25.12.2011 00:19 Alter: 2 yrs

MONO-Pol!

Schöne Festtage!


Zur Weihnachtszeit dachte ich mir, ich schreibe was Besinnliches.

Menschen, die bei meiner Weihnachtslesung waren, kennen die Story bereits.

 

SCHÖNE FESTTAGE!!!!

 

MArkus HEiTz

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MONO-Pol

 

Der Nikolaus fröstelte, zählte seine Rentiere und fluchte, weil der Wind Eisklümpchen und Schnee gegen ihn prasseln ließ.

Der Weihnachtsmann, sein Vorgänger, hatte sich seit Jahren eine Kabine für das Gefährt vom Christkind gewünscht, aber bislang vergebens. Einen kleinen Spoiler, damit er die Geschenke noch schneller austragen konnte, mehr gab es nicht. Und die Rentiere waren schon tiefergelegt, der Schlitten aerodynamisch modifiziert.

Schnell kehrte er in das große Iglu zurück, wo das Christkind und Knecht Ruprecht bei Feuerzangenbowle zusammen saßen.

Ruprecht hatte schon vorgeglüht und summte „Ihr Kinderlein kommet“, kippte mehr Rum in die Glasschale, unter der ein Brenner kokelte.

„Sagt mal, wer von euch hatte eigentlich die schlechte Idee mit dem Nordpol?“, fragte der Nikolaus in die Runde.

Das Christkind schlürfte laut an der Tasse und biss in einen Keks. „Die Amis“, nuschelte es.

„So, die Amis. Und wenn die Amis der Meinung sind, der Nikolaus kommt vom Äquator, dann ziehen wir alle um, oder was?“, fauchte er es an. „Anstatt der Rentiere …“

„ … bindest du Gnus davor. Sie sind bestimmt kräftiger“, vollendete das Christkind. „Man muss die Menschen dort abholen, wo sie stehen. Ich meine, keiner glaubt mehr an Gott. Wir können froh sein, dass wir unseren Job noch haben.“ Es schaute zu Ruprecht.

Er winkte mit der Rute und trank den Rum aus der Flasche. „Waren das nicht die Skandinavier? Die Norweger? Die Sache mit dem Nordpol?“

„Ist doch egal“, grummelte der Nikolaus. „Eigentlich bin ich ja Türke. Ich habe nichts gegen Wärme.“

„Das wissen wir doch. Und ich hätte auch nichts gegen einen Weihnachtsdöner anstelle der Gans. Ehrlich“, meinte das Christkind friedvoll.

„Baumkuchen“, grölte Ruprecht.

„Was?“, machte Nikolaus irritiert.

„Er sagte Baumkuchen“, wiederholte das Christkind herzallerliebst.

„Das habe ich verstanden.“

„Nee. Haste nicht. Ich meine wegen des Rollens“, erklärte Ruprecht mit schwerer Zunge und kicherte. „Baumkuchen ist Weihnachtsdöner. Nur in süüühüüß!“

„Herrgott, Maria und Josef. Hör auf zu saufen!“, fuhr er ihn an.

„Wieso? Ich bin doch der Bööööse. Ich darf auch Alkoholiker sein“, gab Ruprecht beleidigt zurück und sackte zusammen. „Meinst du, es macht Spaß, immer der Arsch zu sein?“ Er fuchtelte mit den Armen. „Hoooo, der liebe Nikolaus, den alle gerne haben. Und fürs Bestrafen ….das tut meiner Seele“, er pochte sich mit der Rumflasche gegen die Brust, „auch nicht gut.“ Er schniefte.

„Kuschel doch mit den Pinguinen“, grummelte der Nikolaus.

„Wir sind am Nordpol. Da hat es keine“, warf das Christkind klugscheißerhaft wie immer ein. „Alles bereit?“

„Ja.“

„Schön verpackt und sortiert? Du musst pünktlich sein. Letztes Jahr war es ein bisschen knapp, alter Mann, und wenn die Russen keinen anderen Kalender hätten, hätte Putin dir den Krieg erklärt. Seit Väterchen Frost wegen des gepanschten Wodkas ausgefallen ist, musst Du eben noch mehr ran.“ Das Christkind zwinkerte. „Nur ein Scherz.“

„Nikolaus ist langsam, Nikolaus ist langsam“, stänkerte Ruprecht und nahm wieder einen Schluck Rum.

„Ich bin nicht langsam. Aber... diese Dreifachbelastung ist nicht eben leicht.“

Christkind blies über die Bowle und leerte sie auf Ex, bekam eine neue gereicht. „Ich gehe dir doch zu Hand. Zuerst Väterchen Frosts Exitus, und seit der Weihnachtsmann bei einem PR-Termin vom Cola-Truck überfahren wurde, ist das Personal eben knapp. Da musst du am 6. und am 24. ran. Und im Januar bei den Russen.“

Ruprecht kicherte. „Hier, Goldlöckchen, du hast es fein. Einmal im Jahr, und dann noch Primetime, und dann Füße hochlegen. Der alte Nikolaus hat gar nicht bemerkt, wie du ihn bei den Deutschen, den Ösis und den Schweizern ausgebotet hast.“

Nikolaus sah seinen Helfer an. „Wie meinst du das?“

„Er ist betrunken“, säuselte das Christkind. „Bowle, mein Lieber?“

„Na, wer kam denn früher mit den Geschenken, hä? Nicht das Christkind! Du.“ Er warf die leere Rumflasche weg. „Der Weihnachtsmann hatte dich bei den Amis abgehängt, und du durftest nur noch am 6.12. raus. Ohne den Unfall vom Weihnachtsmann wärst du ein Nichts. Im Vergleich zum Christkind.“ Er rülpste. „Und das ist nicht mal das ChristUSkind. Gegen den Sohn vom Boss könnte man ja nix sagen, aber gegen eine Putte?“

„Hey! Vorsicht! Ich bin immerhin ein Engel!“ entrüstete es sich samten.

„Aber kannst du übers Wasser gehen? Nee. Kannste nich!“ Ruprecht sank auf einen Stuhl und versuchte, sich noch mehr Feuerzangenbowle einzugießen.

Die peinliche Stille wurde durch das Räuspern des Christkinds durchbrochen. „Nikolaus, eine Sache. Wir haben in der Zentrale ein paar Reklamationen bekommen. Es gab Kinder, die ihre Geschenke erst am 7.12. bekamen, und …“ Es zog eine Grimasse.

Nikolaus hatte die Faxen. „Was? Was ist mit den undankbaren Gören?“

„Nun, Nikolaustag ist am 6.12.. Es ist eben merkwürdig, wenn es einen Tag … zu spät ist.“ Es lächelte friedensnobelpreisverdächtig.

„Also soll ich schon am 5.12. ausrücken oder wie?“

Das Christkind rümpfte das entzückende Näschen. „Machst du das nicht schon? Ich dachte …“

„Nein. Alle, die ihr Geschenk vom 5. auf den 6. bekommen, werden von ihren Eltern reingelegt“, sagte er schmollend. „Du kommst auch nicht vom 23. auf den 24. oder?“

„Was hat das denn damit zu tun?“

„Dass ich von dir eben nicht verlange, deine Flügel anzuschnallen und dich am 23. schon auf die Erde zu bewegen.“ Nikolaus stapfte zur Schüssel, setzte sie an und leerte sie in einem Zug, ohne auf den Protest von Ruprecht zu achten.

„Schön, dass wir das besprochen haben. Du weißt Bescheid“, sagte das Christkind fluffig wie Zuckerwatte.

Er schwieg, seine Laune wurde immer schlechter. „Weißt du was?“, sagte er dann. „Ich streike.“

„Bitte?“

„Ich streike.“ Er zeigte durch das Fenster des Iglus. „Siehst du das Wetter? Ich starte nicht eher, bis ich meine Kabine für den Schlitten habe.“

Das Christkind zog eine Schnute. „Ich bin dein Boss, Nikolaus, und ich sage dir, du düst sofort los und fährst die Geschenke vom Weihnachtsmann aus!“

„Eine Muh, eine Mä, eine Täterätä!“, juchzte Ruprecht.

„Du kannst mich mal, Goldlöckchen.“ Nikolaus setzte sich. „Kabine oder nichts.“

„Ach ja?“ Christkind kam näher, die Stimme klang drohend.

„Ach ja!“ Nikolaus erhob sich.

Es lag Gewalt in der Luft.

Das Christkind schubste zuerst, der Nikolaus schubste zurück.

Wie es genau kam, wusste man hinterher nicht mehr. Die Schlägerei tobte hin und her, durchs Iglu.

Jedenfalls lag das Christkind am Ende mit einem Zuckerhut in der Brust tot auf dem Tisch, und der Nikolaus war mit der Glasschüssel der Feuerzangenbowle erschlagen worden.

Knecht Ruprecht erhob sich. Stocknüchtern. Und er sah mit einem Lächeln auf die Leichen der beiden.

Niemand wusste, dass er am Steuer des verhängnisvollen Cola-Trucks gesessen hatte.

Niemand wusste, dass er Väterchen Frosts Wodka gepanscht hatte.

Niemand wusste, dass er den ganzen Abend nur Apfelsaft trank.

Und niemand hatte bemerkt, dass er mit seinen Sticheleien und Manipulationen für den Ärger im Iglu sorgte.

Er zog dem Christkind die Lockenperücke vom Kopf und stülpte sie sich über, danach schlüpfte er in den Mantel vom Nikolaus und nahm einen Schluck aus der Pulle mit dem guten Wodka, die einst Väterchen Frost gehört hatte.

Endlich, nach Jahren der Vorbereitung und Intrigen, hatte er das Monopol!

Und Mono-pol war keine Ortsangabe.


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