty, und anscheinend“, sie hob die Stimme und schaute über die Schulter, „will mich meine liebe Tochter zu einem ungünstigen Moment auf den Arm nehmen. Das kostet sie einen Monat Taschengeldsperre, wenn sie nicht gleich erscheint.“ Dann blickte sie wieder nach vorne.

Tonja wirkte jetzt nachdenklich. „Ein kleines Mädchen? Mit braunen, Zöpfen und einem hellen Ponyschnitt?“

„Ja!“

„Sie rannte eben an mir vorbei und ist den Flur hinunter gelaufen. Ich glaube, sie ist nach rechts abgebogen.“

„Dieses Kind! Was macht es denn nun schon wieder?“ Emma schlüpfte in ihre Schuhe, warf sich den Mantel über und rannte das Treppenhaus hinab. Beginnt ihr Schlafwandeln schon am helllichten Tag? „Machen Sie es sich bequem. Falls Gäste kommen und ich nicht zurück bin, öffnen Sie ihnen die Tür!“ Sie hetzte los.

***

Tonja sah ihr hinterher.

Als Emma um den Absatz herum verschwunden nach und kurz darauf die Hauseingangstür rumpelnd ins Schloss fiel, drehte sie den Kopf nach vorne. Sie legte die Hände auf den Rücken und machte einen überlegten Schritt in die Wohnung. Und blieb stehen.

Die flachen Sohlen ihrer Turnschuhe verursachten kein Geräusch auf dem altehrwürdigen Dielenboden, der normalerweise unter der geringsten Belastung knarzte.

Tonja schloss die Augen und atmete tief ein.

Sie sog die Gerüche ein, lauschte auf die Geräusche und ließ sie auf sich wirken.

Nach gut zwei Minuten schlüpfte sie aus den Schuhen und setzte sich auf blutroten Strümpfen lautlos in Bewegung.

Sie strich ungeniert durch die Zimmer, roch an Elenas und Emmas Kissen auf den Betten, roch an ihren Handtüchern im Bad, roch an den Jacken und Mützen im Flur. Als wolle sie eine Spur aufnehmen und wäre auf der Suche nach einer ganz bestimmten Person.

Mit den Fingerspitzen nahm sie jeweils ein Haar aus den Bürsten von Mutter und Tochter. Beide landeten in der Manteltasche.

Im Spiegel vor der Garderobe musterte sie sich.

Ganz zufrieden war sie nicht mit dem, was sie sah. Ihre rechte Hand strich sich über die Wange, und der Knochen veränderte sich. Er wölbte sich leicht, verschob sich und gab dem Gesicht eine neue Note. Die andere Seite passte sich der Wandlung an und machte Tonja ihrer Cousine Sia noch ähnlicher, sodass es gar keine Zweifel mehr an der Verwandtschaft geben würde.

„Besser“, sagte sie zu sich selbst und grinste. Perfekte Zähne leuchteten weiß auf.

Sie zog den Mantel aus und hing in an den Bügel. Dann ging sie ins Wohnzimmer und setzte sich brav auf die gemütliche dunkelbraun und weiß gemusterte Couch. Tonja hatte alles gesehen und gerochen, was sie hatte sehen und riechen wollen. Sie war in der Ritterstraße richtig.

Ein Schlüssel drehte sich im Schloss. Eine Tür öffnete sich, Papiertüten raschelten laut.

Tonja beugte sich nach vorne, um den Eingang sehen zu können.

***

Emma schob Elena hinein und hatte das Brot unterm Arm. „Das nächste Mal sagst du mir was, bevor du einfach so verschwindest.“

„Mama, das erzählst du mir zum vierten Mal, seit du mich abgefangen hast“, gab sie zurück. „Aber ich habe laut gerufen, dass ich zum Bäcker gehe und die Bestellung abhole.“ Sie zogen die nassen Schuhe auf dem Läufer aus und stellten sie neben die Tür. „Und von uns beiden hast du vergessen, dass wir noch was abholen müssen.“ Ihre Blicke fielen auf die unbekannten Turnschuhe, dann auf den dunkelgrauen Mantel. „Schon jemand da?“

„Ja. Sias Cousine. Sie heißt Tonja. Den Nachnamen habe ich mir nicht gemerkt. Irgendwas mit -wili am Ende.“

„Was? Sie hat eine Cousine?“ Elena rannte den Korridor entlang und linste ins Wohnzimmer. „Hallo“, sagte sie und schlenderte tänzelnd auf die schlanke Frau zu, die es sich mit ein paar Kissen auf der Couch gemütlich gemacht hatte. „Wir wussten gar nicht, dass Sia eine Cousine hat!“ Sie blieb vor ihr stehen und musterte sie eindringlich. „Sieht man aber. Die Verwandtschaft.“ Sie stellte sich auf die Zehenspitzen.

„Danke sehr“, gab Tonja zurück.

„Sei nicht so vorlaut“, wies Emma Elena an und trug das Brot herein, legte es auf den Couchtisch. „Zieh bitte deine Hausschuhe an, Töchterchen.“ Ihr fiel auf, dass Tonja kein Parfüm aufgelegt hatte, was sie ungewöhnlich bei einer Frau fand. Gerade wenn sie so gut aussah und Wert auf anspruchsvollere Kleidung legte. „Sie kommt aus London.“

„Das ist in England. Die Hauptstadt.“ Elena fischte die Tigerhausschuhe unter der Couch hervor. „Warum sind Sie denn bei uns und nicht bei Sia?“

„Sia war nicht zu Hause, und das Krankenhaus gab mir eure Nummer. Ich habe es ein paar Mal mit anrufen versucht, bis ich spontan beschlossen habe, vorbeizukommen“, antwortete Tonja, die das kleine Verhör erfreulicherweise mit Belustigung hinnahm. „Ich muss mich entschuldigen, wie ich deiner Mutter schon sagte. Aber ich wollte meine Cousine überraschen, und mein Flug geht schon bald wieder zurück. Deswegen wollte ich unbedingt mit ihr zusammentreffen.“

„Cousine heißt, dass die Schwester von Sia Ihre Mutter war, richtig? Oder der Bruder Ihr Vater?“, meinte Elena im Versuch, die Verwandtschaft zu ergründen. „Wieso wohnen Sie denn in London, und warum haben Sie sich denn niemals bei ihr gemeldet?“

„Das ist alles ein bisschen kompliziert“, erwiderte Tonja seufzend. „Die Schwestern hatten sich zerstritten, meine Mutter wanderte nach England aus und hat mir bis zu ihrem Tod nichts von der Familie erzählt.“ Emma stellte ihr ein Glas mit Wasser hin. „Ich habe ein Jahr lang nach Spuren gesucht, quer durch alle Länder, bis ich sie gefunden habe. Dann hielt mich nichts mehr.“ Sie sah auf die Uhr. „Wann beginnt Ihre Party, Frau Karkow? Glauben Sie, dass Sia früh hier sein wird? Mein Flieger geht in vier Stunden.“

„Wir können sie anrufen!“, quakte Elena begeistert, deren Ablehnung mehr und mehr wich. „Das ist doch toll!“ Sie schlug die Hände zusammen. „Dann haben wir ...“

„ ... noch einen Gast mehr“, fiel sie ihrer Tochter ins Wort, weil sie wusste, was sie hatte sagen wollen: noch eine Tante.

Streng genommen würde Tonja keine echte Tante sein. Und Sia war eher eine Art Ur- Ur- Großmutter, aber sie waren wohl alle vier miteinander verwandt. Wer hätte das gedacht? Emma fand, dass es noch zu früh für die Wahrheit war. Erst sollte Sia bei ihnen sein und ihre Cousine kennen lernen. Alles andere würde sich danach ergeben. Sie wollte eine endgültige Verifizierung der Geschichte, bevor die Verwandtschaft offiziell erweitert wurde. „Zu Essen haben wir bestimmt genug. Und jetzt muss ich mir rasch was Partytaugliches anziehen.“

Verwundert schaute Elena sie an, schwieg jedoch.

Es klingelte stürmisch, eine krakeelende Kinderstimme war gedämpft aus dem Treppenhaus zu hören.

„Da sind schon die Ersten“, rief Elena wieder begeistert und rannte hinaus in den Flur. „Ist bestimmt Üdin. Ich mach' auf!“

Tonja lächelte auf eine unbestimmbare Weise, als sie sagte: „Kinder.“ Das Glas Wasser rührte sie nicht an....