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Wédōra - Schatten und Tod


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(ET: 21.8.2017)

Kapitel I

Königreich Telonia, Baronie Walfor,
„Bleibt dicht zusammen.“ Vimith kniete auf dem Boden, presste eine Hand in den nassen Dreck. Am Nachmittag waren kräftige, kurze Schauer niedergegangen, die dem Waldboden Feuchtigkeit spendeten und ihn kühlten. Vimith spürte die Magie, die in der Erde pulsierte und lebte, ohne dass er sie einzuordnen vermochte. „Das wird kein Spaziergang.“
Um ihn herum standen die Sieben Krähen, dreißig Klingen stark, ihres Zeichens die beste Söldnertruppe von allen käuflichen Kriegern im Königreich Burgonn. Jeder und jede von ihnen trug eine andere Rüstung, auf der das Abzeichen der Einheit prangte. Sie waren von einem Mittelsmann angeheuert worden, um die verlorene Baronie Walfor im Nachbarreich Telonia zu erkunden und ihre Beobachtungen auf Karten einzuzeichnen. Ihre Pferde hielten sie an den Zügeln; sie waren an der Grenze zu Walfor abgestiegen.

„Was meinst du damit?“ Etmond, der glatzköpfige Anführer ihrer Einheit, kreuzte die Arme vor der breiten Brust, ohne die Leine loszulassen. Sein Rapphengst schnaubte. „Kein Spaziergang im Vergleich zu welchem unserer Einsätze?“

„Eines jeden.“ Vimith, ein ungewöhnlich filigraner Mann im Kreis der Söldner, verstand sich auf Magie, was im Gefecht ebenso von Vorteil war wie bei der anschließenden Heilung. Außer ihm verfügte von den Sieben Krähen noch Atha über ein magisches Grundwissen, das sich dafür eignete, aus Zauber gewobene Fallen aufzuspüren. Doch gegen Dämonen und andere mächtige Gegner wäre die junge Frau hilflos.

„Ist das nicht ein wenig dramatisch?“, erkundigte sich Listhan unbehaglich, der seine geringe Körpergröße durch Geschwindigkeit im Kampf wettmachte. „Hier lebt doch nichts und niemand mehr.“

„Nichts und niemand, den du sehen kannst“, verbesserte Vimith und erhob sich, rieb die schmutzige Hand am Fell seines Apfelschimmels ab, bis die Flammentätowierungen auf der Innenseite zum Vorschein kamen. „Ich habe die Magie gespürt, die verborgen unter unseren Füßen auf diesem Land tobt. Aber es ist keine Magie, wie ich sie kenne.“

„Sondern?“, verlangte Etmond zu wissen.

„Ich kann es dir nicht sagen.“ Vimith suchte nach passenden Worten. „Als kämpfte der Zauber eines Witgos gegen einen anderen, ohne dass sie an Kraft verlieren oder sich gegenseitig aufheben. Das genaue Gegenteil geschieht: Sie wirken aufeinander ein und verändern sich.“

„Wie kann das sein?“ Die dunkelhaarige Atha legte ihre Linke an das Bronzeamulett von Timera, der Göttin der Magie, das an einem Lederband eng um ihren Hals hing. „Ich dachte, Hexerei sei in Telonia verboten?“

„Das ist sie auch.“ Etmond bedeutete seiner Truppe, in die Sättel zu steigen, und schwang sich auf den Rücken seines Hengstes. Er richtete seinen Mantel und das Schwert, packte die Zügel und ließ den Rappen antraben. „Deshalb hat man uns angeheuert. Sie haben keine Witgos und Witgas mehr, die das übernehmen könnten, was wir tun sollen.“

„Das wird für uns nicht weniger zum Problem. Es ist eine unbekannte Art der Magie.“ Vimith stemmte sich auf sein Pferd, seine dunkelblonden Locken federten. „Ein mächtiger Fluch kam zum Einsatz, und ich vermute, er wurde von der Witga des Königs gesprochen. Aber er wird ununterbrochen von diesem zweiten Zauber attackiert, aufgehalten, umwoben.“

„Woher bezieht dieser Zauber seine Energie?“ Atha zeigte sich äußerst wissbegierig. Vimith bedauerte, dass sie niemals so gut sein würde wie er, weshalb er sie auch nicht weiter unterrichtete. Er wollte seine Zeit nicht verschwenden. Er hatte ihr einen Mèstre empfohlen, der sich auf das Erspüren und Errichten magischer Fallen verstand, aber sie war nach dem ersten Besuch bei ihm nicht sonderlich begeistert gewesen. Sie wollte eine Kämpferin, keine Entschärferin sein. „Müsste die Energie nicht längst aufgebraucht sein?“

„Es ist mir unerklärlich.“ Vimith sah besorgt zu Etmond. „Deswegen sagte ich: Es wird kein Spaziergang. Ringsherum lauert Gefahr. In allem, was uns umgibt.“

Der Anführer schaute durch die buntbelaubten Bäume hinauf zum aufklarenden Himmel. „Wir haben dich, Zauberkrähe. Du wirst uns vor Witgo-Flüchen bewahren. Unsere Schwerter und Pfeile erledigen den Rest, wie sie es zuvor auf den Schlachtfeldern taten.“

Die Männer und Frauen riefen ihre Zustimmung.

Vimith schwieg.

Auch Atha fiel nicht in den Schlachtruf der Truppe ein und rückte zu ihm auf.

„Mit welchen Angriffen rechnest du?“, raunte sie ihm zu. Sie rieb ihr Amulett, als würde sie auf das Erscheinen eines guten Geistes hoffen.

„Es ist vieles möglich“, sagte er ausweichend und zurrte den Helm über seinen Locken fester. „Es kann ein Dämon sein. Oder verhexte Natur. Oder magisch veränderte Tiere. Sei auf alles gefasst! Wir befanden uns bisher in keiner vergleichbaren Lage.“

Atha deutete ein Nicken an.

Die Sieben Krähen ritten schweigsam durch den lichten Wald, immer zwei nebeneinander und leicht versetzt, damit ein Geschoss aus dem Hinterhalt nie mehr als einen töten konnte. Es roch nach Moos und Pilzen, der Duft des Herbstes.

Etmond hatte bei Tagesanbruch vier Späher vorausgesandt. Neben ihm ritt der Kartograf, den ihnen ihr Mittelsmann mitgesandt hatte. Er glich ihre Position mit dem Stand der Sonne ab, berechnete die Geschwindigkeit der Truppe und machte gelegentlich Markierungen auf den Karten.

Vimith hatte von verschiedenen Expeditionen erfahren, die auf Geheiß des Königs von Telonia in die verlorene Baronie Walfor vorgedrungen waren und von denen man nie wieder etwas gehört hatte. Das verfluchte Land behielt, was einen Fuß daraufsetzte. Der Lohn für die Sieben Krähen fiel sehr hoch aus, um einen Anreiz zu schaffen.

Vimith blickte zum kahlen Etmond, der sich mit dem Kartenzeichner unterhielt. Der riesige Mann kannte keine Furcht, weder vor Hexerei noch einem irdischen Gegner. Das machte ihn umso anfälliger für Gefahren. Eine verlorene Schlacht zur rechten Zeit hätte ihn womöglich umsichtiger werden lassen, aber die Söldner eilten unter seiner Führung seit Jahren von Erfolg zu Erfolg, in wessen Diensten sie auch standen.

Vimith hegte die Befürchtung, dass sie sich in Walfor etwas würden stellen müssen, dem Etmond nicht gewachsen war. Und ich auch nicht.

Er neigte sich zur Seite und kramte zwei Almanache über Zauber aus fremden Ländern aus den Satteltaschen. Es musste möglich sein, die zweite Komponente in diesem magischen Konglomerat zuzuordnen. Da sie existierte, musste sie bestimmbar sein.

„Was glaubst du, wer unser Auftraggeber ist?“ Atha kehrte nicht in die Formation zurück. Sie band ihre dunklen Haare zu einem Zopf, der Helm saß auf dem Sattelknauf. Ihre mit Kettenringen und Eisenplatten verstärkte Lederrüstung klirrte leise. „Jemand, der sich die aufgegebene Baronie unter den Nagel reißen will, oder jemand, der die magische Kraft des Landes für seine eigenen Zwecke nutzen möchte?“

Solche Beweggründe interessierten Vimith nicht. Er blätterte die Seiten vor und zurück, um einen Hinweis auf die ihm unbekannte Magieform zu entdecken. „Wir bekommen unseren Lohn. Das genügt mir zu wissen.“

„Mir nicht.“

„Du bist eine Söldnerin. Benimm dich entsprechend.“

„Muss man das Denken denn dafür aufgeben?“

„Manches Mal ist das von Vorteil.“ Vimith schlug das Buch zu und wuchtete das zweite darüber. Lesen während des Reitens war anstrengend, unentwegt verrutschte er in den Zeilen.

Er wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn und fühlte Schweiß. Es war merklich wärmer geworden, obwohl sich der Herbst dem Ende neigte und die Nächte bereits Raureif brachten.

„Das ist seltsam“, sagte Vimith leise und richtete den Blick auf das braunrote Blätterdach über ihnen. Die Sonne schien, aber sandte kaum spürbare Wärme. Sie war nicht der Grund für den Temperaturanstieg.

„Vimith!“, rief Etmond aufgeregt von vorne. „Zu mir! Auf der Stelle!“

Vimith klappte den Almanach zu und hielt die Bücher fest, ließ seinen Apfelschimmel antraben und setzte sich an die Spitze der Söldnertruppe.

Der Anblick dessen, was sich vor ihm ausbreitete, war die Antwort auf seine stumme Frage, was sein Anführer von ihm wollte.

Der Waldweg führte aus dem Hain hinaus auf eine Brache, die einmal ein Feld gewesen war, wie Vimith an den Rändern erkannte, an denen sich letzte tapfere, dörrende Getreidehalme hielten. Hafer, vermutlich. Der Rest der Wiesen und Äcker hatte sich in eine hellbraune Sandlandschaft verwandelt, die eine starke Wärme abstrahlte. An manchen Stellen schwangen sich die Dünen mehr als hundert Schritte hoch, in einiger Entfernung lagerte schwarzsilberner Sand, dessen Oberfläche unheimlich wie die eines Sees schwappte und wogte. Nichts gedieh darauf, kein Baum, kein Strauch.

Der Kartograf betrachtete die Sandebene, berechnete ihre Position und suchte die Stelle auf der Karte. „Das ist nicht möglich! Im Umkreis müssten Felder, zwei Dörfer und eine Garnison sein.“ Er wies Vimith und Etmond die Stellen. „Da und da.“

„Nichts.“ Der Anführer der Sieben Krähen nahm sein Fernrohr und ließ den Blick über die Ödnis schweifen. „Diese Brache reicht mehr als vier Meilen in alle Richtungen.“

„Wo sind die Späher?“, warf Atha ein. „Hätten sie uns nicht in Kenntnis setzen müssen?“

Etmond setzte die Sehhilfe ab. „Weder Huf- noch Stiefelspuren.“

„Dann waren sie gar nicht hier?“ Die junge Söldnerin klang verwundert.

„Das hat er nicht gesagt.“ Vimith rutschte aus dem Sattel und trat an die Grenze zwischen Wald und Wüste. Erneut ging er in die Hocke und legte seine blanke Hand auf den Boden, erst auf den laubbedeckten Untergrund, dann behutsam auf die Körner.

Die unbekannte Kraft versuchte augenblicklich, Kontrolle über ihn zu erlangen und seinen Verstand zu vereinnahmen. Sofort riss Vimith die Finger vom Sand. Der knappe Kontakt reichte aus, um sowohl die Macht als auch die Gefährlichkeit zu erkennen.

„In diesem Bereich liegt der Ursprung der anderen unbekannten Magie. Sie ist stärker als der Fluch der Witga, der sie eindämmen sollte“, erklärte er nach einem erschrockenen Keuchen. „Niemand betritt die Wüste!“ Er richtete sich auf und sah alarmiert zu Etmond. „Sollten die Späher hineingeritten sein, sind sie verloren.“

„Schöner Dreck! Das war so nicht abgemacht“, erklang eine Stimme aus der Reihe der Söldner. „Was ist das für Sand?“

Etmond wandte sich im Sattel um. „Voial, wie lange bist du bei den Krähen?“

„Fünf Jahre.“

„Habe ich dich jemals in eine Gefahr geführt, die wir vorher nicht berechnen konnten?“

„Nein, Hauptmann.“

„Dann halt die Fresse! Sonst schicke ich dich vor, damit du nach den Spähern suchst.“ Etmond setzte das Fernrohr erneut vor sein rechtes Auge. „Wir umreiten den Sand und halten nach unseren Leuten Ausschau.“ Er schwenkte es hin und her. „Auf der anderen Seite!“, rief er unvermittelt. „Das ist Otrid!“

Vimith kniff die Lider zusammen, aber für ihn war der Späher nur ein winziger, sich bewegender Punkt. „Ist er schlau genug, um mit dem Spiegel Lichtzeichen zu geben?“

„Das kann er gerade nicht“, gab Etmond zurück und riss seinen Rappen am Zügel zur Seite. „Er rennt um sein Leben, wie es den Anschein hat.“ Der Anführer galoppierte los, am Rand der magisch erschaffenen Wüste entlang. „Krähen, mir nach! Und haltet Abstand zu dem verfluchten Sand!“

Vimith stieg in den Sattel und scherte in die Reihe ein, der Kartograf wurde nach hinten auf den Platz vor die Nachhut verwiesen. Ihm durfte nichts geschehen.

Die Einheit donnerte am Waldrand entlang. Wegen tiefhängender Äste mussten sie sich ständig bücken, keine Söldnerin und kein Söldner wich in das vermeintlich freie Gebiet daneben aus.

Vimith blickte nach links und suchte nach Otrid, aber sie befanden sich zu weit von dem Punkt entfernt, an dem der Späher gesehen worden war.

Etmond schaute erneut durch sein Fernrohr, aber der Mann schien zwischen den Bäumen verschwunden zu sein. „Er ist durch das Dickicht gesprungen.“

„Du hast noch nicht gesagt, was ihm folgte“, merkte Atha an.

„Das konnte ich nicht erkennen“, gab Etmond zurück. „Aber seinen Gesichtsausdruck werde ich in meinem Leben nicht vergessen.“

Unvermittelt krachte und splitterte Holz neben ihnen, und zwei große Hastuseichen rauschten nacheinander nieder. Sie fielen zwischen die Söldnerinnen und Söldner, teilten die Einheit in drei unterschiedlich große Gruppen auf.

Durch die aufragenden Äste sah Vimith kaum mehr etwas vom Rest der Truppe und bemühte sich, sein Pferd zu beruhigen und zum Stehen zu bringen.

Dann versuchte er, durch das gelichtete Unterholz zu erkennen, weswegen die dicken Eichen gefallen waren, doch es gab nichts und niemanden zu entdecken. Eine Attacke blieb aus.

„Umreitet die Stelle und nutzt dabei den Wald“, befahl Etmond mit lauter Stimme über das Durcheinander aus Wiehern und Fluchen. „Keiner betritt den –“

Ein hoher Schrei gellte über sie hinweg. Ein Schwall Rot spritzte hoch in die Luft, und das entsetzte Rufen mehrerer Söldner mischte sich mit dem Schleifen von rasch gezogenen Schwertern. Prasselnd landete der rote Schauer im Laub der Eichen und auf den Umstehenden.

Auch Vimith bekam etwas ab und roch: Blut! Er richtete sich im Sattel auf und erkannte den Grund für den grausigen Regen. Korelian hatte sein Tier nicht davon abbringen können, vor Schreck in die Wüste abzudrehen. Der Kopf des im Sand versinkenden Schimmels ruckte hin und her, als versuchte das Pferd, sich aus dem tückischen Untergrund zu befreien. Korelian musste bereits versunken sein, die Stelle hatte sich glitzernd-feucht-rot verfärbt. Blutfontänen quollen jäh hervor, und ruckartig wurde der Schimmel unter die Oberfläche gezogen.

„Seht ihr, was passiert?“, rief Etmond und lenkte seinen Rappen weg von den Wüstenausläufern ins leichte Unterholz. „Reitet durch den Wald, Krähen, und sammelt euch hernach bei mir! Folgt meinem Zeichen!“

Die Truppen setzten sich in Bewegung, vorbei an den ausladenden Stämmen der Eichen und ins Dickicht. Ihre Stimmen wurden leiser, das Trappeln der Hufe sowie das Klirren des Reitgeschirrs entfernte sich – und verklang.

Etmond sah zu Vimith. „Nutze den Hexspruch, mit dem wir uns sonst in der Nacht finden. Gib ihnen was, an dem sie sich orientieren können.“

Vimith sprach die Silben einer Formel, die in absoluter Finsternis dafür sorgte, dass sich die Einheit als schimmernde Umrisse erkannte, um Freund von Feind zu unterscheiden. Damit war es leicht, Hinterhalte in mondlosen Nächten ohne Fackel und Lampe zu legen. Mit einer auslösenden Handbewegung vollendete er den Zauber.

Dann war es totenstill.

Außer Etmond, Vimith und Atha waren Listhan, Voial und Gaïna in der Gruppe verblieben. Ein jeder von ihnen saß stocksteif im Sattel und spähte in den Wald.

Kein Windhauch ließ das rotgefärbte Laub rascheln, nur das gelegentliche Schnauben der Pferde durchbrach die Abwesenheit der Töne.

Vimith betrachtete den gesplitterten Stamm einer Hastuseiche. Es hatte den Anschein, als habe feiner Sand das Holz im Inneren ersetzt. Die verbliebene dünne Ummantelung, Borke und Rinde, waren unter dem Gewicht der Baumkrone gebrochen.

Die Wüste kriecht im Boden voran, dachte er beunruhigt. Sie breitet sich im Wurzelwerk aus, wird aufgesogen und durchsetzt die Pflanzen. Die eindämmende Wirkung des Witga-Zaubers verliert seine Macht.

„Wohin sind sie?“, flüsterte Atha, die sich einhändig den Helm aufsetzte und ihn mit dem Riemen festschnallte. „Es ist, als wären sie vom Rand einer Klippe gestürzt oder Hunderte Meilen von uns weg geritten.“

Gemeinsam hielten sie Ausschau nach den flirrenden Schemen im Dickicht.

„Sie … sie sind weg?“, kam es verwundert über Athas Lippen. „Oder sieht sie jemand von euch?“

Keiner gab ihr Antwort.

Dann rief Gaïna abrupt: „Zur Rechten! Vier, nein, fünf schimmernde Silhouetten!“

„Das können sie unmöglich sein“, gab Listhan zurück. „Die sind zu groß und –“

„Hier drüben“, machte Voial aufmerksam. „Ich zähle … elf! Elf weitere Schemen. Aber auch die sind … Halbriesen oder andere Bestien!“

„Was immer sie sind: Sie kesseln uns ein.“ Etmond zog sein Schwert. „Weg hier! Brechen wir durch!“ Er stieß dem Rappen die Sporen in die Seite, und der Hengst preschte los. Erde und Laub wirbelten unter den Hufen hin die Höhe.

Der kleine Rest der Sieben Krähen jagte ihrem Hauptmann hinterher, ohne noch einmal nach dem Schicksal der Verschwundenen zu fragen. Es ging ums nackte Überleben.

Ich fürchtete, Etmond will kämpfen. Vimith sah beim wilden Ritt durch das Unterholz zu den flimmernden Umrissen, die etwa vier Schritte hoch und ganz und gar nicht menschlich waren. Die vorbeifliegenden Stämme verhinderten einen unmittelbaren Blick auf die Kreaturen, von denen ihnen eine unweigerlich den Weg abschneiden würde.

„Achtung, bereithalten!“, gab Etmond Anweisung. „Wenn es sich vermeiden lässt, umreitet ihn. Sollte einer von uns gepackt werden, greifen wir –“

Der hünenhafte Gegner brach aus dem Schutz der Bäume und baute sich auf dem schmalen Pfad zwischen Wüste und Dickicht auf.

Das Grauen packte gleichermaßen Vimiths Verstand und Herz. Weder hatte sich der Erkennungszauber getäuscht noch umgaben sich die Angreifer mit Hexerei: Das Monstrum bestand aus den Torsi und Gliedmaßen der Sieben Krähen, als hätte ein verrückter Gott die Söldner in grobe Einzelteile zerrissen, sie zusammengesteckt und verknetet, um im Anschluss der neuen Kreatur Leben einzuhauchen.

Zwei Dutzend Arme schwangen Schwerter und Schilde, sechs ineinander montierte Beine trugen den kolosshaften Leib, und überall rann das Blut in Strömen über blanke Haut, Lederfetzen und Rüstungsstücke.

***

Wédōra, Prachtviertel

Tomeija korrigierte den Sitz ihrer Schutzmaske und lehnte sich gegen den brausenden Wind, der durch die breiten Straßen des Viertels tobte. Gegen die schmirgelnden Sandkörner hatte sie einen leichten hellen Mantel um ihren schlanken Leib geschlungen, ihre Hände steckten in dünnen weißen Lederhandschuhen. Doch die unsteten Böen fanden immer Wege, die winzigen Körnchen unter den Stoff und die Maske zu blasen.

Der Kara Buran, der Schwarze Sturm, hatte sich über Sonnen hinweg weder gesteigert noch war er abgeschwächt. Er hielt die Bewohner der riesigen Stadt in seinem Bann und gewährte ihnen nur gelegentlichen Ausgang, und das unter erschwerten Bedingungen.

Die Maske, die Tomeija trug, bestand aus geschliffenem Hartglas, in das wabenartig Draht eingelassenen war. Sie wurde nach Art einer Fechthaube getragen und erlaubte Tomeija, ihre Umgebung wahrzunehmen. Ihr Gesicht lag geschützt hinter dem durchsichtigen Material, der Sand prasselte dagegen und vermochte ihm nichts anzuhaben.

Verfluchter Wind. Er könnte endlich nachlassen. Tomeija befand sich auf dem Rückweg vom Driochor-Tempel in der Nordvorstadt, wo sie ihr tägliches Gebet verrichtet und sich mit Berizsa besprochen hatte. Die Doravo bereitete Tomeija darauf vor, die Aufgabe der Hohepriesterin zu übernehmen.

In ihrer alten Heimat war Tomeija niemals besonders gläubig gewesen und hatte den Göttern lediglich die verlangten Opfergeschenke dargebracht. Aber in Wédōra hatte sich ihre Einstellung geändert. Gelegentlich überkamen sie Visionen von Driochor, der ihr mächtige Kräfte prophezeite, und so zweifelte sie nicht mehr daran, dass sie berufen war, als Nächste das Amt der Hohepriesterin zu bekleiden. Und lange würde Berizsa nicht mehr leben, wie sie bisweilen unaufdringlich anmerkte. Ihre metallbeherrschende Gabe, die viele Menschen aus Doravo traf, forderte ihren Tribut. Daher nutzte Berizsa jede Möglichkeit, um Tomeija zu unterrichten.

Weit ist es nicht mehr bis nach Hause. Sie zog den Waffengurt um ihre Hüfte enger, damit er den Mantel dichter verschloss. Ihre langen graugefärbten Haare wehten wie eine Standarte hinter ihr aus der Maske.

Tomeija hatte die Zeit im kleinen Tempel genossen, zwischen den Wänden aus schwarzem Marmor, darauf die kunstvollen Zeichnungen ihres Gottes, der aus einem Skelettleib bestand, mit Klauen und spitzen Zähnen und der überlangen Knochenschleppe. Das Licht im Innern wirkte durch die kleinen, bemalten Fenster und die hauchdünnen Silbereinlagen stets mystisch.

Viele Anhänger hatte der Gott Driochor nicht, vor allem deshalb, weil der Herrscher der Stadt die Ausübungen eines jeglichen Kultes erschwerte. Doch die Mutigen, die sich in den winzigen Tempel wagten, sollten belohnt werden und jemanden dort vorfinden.

Diese Maske ist jede Münze wert. Tomeija hatte das Artefakt bei einem Edelsteinschleifer im Goldenen Viereck entdeckt und erstanden. Es war nur für reiche Menschen erschwinglich gewesen, aber sie besaß Münzen im Überfluss. Ihr Lohn für die Heldentat, Wédōra vor der Einnahme durch die Umstürzler aus Thoulikon bewahrt zu haben, war üppig ausgefallen. Als Dreingabe hatte es vom Herrscher ein sechsstöckiges Haus im Prachtviertel gegeben, das sie zusammen mit Liothan bewohnte, ihrem Freund aus Kindertagen. Sie weilten erst seit kurzer Zeit in der Stadt, und in diesem Palast ließ es sich durchaus gut leben.

Trotz des surrenden Windes hörte Tomeija ein Krachen zu ihrer Linken.

Was war das?

Sie wandte den Kopf.

In einer Seitenstraße schwang eine Dienstbotentür in den Böen vor und zurück. Sie musste von der Naturgewalt aufgedrückt worden sein, und die Bewohner des herrschaftlichen Anwesens hatten es noch nicht mitbekommen. Das bedeutete, dass sich der Sand im Innenraum bald kniehoch auftürmen würde. Ein boshafter Gruß des Kara Buran an die Unachtsamen.

Tomeija schwenkte in das Gässchen, um die Besitzer zu warnen.

Wie ich es mir dachte. Die dunklen und hellen Körnchen bewegten sich in Schlangenlinien flink vorwärts und zwängten sich hurtig durch den Eingang, als wüsste der Schwarze Sturm um jede Schwachstelle und würde seine Armee lenken. Wédōra hielt ihm seit zweihundertfünfzig Siderim stand, mal mit großen, mal mit geringen Schäden an den Gebäuden.

Tomeija verweilte auf der Schwelle und blickte ins Halbdunkel, nahm die Maske ab, um sich besser verständlich zu machen. Laut pfiff und säuselte der Wind durch den Spalt. „Jemand zu Hause?“, rief sie. „Hier steht die Tür offen.“

Knöchelhohe schwarzgraue Dünen hatten sich bereits auf dem bunt gemusterten Fliesenboden des Raumes gebildet, bei dem es sich um die Bediensteten- und Sklavenküche handelte. Die Einrichtung und Auswahl an Kochutensilien verdeutlichte den Reichtum der Besitzer.

An einigen Stellen blieb der Sand auf den Kacheln haften. Als sich ihre Augen an das Zwielicht gewöhnt hatten, erkannte Tomeija dort große, dunkle Flecken: Lachen und Spritzer einer rötlichen Flüssigkeit.

Die umherliegenden Menschen auf der Treppe, dem Tisch und neben der Feuerstelle ließen sie darauf verzichten, erneut nach den Bewohnern zu rufen. Ein grausames Verbrechen war geschehen, und der oder die Täter mochten noch im Haus sein.

Angesichts des Überfalls verfiel Tomeija in die Besonnenheit, welche sie zur besten Ordnungshüterin in ihrer Heimat gemacht hatte. Ruhig. Ruhig und achtsam sein.

Sie machte einen Schritt hinein und stellte sich an die Wand neben die Tür, ohne sie zu schließen, damit weiterhin Licht hineinfiel. Die hellen und dunklen Körnchen ließen sich auf den Leichen nieder und verwandelten sie in Sandskulpturen, verbargen Kleidung, Haut und Verletzungen.

Lebt noch jemand? Langsam zog Tomeija ihr Schwert, um auf einen Angriff vorbereitet zu sein. Ich muss nachschauen, ob ich helfen kann.

Plötzlich flog aus dem dunkleren Teil der Küche etwas auf sie zu.

Sie duckte sich unter dem Geschoss weg und schlug gleichzeitig danach.

Die Klinge zerteilte etwas, Tröpfchen trafen sie an Schulter und Brust. Neben Tomeija landeten zwei Teile eines ausgerissenen Unterarms.

In diesem Moment traten zwei Gardisten durch die Dienstbotentür; der offene Eingang hatte wohl ihr Misstrauen geweckt. Sie sahen Tomeija, einer riss daraufhin das Schwert aus der Hülle, der andere griff nach seiner Alarmpfeife, und einen Atemzug darauf tönte das zweitönige Schrillen durch den Raum, die Gassen und den Sturm.

„Runter mit der Waffe!“, befahl die vordere Wache, vom Rang her ein Nakib, und richtete die stählerne Schwertspitze auf Tomeija.

Sie wehrte sich nicht. „Sicher, Nakib.“ Sie senkte das Schwert, ohne es zu verstauen, und stemmte die Maske mit der anderen Hand lässig in die Seite. Ich muss ruhig bleiben. „Ich weiß, wonach es aussieht. Aber der wahre Täter ist dort hinten. Neben dem Feuer.“

Zwei weitere Gardisten rannten herbei und betraten den Raum, in dem die zweite Wache eine Lampe entzündete und umherleuchtete.

„Da ist wirklich jemand“, meldete der Mann und hielt die Blendleuchte so, dass der Strahl auf ein Mädchen im Alter von etwa zehn Siderim fiel. „Das soll die Mörderin sein?“

Die Wachen fachten weitere Lampen an, die an der Decke und den Wänden hingen, und verschafften sich einen Überblick. Sie betrachteten die Leichen und deren schwere Wunden, in denen sich unentwegt Sand niederließ und sich mit Blut vollsog. Als ehemalige Scīrgerēfa wusste Tomeija, dass nur ein überaus kräftiger Erwachsener solche Hiebe austeilen konnte.

Das Mädchen saß neben dem Feuer, von oben bis unten mit Ruß beschmiert, und starrte zu ihnen hinüber. „Sie war es!“, rief es mit Angst in der hellen Stimme und deutete auf Tomeija. „Sie hat meine Familie getötet!“

Tomeija nahm die Kleinigkeiten in dem großen Zimmer wahr, prägte sich die Lage der Toten ein und merkte sich so viel, wie es ihr möglich war. Schock oder abgekartete Sache? „Ich will eine Untersuchung“, sprach sie ruhig.

„Die zu was führen soll?“, setzte der Nakib nach. „Wenn du mich fragst, ist offensichtlich, was geschah.“

„Ich bin gespannt“, gab Tomeija besonnen zurück. „Erkläre mir meine angebliche Tat.“

„Du wolltest den Sturm als Deckung für dein schändliches Tun nutzen und hast dir Zugang verschafft.“ Er zeigte auf die Leichen. „Sie waren im Weg und wurden von dir getötet. Danach sollte dein Raubzug im Haus beginnen.“

„Und das Kind habe ich übersehen?“, warf Tomeija lächelnd ein.

„Ich habe mich mit Asche getarnt, damit sie mich nicht entdeckt“, rief das Mädchen dazwischen. „Gleich, nachdem sie hereinkam und uns überfiel.“

„Da haben wir die Lösung“, sagte der Nakib. „Ich habe keinen Grund, in dir eine Unschuldige zu sehen.“ Er zeigte auf Tomeijas Schwert, dessen Gravuren sich mit hinabrinnenden Blut füllten. „Das stammt von den Opfern. Sogar deine Kleidung weist Spuren auf. Überall sind Spritzer und Schlieren. Wie kann ich da nicht annehmen, dass du die Mörderin bist?“

Tomeijas kühler Verstand ließ sich von den Umständen nicht ablenken. Das Aufklären kapitaler Missetaten hatte zu ihren Aufgaben als Scīrgerēfa gehört. Die Kleinigkeiten, die im hellen Schein der Laternen sichtbar wurden, erzählten eine gänzlich andere Geschichte als die des Gardisten.

„Nakib, sage mir: Warum ist das Mädchen nicht weggerannt?“, fragte Tomeija freundlich. „Die Tür stand offen. Sie hätte an mir vorbei ins Freie flüchten und Hilfe holen können, während ich vorgeblich Menschen abschlachtete.“ Sie zeigte auf den gegenüberliegenden Ausgang, der in einen Flur führte. „Oder sie hätte sich im Haus verstecken können. Aber sich umständlich mit Ruß und Asche einreiben? Hätte ich das nicht mitbekommen müssen? Zumal das Feuer noch brennt. Sie hätte sich verletzen können.“

Das Kind funkelte sie böse an, was durch das geschwärzte Gesicht durchdringend wirkte.

„Dann warf das Balg den Arm nach mir, damit ich danach schlage und einen Beweis gegen mich erschaffe.“ Tomeija senkte die abgerundete Spitze ihres Schwertes und deutete auf die zerteilte Gliedmaße auf dem Boden, die bereits von Sand bepudert war. „Wie du siehst, tritt kaum mehr Blut aus. Das bedeutet, dass die Leiche entweder schon älter ist oder ihren Arm früher einbüßte.“

Der Nakib stemmte die Hände in die Hüften und wirkte überfordert. „Das bedeutet jetzt was?“

„Dass es sich um eine Falle handelt. Denn die anderen Toten“ – Tomeija nutzte ihre Klinge wie einen Zeigestab – „sind ebenfalls vor einer Weile verschieden. Das Blut ist absichtlich verschüttet worden und stammt vermutlich von einem geschlachteten Tier.“

„Du willst mir sagen, dass die Leichen nicht frisch sind?“, fragte der Nakib verwundert.

„Sieh dorthin, wo man noch Haut unter dem Sand erkennen kann: Totenflecke. Sie erscheinen erst längere Zeit nach dem Ableben.“ Tomeija ging langsam zwischen den liegenden Körpern umher – bis sie blitzschnell zutrat und einem männlichen Opfer die Stiefelspitze zwischen die Rippen bohrte. „Außer bei ihm.“

Der vermeintliche Tote, der das prächtige Gewand eines Hausherrn trug, gab ein Stöhnen von sich und krümmte sich unter Schmerzen.

„Ein putzmunterer Leichnam.“ Tomeija setzte ihm die Sohle auf die Stirn und legte das abgerundete Schwertende an seine Kehle. „Dein Atmen hat dich verraten. Und die falsche Wunde an deiner Kehle ist von Stümpern gemacht. Du bist hier, um das Mädchen vor mir zu schützen, falls ich ihr etwas angetan hätte, bevor die Gardisten kamen, habe ich recht?“

Er nickte vorsichtig, um keinen Schnitt zu riskieren.

„Alte Leichen, ein falscher Toter, ein Lügenmädchen. Welches Schauspiel geht in dieser Küche vor?“

„Oh“, machte der Nakib und kratzte sich am Kinn. „Das ist … wirklich verwunderlich.“

„Noch verwunderlicher ist, dass du kein Gardist bist. Weder du noch deine Freunde“, entgegnete Tomeija, ohne ihre Waffe vom Hals des Unbekannten zu nehmen. „Es fiel mir erst spät auf, sonst hätte ich mich nicht mit dir abgegeben.“

Der Nakib grinste abrupt. „Verdammt noch eins! Was hat uns verraten?“

„Die Alarmpfeife. Dein Kumpan blies nicht mit ganzer Kraft hinein, und doch erschien die Verstärkung trotz des Kara Buran unglaublich schnell.“ Tomeija lachte leise. „Ihr müsst bessere Ohren haben als ein Wachhund. Dann deine Anrede und dein Verhalten mir gegenüber. Wir befinden uns im Prachtviertel. Selbst wenn ich eine Mörderin wäre, hättest du aufgrund meiner Kleidung und der sehr teuren Sandsturmmaske davon ausgehen müssen, dass ich eine höherstehende Person bin, die man respektvoll ansprechen muss.“ Tomeija versuchte unterdessen, für sich selbst zu einer Erklärung zu gelangen. Ein Komplott gegen sie und ihren Freund Liothan? Sollte sie unter dem Vorwand einer Inhaftierung entführt werden? Waren die vier und das Mädchen Teil der Verschwörung aus Thoulikon, die nach Rache trachteten? „Inszenierte Morde, ein Bewacher für die falsche Zeugin, vier Wachen, die keine sind“, fasste sie zusammen. „Jemand, der weiß, dass ich diese Strecke häufig gehe, wollte mich in die Falle locken.“ Tomeija verstärkte den Druck auf den Griff, wodurch sich die Schwertspitze leicht in den Hals des Liegenden bohrte. „Was kommt als Nächstes? Greift ihr mich an?“

„Nein! Nein, greift sie nicht an“, krächzte der Mann unter ihrem Stiefel. „Bitte, tut das nicht!“

„Also wolltet ihr mich angreifen.“ Tomeija ließ das Mädchen nicht aus den Augen, dessen Ausstrahlung ihr viel zu erwachsen vorkam. „Und natürlich wisst ihr genau, wer ich bin.“ Sie ging in die Knie, legte die Maske ab und zog eine feine Nadel aus dem Umschlag des Handschuhs. Sie steckte dem Liegenden das dünne Metall seitlich in den Nacken. Damit war sein Maìluon blockiert, er würde sich nicht bewegen können. „Versucht es.“ Dann erhob sie sich und verstaute das Schwert, um ihre langen grauen Haare zu verknoten und weitere Nadeln zu zücken. „Mehr als dies brauche ich nicht. Driochors Beistand habe ich obendrein.“

Die vier Gegner sahen sich unschlüssig an.

Tomeija nutzte den Moment – sprang und schob dem falschen Nakib die dünne Nadel durch den oberen Nackenmaìluon und lähmte seine Bewegungen. Ohne ihren Befehlshaber würden die verbliebenen drei Gegner an Selbstsicherheit verlieren. Leichteres Spiel für mich.

Der Nakib brach zusammen, die Augen angstvoll aufgerissen. Er verstand nicht, weswegen sein Körper keine Befehle mehr von seinem Verstand annahm und er zum nutzlosen Herumliegen verdammt war.

Bevor sich Tomeija um die restlichen Gegner in der Gesindeküche kümmern konnte, schob sich ein weiterer, schwer gepanzerter Widersacher durch den Hintereingang herein.

Die schwarzen und blauen Muster waren meisterlich in die gravierte Lamellenpanzerung aus poliertem Stahl geätzt; kleine Schilde saßen an den Unterarmen, an seinem Wehrgehänge trug er eine Auswahl von Klingen und Wurfgeschossen, die teils in die Rüstung eingepasst waren. Der Helm mit dem geschlossenen Visier zeigte ein Puppengesicht.

Ein Dârèmoi!

 Gegen die Leibgarde des Dârèmo, um die sich etliche Legenden rankten, käme sie mit ihren Nadeln nicht weit...

... wie es mit allen weitergeht, das findet sich in >>>Wédōra-Schatten und Tod<<< (ET: 21.8.2017).  Und dort ist auch zu finden, wie es Liothan geht...