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"Kinder des Judas"

 



 Leseprobe 2

Leseprobe 3

Einführung

Und schon könnte man sich fragen: Wieso denn Einführung? Was gibt es denn bei Vampiren zu erklären? Kennt man doch alles schon!


Ach, ihr Ahnungslosen....

Es war mir ein Anliegen, dieses Buch zu schreiben. Um unter anderem mit dem Irrglaube aufzuräumen, unser heutiges Vampirbild würde auf Vlad Tepes zurückgehen.
No Dracula, sorry.

Wie bei den Werwölfen in Ritus und Sanctum griff ich auch für dieses Werk reale Ereignisse aus den Jahren 1731 und 1732 zurück und gab ihnen einen neuartigen Hintergrund. Ich kann es einfach nicht lassen. :o)
Ein kleines Dörfchen im heutigen Serbien namens Medvegia (Schreibweisen variieren gerne), jede Menge Vampire und Bewohner, die sich über die Blutsauger sowie deren Taten bei ihren zuständigen Behörden beschweren - DAS ist Tatsache!
Und gleichzeitig ein Ansatz für die Story in "Kinder des Judas".

Wer selbst ein wenig recherchiert, wird in dem Buch viele historische Persönlichkeiten entdecken. Die Akten der Geschehnisse von Medvegia lagern noch heute im Wiener Hofarchiv - denn diese Untersuchungskommissionen, die im Buch beschrieben werden, gab es tatsächlich.
Ob Vampire existierten?
Sicher ist: Auf dem Balkan und in Osteuropa kursieren für die gleiche Gestalt unzählige Begriffe: Vampir, Vapir, Vepir, Vupir; außerdem Lampir, Upir, Upyr, Upior, Upierzyc und Wapierz; des Weiteren Vieszcy, Murony oder Priccolitsch, nicht zu vergessen Wukodalak, Vurkulaka, Tenac oder Tenjac und viele mehr.

Es zeigt sich: Die Arten und Namen von Vampiren sind so vielfältig wie ihr Verhalten, ihre Gaben und Fähigkeiten. Zumindest, wenn man nach der Volkskunde geht. Und auf sie stütze ich mich.
Für manchen wird das Buch eine Flut an Informationen bereit halten - in Wahrheit gibt es nur einen winzigen Einblick in all das, was den Blutsaugern nachgesagt wird oder wie man sich gegen sie schützen kann.
Vielleicht bringe ich die wissenschaftlichen und volkskundlichen Aspekte des "historischen" Vampirismus nächstes Jahr als eigenes kleines Büchlein raus. Da ist einiges an Material zusammengekommen....

Sicher ist: Die Vampire haben ihre Spuren in der Geschichte hinterlassen.
Zum ersten Mal schriftlich erschien der Terminus "upir" im Jahr 1047 nach Christus im Nordwesten von Großrussland, in der Umgebung von Nowgorod. Es war der Name eines dort ansässigen Fürsten, der "upir lichyi" hieß; in Westrussland finden sich zudem Orte, die "Upiry" und "Upirow" heißen, und die Bewohner brüsten sich damit, von Vampiren abzustammen.

Die Wurzeln des Vampirglaubens reichen bis weit in die Antike zurück und fußen auf der ebenso simplen wie archaischen Feststellung, dass ein Lebewesen ohne Blut sterben muss.
Von daher ist Blut etwas Mächtiges - in manchen Kulturen der Sitz der Seele -, und Dämonen, die dem besonderen Saft nachstellen, sind extrem gefährlich. Sie jagen nicht nur das Leben: Mit dem Tod eines Menschen durch den Vampir wechselt er auf die Seite der Dämonen. Eine Rettung von dort ist so gut wie ausgeschlossen.


Auch die im Buch angedeutete Diskussion zwischen verschiedenen Gelehrten, Geistlichen und Philosophen über das Phänomen der Untoten existierte tatsächlich.
In den 40er Jahren des 18. Jahrhunderts ging vor allem die Kirche zum Gegenangriff über, und ihre Autoren schrieben immer wieder über die Nichtigkeit des Vampirglaubens.
Doch das allein half nicht. Der Ruf nach einer gesetzlichen Eindämmung durch die Obrigkeit wurde immer lauter, bis Kaiserin Maria Theresia den zuvor so intensiv und mit großem Interesse besprochenen Vampirismus beziehungsweise alle Handlungen an Leichen verbieten ließ.
Das formale Verbot der Vampire wurde zum ersten Mal 1755 und 1766 mit der "Consitutio Criminalis Theresiana" erneut ausgesprochen. Den Blutsaugern rückte man nun nicht mehr mit Pflock und Grabschaufel zuleibe, sondern mit Paragraphen und geistiger sowie medizinischer Aufklärung: Die rituellen Gerichte wurden verboten, die behördliche Meldepflicht solcher Vorkommnisse eingeführt, die Bezahlung von offiziellen Kommissionen und der finanzielle Anreiz, Vampiruntersuchungen und -exekutionen durchzuführen, abgeschafft. Ohne Aufwandsentschädigung lohnte sich die unappetitliche Arbeit nicht mehr.

Um 1770 wurde der Vampirismus als gelöstes Rätsel und Kuriosität betrachtet. Mediziner hatten rationale Erklärungsmodelle für das rätselhafte Sterben und die Vorkommnisse geliefert.
Es wurde sehr ruhig, auch wenn die Vampire niemals richtig vergessen wurden, bis Bram Stoker seinen Roman Dracula schrieb. Er nahm sich Teile des traditionellen Vampirglaubens, dazu gab er die historische Person Dracula, mengte Beschreibungen aus Reiseromanen und ließ sich als besonderes Gewürz von anderen Vampir-Schriftstellern vor ihm inspirieren. Der Erfolg von und die Faszination für Dracula und alle Vampire hat sich bis heute gehalten.
Übrigens, der historische Dracula wurde - glaubt man der gängigsten Variante - von den Türken im Anschluss einer Schlacht enthauptet. DAS überlebt kein Vampir. Und er wurde niemals als Vampir bezeichnet, wenn es auch andere, sehr hässliche Namen für ihn gegeben hat. Kein Wunder, bei dem Verhalten...

Abgesehen von der Herausforderung, den realhistorischen Kontext des 18. Jahrhunderts anzureißen und in die Geschichte einzubauen, -mit künstlerischer Freiheit - hat es mir sehr viel Spaß bereitet, dieses Buch zu schreiben.
Ich werde keinesfalls ausschließen, dass ich mich wieder mit den Vampiren beschäftige.
Dazu sind sie zu vielschichtig und zu rätselhaft.