LESEPROBEN zu

"Gottes Engel"

Auszug 1


ADL, Bexbach (Sox), 08. 03. 2058 AD, 15:34 MEZ
Ennis Atem ging schnell.
Die Läuferin rannte über die freie Fläche, hastete an Häuserruinen vorbei und warf sich hinter einem umgestürzten Betonpfeiler in Deckung. Die Plexiglasscheibe ihres Chemo-Schutzanzugs beschlug ständig mehr und erschwerte ihr die Sicht wie in einem Nebelfeld.
Dafür hielt er ihr Substanzen vom Leib, die sie gewiss nicht gebrauchen konnte. Die Unterarmausführung des Geigerzählers piepste passenderweise warnend, die radioaktive Verseuchung ihrer Umgebung befand sich im Steigen.
‚Na, wunderbar.' "Soll ich weiterrennen?", keuchte die junge Frau. Das Kehlkopfmikrofon übertrug ihre Frage an den unsichtbaren Partner, der im Gegensatz zu ihr in einer sicheren Umgebung saß.
Unwillkürlich bewegte sich der rechte Arm nach oben, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen, der zwischen Brauen entlang rann und in den Augen brannte. Mit einem gedämpften Geräusch prallte der Handrücken gegen das Kopfteil des Schutzanzuges. ‚Shit. Das war wirklich dämlich von dir, Enni.'
Ein Reinigen des Sichtfensters war nicht möglich. Die nukleare Kontamination um sie herum verhinderte ein kurzfristiges Ablegen des Schutzes, es sei denn sie wollte riskieren, strahlende Staubpartikel in der Lunge zu haben.
"Ja, bitte, Frau Gerlach", kam die Anweisung über Funk. Der Sprecher mit dem schwedischen Akzent wirkte etwas abwesend, als sei er zugleich mit anderen Dingen beschäftigt.
"Und wie lange?"
"Sie werden merken, wenn Sie am Ziel sind, Frau Gerlach. Ich kann Sie beruhigen, Ihre Vitalwerte sind einwandfrei."
"Die Strahlung macht mir ein wenig Sorgen", beschwerte sie sich indirekt.
"Sie sind sicher, Frau Gerlach", beschwichtigte der Mann am Gegensprechgerät. "So lange Sie kein Loch oder keinen Riss in den Anzug bekommen, kann Ihnen der Fallout nichts anhaben."
Fluchend stemmte sie sich in die Höhe und hetzte los, spurtete die ansteigende Straße hinauf und näherte sich laut des Wegweisers den demolierten Überbleibseln des Bexbacher Rathauses. Mehrere große Einschusslöcher und der Grad der Zerstörung wiesen darauf hin, dass sich Panzer an den Mauern versucht hatten.
"Hier haben die Truppen schon oft Übungen gemacht, oder?", erkundigte sie sich. "Sieht nicht sehr gut aus hier."
"Sie befinden sich in der Sox, da sieht nichts gut aus", merkte der Funkpartner an. "Soll ich Ihnen zwischendurch einen Joke erzählen?"
"Nicht schon wieder Witz über Elche, Dr. Gud", stöhnte Ensuela auf und stolperte über ein Hindernis am Boden, das sie wegen der angelaufenen Scheibe nicht sah.
Sie machte einen Ausfallschritt, um nicht zu stürzen, als rechts neben ihr ein Mensch mit Gasmaske aus einem Hauseingang sprang, eine große Faustfeuerwaffe in den Händen.
"Kontakt, Dr. Gud." Die Läuferin nutzte den gemachten Schritt, um sich blitzartig abzuknien, die Walther Secura zu zücken und den Angreifer anzuvisieren.
Hinter der Person quollen noch fünf weitere aus der Tür und verteilten sich.
Der implantierte Gefechtscomputer in Ennis Kopf nahm seine Arbeit auf.
Im Bruchteil einer Sekunde berechnete er den wahrscheinlichsten Weg der Ziele, ermittelte den Vorhaltepunkt für die Secura und projizierte die Daten in die hellblauen Zeiss-Cyberaugen. Die schwere Halbautomatik bellte in rascher Folge hintereinander auf.
Überrascht knurrte Enni. Trotz der hohen Präzision der Walther und den Ermittlungen des Computers blieb eines der Ziele stehen.
Wie eingefroren verharrte es mitten in der Bewegung. Aus dem durch die Maske unkenntlich gewordenen Gesicht formte sich plötzlich ein neues Antlitz, ohne Maske. Die Augen des ihr unbekannten jungen Mannes blickten sie geradewegs an. Sein Umriss schillerte in allen Farben des Spektrums, oszillierte und verschwand schlagartig. Gleichzeitig verspürte sie ein unangenehmes Ziehen an der linken Schläfe.
"Fuck, Dr. Gud! Ich habe schon wieder so etwas wie eine Art Rückkopplung", meldete die Läuferin nervös. Sie ignorierte die irritierenden Impulse des Kampfcomputers und spähte nach dem echten Gegner umher.
Der Mann schnellte hinter einem Blumenkübel hoch und feuerte eine Garbe aus einer Uzi III ohne zu zielen in ihre Richtung.
Zwei Kugeln trafen sie in die Brust, durchschlugen den Chemo-Schutzanzug, wurden aber durch ihre Weste, die sie darunter trug, abgefangen. Das elektronische Bauteil zur Verbesserung ihrer Kampffertigkeiten meldete ihr einen "Error".
‚Wenn man sich auf die Technik verlässt, ist man verlassen', ärgerte sie sich und erwiderte das Feuer, zwang den Angreifer dadurch zurück hinter seinen Schutz. Gleichzeitig lief sie auf den Blumenkübel zu und schlug dem Mann, als er auftauchte und zurückschießen wollte, den Lauf der Pistole wuchtig gegen die Maske. Stöhnend sank er nach hinten um und blieb benommen liegen. Schwer atmend setzte sie sich auf den Rand des Behälters. Das Ziehen in ihrem Kopf verebbte allmählich.
"Auch wenn Sie die Schießerei überlebt hätten, Sie wären nun verstrahlt, Frau Gerlach", meldete sich die Stimme von Dr. Gud belehrend über Funk. "Sie müssen besser zielen."
"Nein, so nicht! Die Löcher verdanke ich nur Ihrer scheiß Technik", gab Ensuela wütend zurück. "Der Kampfcomputer ist immer noch großer Müll. Er hat sich aufgehängt."
"Keine Aufregung, bitte. Wir analysieren die Daten und justieren Sie bald nach. Immer daran denken, Sie sind die erste Person, die das gute Stück im Freien ausprobiert. Kleine Kinder können auch nicht sofort rennen, nur weil sie sich auf den Beinen halten können."
"Sind wir jetzt durch?"
"Der Testlauf ist beendet", bestätigte der Funkpartner. "Ach ja. Die Kontaminationsanzeige können Sie ignorieren. Wir wollten durch die Strahlungssimulation nur verhindern, dass Sie den Anzug ablegen."
‚Schwedischer Arsch.' Eilig löste sie die Verschlüsse und zerrte sich die Haube vom Kopf, atmete befreit auf. Das Oberteil des Gummioveralls hing an ihr wie ein Stück abgestreifte Haut herunter. Sie barg das schweißnasse Gesicht in den Händen, entspannte sich.
Ensuela nahm ihre Umgebung nun ohne künstliche Filter wahr. Die kalte Nachtluft roch nach Erde. Die Geräusche, wie man sie aus Städten kannte, fehlten. Nichts war zu hören, kein Lärm von Fahrzeugen, keine Unterhaltungen, keine Musik. Die unnatürlich Stille in Bexbach, wie sie auch sonst meistens in der Sox herrschte, konnte ängstliche Gemüter in Panik versetzen.
Dann hörte sie mehrere Schritte, die sich ihr näherten.
Die junge Frau blickte über die Schulter und sah die "Leichen" auf sich zukommen. Sie hatten die Gelprojektile der Secura ohne Schaden überstanden.
"Guter Schuss, Enni", grinste Lupp, der normalerweise in der Mini-Arkologie die Funktion eines medizinischen Assistenten versah, sie an. Über Mund, Nase und Augen trug er wie die anderen eine der durchsichtigen Atemschutzmasken. Er verrenkte sich beinahe den Hals, um auf seine kugelsichere Weste zu schauen. "Da, genau ins Herz."
Der Geigerzähler an ihrem Handgelenk knarrte lautstark und erstarb abrupt, als sie ihn mit einem gezielten Schlag abschaltete. "Ich treffe die Männer immer ins Herz, Schätzchen", lächelte sie ihn an. Sie hielt eine Schachtel Zigaretten in die Runde, ihre "Opfer" nahmen die Glimmstängel. Sie zogen die Masken ab, bald darauf glommen die Enden rot in der Dunkelheit.
"Mich nicht", kam es hinter dem Blumenkübel hervor. "Dabei wäre ich Ihnen echt dankbar gewesen." Charly Ostfolk, der stellvertretende Leiter der Kon-Gardisten des Forschungsplexes, stemmte sich in die Höhe und betastete seinen Unterkiefer. Ein dunkelroter Bluterguss bildete sich an seinem Wangenknochen, obwohl die Maske einen Großteil des Schlages abgefangen hatte. "Was hat denn das gesollt? Haben Sie gedacht, die Knarre wäre auch aus Gel?"
Enni klemmte sich die Kippe in den Mundwinkel und hielt wortlos den Chemo-Schutzanzug so, dass der Mann die Einschusslöcher sehen konnte.
Ostfolk wurde blass, nahm das Magazin aus seiner Uzi und fluchte, als er die Köpfe der massiven Geschosse aufblinken sah. "Oh, Mann. Sorry."
Sie zuckte mit den Achseln. "Ich wollte Sie schnell ausschalten, bevor Sie mir auf Stellen zielen, wo keine Weste ist." Enni nickte in Richtung seiner Blessur. "Nichts für ungut. Tut's sehr weh?"
"Für die Nachlässigkeit sollten Sie mir noch eine verpassen." Während er auf die Gruppe zuschlenderte, betrachtete er die 23-Jährige, die angesichts der Tatsache, dass er sie beinahe perforiert hätte, völlig ruhig blieb.
Ihr kahler Schädel war durch die zahlreichen OPs eine einzige Narbenlandschaft, der ihn unwillkürlich an die Trids über Frankensteins Monster denken ließ. Er wusste, dass ihr Körper weitere solcher Linien hatte.
Die Statur der Läuferin wies für eine Frau ungewöhnlich ausgeprägte Muskelstränge auf. Das Resultat knallharten Trainings. Dennoch wirkte sie dadurch nicht besonders männlich. Die Natur hatte dafür gesorgt, dass "Enni", wie sie von den meisten genannt wurde, genügend weibliche Reize vorweisen konnte.
Sie hielt ihm die Zigaretten hin. "Da, nehmen Sie eine. Bis der Transporter da ist, um uns abzuholen, wird es noch ein wenig dauern." Die Läuferin musste lachen. "Keine Angst, die Aktivfilter lassen nur das Nikotin durch. Da ist die Umgebung krebsgefährdender als das Lungenbrötchen."
Die anderen lachten leise. Ostfolk zog den Atemschutz herunter, lose baumelte er auf der Brust. Der Wachmann langte zu.
Sein Blick schweifte über die Häuser, die mal mehr, mal weniger intakt waren. Für Kon-Gardisten und Kontrollrattruppen bildete die Sox ein einziges Abenteuerland, in dem man sich mit Waffen aller Art austoben durfte. Von dieser Möglichkeit machten alle reichlich Gebrauch. "Es ist schon gut zu wissen, dass hier praktisch nichts mehr Gefährliches vorhanden ist. Mal abgesehen vom Staub. Also haltet die Füße still", richtete er sich an die anderen.
"Die Natur dekontaminiert sich selbst", meinte einer der anderen Männer halbphilosophisch.
"Sicher", stimmte Enni todernst bei. "Gib ihr ein paar Milliarden Jahre Zeit, und niemand wird mehr merken, dass in Cattenom überhaupt etwas geschehen ist. Den Krater werden sie dann für die Überbleibsel eines Vulkans halten."
"Es gibt keinen Krater", stellte Lupp richtig. Tief sog er den Rauch der Kippe ein und gab sich Mühe, einen Rauchkringel zu formen. "Nur zerstörte Gebäude. Ähnlich wie in Tschernobyl. Damals, beim ersten GAU in der..." Er bemerkte die verständnislosen Gesichter. "Vergessen Sie's. Kein Krater."
Zwei Scheinwerfer warfen helle Punkte gegen die Mauern. Die grellen Lichtkegel wanderten weiter, schwenkten nach unten, beleuchteten den rissigen Asphalt, in dem die Ketten schwerer Panzer ihre Abdrücke hinterlassen hatten. Der schallgedämpfte Motor des Ruhrmetall Wolf II war kaum zu hören.
"Das Taxi, Mädels." Enni zog noch ein mal am Endstück und schnippte den Stummel weg. "Ich freue mich auf eine heiße Dusche."
"Mit mir?", meinte Lupp anzüglich. "Ich würde Ihnen jeden Wunsch erfüllen."
Enni schaute ihn an, schien sich das Angebot zu überlegen. "Nein, danke", lehnte sie schließlich ab. "Sie würden die Dusche nicht lebend verlassen. Ich werde zum hemmungslosen Sexmonster, wenn ich in Fahrt komme."
Die Männer, die ihre Angreifer gemimt hatten, johlten und rauchten ebenfalls zu Ende. Anschließend setzten sie die Masken auf, um sich vor dem wirbelnden Staub, den das Fahrzeug auslöste, zu schützen.
Der Mannschaftstransporter mit der nachträglich angekoppelten Schleuse im Heck hielt an, ließ die Truppe einer nach dem anderen einsteigen. Die automatische Hochdruckschleuse blies eventuellen Staub aus den Kleidern und Haare, sog die Luft an und stieß sie nach außen ab. Das grüne Licht blinkte auf. Kaum hatten die Männer und die Läuferin Platz genommen, setzte sich das Fahrzeug in Bewegung.
"Okay, die Herrschaften strahlen nicht. Alles klar da hinten?", erkundigte sich der Rigger, der zuhause in der Zentrale saß, wahrscheinlich die Füße auf dem Tisch hatte und sich einen Kaffee eingoss, während er die Fahrt des Autopiloten überwachte, über die Lautsprecher. "Ostfolk sieht ein bisschen ramponiert aus?" Der Wachmann winkte nur ab. "Ankunft im Komplex Barbara I in T minus 10 Minuten", lautete die Ankündigung.
"So einen Job will auch haben", nörgelte Lupp halblaut. "Der sitzt von morgens bis abends im Sessel, schaukelt sich die Klöten und verdient auch noch Geld durchs Zusehen. Und was mache ich? Ich bin medizinischer Assistent und muss herumballern."
"Die Talentleitungen sind eben der Untergang des gelernten Handwerkers", kommentierte Enni grinsend. "Was denken Sie, warum ich das Kellnern aufgesteckt habe und Läuferin wurde?"
"Ach? Sie sind Läuferin?", meinte Lupp neugierig geworden. "Nehmen Sie mir's nicht übel, aber ich dachte, Dr. Gud hätte sich was Billiges von der Straße oder aus einem Pennerheim geholt und ein bisschen aufgepeppt."
Die Frau mit den hellblauen Cyberaugen schenkte ihm ein kurzes, mitleidiges Lächeln.
"Wenn die Penner das draufhätten, was sie kann, würden Sie den Bettlern in der Fußgängerzone mehr als nur eine Mark geben", sagte Ostfolk amüsiert. "Freiwillig, Lupp. Ich weiß es. Immerhin trainieren wir in der Freizeit zusammen."
Der medizinisches Assistent kniff die Augen zusammen und machte ein gespielt böses Gesicht. "Echt gefährlich, ja?"
Enni sah ihn ausdruckslos an. "Und im Bett ein Sexmonster", fügte sie rau hinzu. "Wollen Sie's drauf ankommen lassen?"
Lupps Ausdruck wurde nach einem Blick in die Augen normal, er schluckte. "Nein. Nein, danke, ich verzichte. Ostfolks dicke Fresse reicht mir aus, um zu verstehen, was Sie meinen."
"Braver Junge", witzelte einer der anderen Männer.
Die junge Frau schaute aus der kugelsicheren Scheibe hinaus in die Dämmerung.
Als der Wolf II die Anhöhe überwunden hatte, konnte sie das ehemalige Kohlekraftwerk Barbara I sehen, in dem sie den Medizinern und Kybernetikern für deren Experimente zur Verfügung stand. Ging alles gut aus, und das schien nach den Worten der Experten so zu sein, wären die Versuche bald beendet und sie wäre endlich eine Läuferin mit einem neuartigen Kampfcomputer in sich. Cyberware vom Feinsten. Vor allen anderen.
Die Entscheidung, sich dafür dem Forschungsdrang von Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen, resultierte aus der Not. Ziemlich abgebrannt, ohne Aussichten auf einen Lauf und mit nur geringer Verdrahtung sanken die Chancen der gebürtigen Karlsruherin auf Geld und eine Verbesserung der Lage auf Null.
Als sie in der badisch-pfälzischen Hauptstadt Pirmasens in einem Hinterhofcafé deprimiert einen Werbespot von ECC sah, in dem Freiwillige gesucht wurden, nahm sie die Gelegenheit wahr.
Enni rutschte zusammen mit rund drei Dutzend Kandidaten in ein Auswahlverfahren, das sie an ein Kleinkriegszenario erinnerte und aus dem sie als Beste hervorging. Der Zweitbeste erhielt einen Vertrag bei den Mainzer "Black Barons", eine der toughesten Stadtkrieg- Mannschaften in der ersten Liga der ADL. Für einen Moment lang hätte sie gerne mit dem Glückspilz getauscht, doch die Aussicht, als erste Person ein neu entwickeltes Cybermodul in sich zu tragen, ließ sie Abstand vom Rücktritt nehmen.
Ihre damalige Fahrt in die Sox verlief unspektakulär. Sie hörte die Kontrolleure, ohne die Wachmannschaften des Kontrollrates, der die Geschicke der Sonderrechtszone lenkte, zu Gesicht zu bekommen. Nach nicht allzu langer Reise stand sie in der ECC Miniatur- Arkologie.
Aber nicht Eurotronics forschte hier, sondern die Tochterfirma namens DrakenSys, die ihren ursprünglichen Sitz in Schweden hatte und aus Sicherheitsgründen komplett in die Zone verlegt wurde. Dazu kamen Mitarbeiter von Cyberdynamix. Sie hatte über den technischen Fortschritt, der im Inneren herrschte und im krassen Gegensatz zu ihrem vorherigen Lebensstandard stand, gestaunt. Das war vor knapp einem Dreiviertel Jahr gewesen.
Zu ihrer Linken flammten drei gelbe Feuerblumen in der Dunkelheit auf und rissen sie aus ihren Gedanken.
Etwas schlug gegen die Seitenwand und die Scheibe des Transporters, unwillkürlich zuckte ihr Kopf nach hinten. Das Glas hielt. ‚Ghule.'
Surrend fuhr der Miniturm auf dem Dach des Fahrzeugs herum und deckte die Angreifer mit einer Salve aus dem schweren Maschinengewehr ein. Das grelle, abgehackte Mündungsfeuer der Vollautomatik beleuchtete die Szenerie flackernd.
Wie in Zeitlupe sprangen die goblinisierten Menschen hinter Steinwände in Deckung, einer erhielt mehrere Treffer in den Unterschenkel, der komplett abgetrennt wurde.
"Verdammte Viecher", fluchte der Rigger über die Lautsprecher. "Der Kontrollrat sollte mal wieder ein paar Truppen durch die Ruinen hetzen, um sie zu verscheuchen."
"Du hast doch genug Drohnen", äußerte Lupp. "Übernimm das doch selbst. Dann würdest auch mal was für deine Bezahlung leisten."
Der gepanzerte Transporter erhöhte die Geschwindigkeit, so dass die Passagiere im Inneren auf den Sitzbänken auf und nieder hopsten.
Die Räder surrten über die alte Zufahrt des Kraftwerkes, rollten an den Überresten des Kühlturms vorbei und steuerten den Bereich an, der früher das Herz des Stromproduzenten bildete.
Die Mauern und Anlagen waren dick genug, um die Folgen von Cattenom mit Leichtigkeit zu überstehen, zumal man sich am östlichsten Ende der Verseuchten Zone befand. Der Konzern hatte die antiken Kohlemühlen, Energieblöcke und anderen Einrichtungen ausgemustert, durch neue Technik ersetzt.
Das Leben spielte sich in "Barbara I" unter Tage ab, wie in vielen Sox-Arks der Konzerne. Das gewährte Sicherheit vor Strahlung, den Ghulen und restlichen Bewohnern der Zone sowie vor dem Eindringen von Spionen oder feindlichen Kon-Teams.
Rund 100 Personen forschten und arbeiteten unterirdisch, der Wert der Anlage belief sich auf hundert Millionen EC, hatte die Läuferin irgendwann zufällig gehört.
Das schwere Stahlschott der dem Gebäude vorgelagerten Schleuse glitt in die Höhe, der Ruhrmetall- Transporter rollte hinein und wurde gereinigt. Erst danach setzte sich der Fahrstuhl in Bewegung, der Enni und die Begleiter abwärts brachte. Sie stiegen aus, wieder passierten sie eine Dekontaminationsvorrichtung, dann durften sie schließlich in den Aufenthaltsbereich.
"Bis demnächst, Mädels", nickte Enni den Männern zu und steuerte in ihre luxuriös eingerichtete Unterkunft, um sich zu duschen.
Die durchtrainierte Läuferin entkleidete sich, betrachtete ihren narbengeschmückten Körper einen Moment lang im Spiegel und huschte unter den warmen Wasserstrahl.
15 Minuten stand sie unter dem warmen, künstlichen Regen, wusch sich mit duftendem Balsam den Schweiß herunter und genoss das Gefühl der Sauberkeit, ehe sie sich in den Jogginganzug schwang, ihre dunkelblaue Baseballkappe aufsetzte und zu Dr. Gud ging....

Auszug 2
*
ADL, Badisch-Pfalz, Zweibrücken (Zugangsbereich Ost Sox), 13. 03. 2058 AD, 21:46 MEZ
Dicht wie ein Vorhang fiel der Regen aus dem schwarzen Himmel und durchnässte innerhalb von Sekunden alles, was ohne Schutz im Freien stand. Dem durchaus nicht seltenen Naturereignis stand ein nicht natürliches gegenüber.
Besser gesagt, es stand Ordog gegenüber.
Stählerner Hagel prasselte gegen Metall und erzeugte ein dröhnendes Stakkato, das die Ohren des Straßensamurai gehörig auf ihre Schmerzgrenzen testete.
Der junge Mann saß in der Hocke, den Kopf tief eingezogen, den Rücken gegen die geschlossene Beifahrertür seines Volvo gelehnt, und wechselte fluchend das Magazin seines AK-98. Der Lauf der Automatik zischte unheilvoll bei jedem Regentropfen, der auf den Stahl klatschte - ein untrügliches Zeichen dafür, dass er die Knarre gnadenlos überhitzte hatte.
Es war auch ganz anders von dem Straßensamurai geplant gewesen.
Es kleines Treffen mit den "Poser Killers", eine Möchtegern- Hardcore- Bikergang, um ein bisschen Stoff zu verchecken, danach ein Besuch in einer Kneipe namens "Capital", um die Kohle zu versaufen und seine überfälligen Schulden bei Kreditguru Overlord zu bezahlen. So sah er den Verlauf des Abends vor.
Den Besuch konnte er sich jetzt ebenso in seine nassen Haare schmieren wie das Geld. Von was er die Schulden tilgen sollte, darüber machte er sich hinterher Gedanken. Wenn er lebend von hier weg kam. Jeder einzelne Gedanke galt dem Gegner.
Klickend rastete das Magazin ein. Ordog lud durch, das erste Geschoss glitt in den Verschluss und wartete darauf, in sein Ziel gejagt zu werden.
Doch die "Ziele" auf der anderen Seite der Straße wussten noch nichts davon. Oder sie wussten es und wehrten sich deshalb so vehement dagegen, dass der Läufer aus seiner Deckung auftauchen konnte, um einen guten Schuss abzugeben.
"Warum tue ich das alles immer wieder? Warum, hä?", murmelte der Straßensamurai und lehnte den Hinterkopf an die Autotür.
Wer die Angreifer waren, hatte er noch nicht feststellen können, aber ihr Timing, fand er zumindest, war hundsmiserabel.
Vor drei Minuten lief die Welt fast noch in geordneten Bahnen. Die Oberniete der "Poser Killers" hatte die Nase voller Probestoff, als dessen Hirn sich plötzlich in alle Richtungen der Gasse verteilte.
Zuerst dachte Ordog, das gestreckte Kokain wäre schuld gewesen. Aber der rote Ziellaser auf der eigenen Jacke hatte ihm innerhalb von Sekunden klar gemacht, woher der wahre Grund für den explosiven "Brainstorm" gekommen war.
Hatten sich die lahmen "Poser Killers" schnell tot auf dem Boden verteilt, verdankte es der Gelegenheitsdealer nur seinen Reflexbeschleunigern, dass er noch lebte. Ein gewaltiger Sprung hinter seinen Volvo, der ihm jetzt als Kugelfang diente, rettete ihm sein Leben. Vorerst.
‚Ich schwöre, ich gehe zur Heilsarmee, wenn hier lebend raus komme', dachte Ordog. ‚Oder zu irgendeiner anderen Organisation. Wenn du mir hilfst, glaub ich an dich, Gott.'
Der Hagel hörte unvermittelt auf.
Darauf hatte er gewartet. ‚Wer hätte das gedacht?! Es gibt einen Gott.'
Der Samurai zuckte hinter seiner Deckung hoch, das AK im Anschlag, und visierte die andere Straßenseite an. Intern schaltete er seine Zeiss-Cyberaugen auf Infrarotsicht um, damit er seine Gegner trotz Dunkelheit erkannte.
Vier rote Silhouetten standen zehn Meter entfernt und luden gerade ihre Waffen nach, als sich Ordog zu seinem Gegenangriff entschloss.
"Badaboom, Freunde." Der Mann betätigte grinsend den Abzug des Granatwerfers, und tauchte sofort hinter den gepanzerten Volvo ab, um keine Splitter abzubekommen.
Als er in die Hocke ging, fiel ihm auf, dass das charakteristische "Plopp" ausgeblieben war.
Drei Sekunden lang starrte er ausdruckslos auf den dicken Zusatzlauf, der zum ersten Mal nicht so funktionierte, wie er sollte.
"Hey, willst du mich verarschen, du Scheißding?", fragte Ordog halblaut und schnippte mit dem Zeigefinger dagegen. "Was soll das?"
"Plopp", antwortete der Granatwerfer freundlich und feuerte seine Granate senkrecht in die Höhe...

***

Auszug 3


ADL, Badisch-Pfalz, Zweibrücken, Festhalle, 13.03. 2058 AD, 22:12 Uhr,
"Höre Er, Schorke. Gebe Er mir sofort das meinige zoröck."
Der Ork mit der zu kleinen deutschen Hauptmannsmütze auf dem Kopf wedelte mit dem Schwert durch die Luft, zerteilte imaginäre Gegner und machte ein wirklich böses Gesicht. Jedes einzelne Wort klang betont konzentriert und wurde äußerst langsam vorgetragen. "Oder mein scharfes Schwört und mein Dolch wörden Ihn zerschlötzen, Hamlöt."
Vielstimmiges "Buh! Buh!" tönte aus dem Dunkel, begleitet von Rülpsen und dem Zischen von Bierdosen.
"Hoho! Tapfer gesprochen, Herr Hitler. So lasst Euren mutigen Worten noch mutigere Taten folgen. Ich glaube, Ihr seid ein Schwätzer, der nichts taugt!" Sein Gegenspieler, ein Troll mit einem zerschlissenen Dreispitz auf der Stirn und angeklebtem Spitzbärtchen, stützte sich mehr oder weniger elegant auf ein Rapier, das sich unter der Last des Armes gefährlich weit durchbog. "Und Euere Unterhose ist so braun wie Euere schäbige Uniform."
"Yeah, zeig's dem Scheißer!", "Bravo!" und "Go, go, go!" setzten lautstark ein.
Der Ork starrte den anderen Metamenschen an. Er wirkte gelähmt, erste Schweißperlen glitzerten und die Augen wurden immer größer.
Die unsichtbare Menge wurde unruhiger. Leises Gemurmel setzte ein, Kichern und verhaltenes Lachen gingen durch die Reihen.
"Scheiße, ich hänge", wisperte er. "Genius, mach was."
‚Das hat mir noch gefehlt. Ausgerechnet, wenn Overlord in der Loge sitzt.' Der Troll kratzte sich am Kinn und löste unbeabsichtigt das Bärtchen ab, ohne es zu merken. Wie ein schwarzer Bindfaden hingen die falschen Haare am Zeigefinger.
"Sooooooo. Ihr habt es also nicht verstanden, was?!", versuchte er zu retten und blinzelte zu dem kleinen Kasten hinüber, der sich aus dem Bretterboden unauffällig erhob. "Dann sage ich es Euch noch einmal, Herr Hitler: IHR SEID EIN SCHWÄTZER, DER NICHTS TAUGT!"
Die erwartete Hilfe vom Souffleur blieb aus.
Der Kopf des Orks wurde knallgrün und wechselte alle Farben des Spektrums durch.
"Ha! Ich wusste, es macht Euch sprachlos." Hamlet hob das Rapier, zielte auf den Ork und umwanderte ihn, wobei er sich immer näher an den Kasten hinbewegte. Leise Schnarchgeräusche drangen heraus. "Ich werde Euch, Herr Hitler, meinen Fuß auf die Brust stellen, und zwar so einfach, wie ich es bei diesem Stein hier tue." Mit Wucht trat der an das Holz.
Der im Inneren verborgene Souffleur schreckte hoch, knallte deutlich hörbar mit dem Kopf gegen die Decke. Dann rumpelte es lautstark. Stille.
Hitler hatte den Vorfall mitbekommen und schaute weinerlich in die Runde.
"Dann werdet Ihr wohl früher als vorgesehen sterben müssen", seufzte Hamlet. ‚Und ich auch, wenn der Rest des Stückes nicht funktioniert.' "Und niemand, niemand nicht einmal EVA kann Euch retten." Inständig hoffte der Troll, dass sein Ruf gehört worden war.
Eine Dame in einem weiten Rokokokleid rauschte heran, an ihrer Seite ein Plüschschäferhund, der ein Schleifchen um den Hals trug.
"Mein Föhrer, nein, Ihr dörft nicht stärben", rief sie gellend - und an der Stimme erkannte auch der Taubste und Blindeste, dass es sich um einen Mann handelte. Einen stark geschminkten Mann. Mit unrasierten Beinen und dichten Haaren auf der Brust, die aus dem Ausschnitt quollen.
"Eva! Dein Auftritt kommt doch erst viel später", stammelte Hitler, der nun völlig aus dem Tritt gekommen war.
"Die...äh...Not hat mäch zu Euch gerofen. Ich will mäch Hamlöt anböten, um Euch zu rötten. Auch Euer Hond Blondie..."
"Ahaaaa, grauenvolle Bestie!" Hamlet stürzte vor und durchbohrte das Plüschtier, spießte es auf und schleuderte es durch die Luft. "Stirb! Stirb, wie dein Herr gleich sterben wird."
"Mein Föhrer, lauft!" Eva warf sich dem Troll in den Weg und umklammerte dessen Beine, während Hitler endlich zurück in sein Konzept gefunden hatte und die Flucht ergriff, wie es vorgesehen war.
Eine dünne Gestalt segelte herbei, ganz in Weiß, mit langen Haaren und Sandalen, eingehüllt einen weißen, hellen Glanz. Dünne Stahlseile verschwanden unter ihrem Kostüm - die Flughilfe für die Lichtgestalt.
"Ich werde dem Bösen Einhalt gebieten und die Welt von dir erlösen, Adolf. Du hast gesündigt und bist ein schlechter Mensch."
"O Jesos!", entfuhr es Hitler, der stehen blieb und sich zu Boden warf.
"Nein, ich bin Maria, aber in Verkleidung", antwortete Jesus. "Sieh her." Die Frau, die sich unter dem Kostüm verbarg, lupfte ein wenig des Gewand und zeigte dunkelgrüne Strapse und durchtrainierte Beine.
Die Menge tobte und raste. Popcorn flog durch die Luft, das Klatschen und Johlen war Ohren betäubend.
Hamlet aka Genius, Schreiber, Intendant und Regisseur in einem, grinste. Die Aufführung war doch ein voller Erfolg, trotz des Patzers von Adolf.
Vorsichtig schielte er zur Loge, in der Overlord, Zweibrückens mächtigster Kreditgeber, saß und sich das absurde Spektakel "Hamlet gegen Hitler" in der Inszenierung des "Trolligen Theaters" ansah. Ohne seine Knete würde der Spielbetrieb innerhalb von Minuten zusammen brechen. So lange die Menge zufrieden war, war auch Overlord zufrieden.
"Zur Strafe werde ich meinen Lover, den GOTT....", setzte Maria an.
"JA, MEINE TOCHTER?", dröhnte es aus den Lautsprechern.
"Nicht jetzt, Himmlischer Liebhaber. Also, ich werde meinen Stecher, den HERRN, dazu bringen, dass er dich ..."
"Nein, werte Dame Maria. Das darf ich nicht zulassen. Ich muss die Gefahr für immer bannen!" Mit einem gewaltigen Satz war Hamlet bei Hitler und piekste in schneller Reihenfolge auf ihn ein.
Adolf kicherte, wälzte sich dann in gespielter Agonie am Boden und starb mit einem hörbaren Furz, der immer leiser wurde.
"Ausgeschissen", rief Hamlet triumphierend und riss die Arme hoch.
Das Licht verlosch auf der Bühne verlosch, der marode Zuschauersaal wurde erhellt.
Das Publikum tobte, klatschte, pfiff und schrie. Die Lautstärke steigerte sich zusätzlich, als die ganzen Akteure auf der Bühne aufmarschierten und sich der Reihe nach verbeugten. Über allen sauste Maria hin und her und legte schwebend einen Strip hin....

Auszug 4

ADL, Badisch-Pfalz, Zweibrücken, 13.03. 2058 AD, 23.13 Uhr
‚Herr, du hast mich am Leben erhalten, aber sie mussten in die Grube fahren. Lobsinget dem Herrn, ihr seine Heiligen, und preiset seinen heiligen Namen.'
Langsam ließ das androgyne Wesen im weißen Mantel und mit den langen, platinblonden Haaren die automatische Waffe sinken. Eine eng anliegende Maske aus goldenem, plastikähnlichen Material machte sein komplettes Gesicht unkenntlich. Nur die Wangenknochen und die Konturen zeichneten sich ab. Aussparungen für die Augen existierten nicht. Der Stoff der Larve musste von innen durchsichtig sein. Vielleicht brauchte das Wesen keine optische Orientierung.
Zehn Leichen lagen zu seinen Füßen. Boden, Wände, Plüschsessel, Tresen und der kleine Tisch des Raumes waren rot vor Blut.
‚Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.'
Es drehte einen der Toten mit dem Stiefelabsatz auf den Rücken und ging in die Hocke, um sich die gebrochenen Pupillen anzusehen.
Es war ein junger Mann, um die 18 Jahre alt, dem eine Kugel aus dem schallgedämpften Schnellfeuergewehr das Ende bereitet hatte. Ein Hauch von Überraschung lag in seinem Gesicht. Die unbenutzte Pistole hielt er noch in der verkrampften Hand. Zu schnell ereilte ihn sein Schicksal.
"Wie gar nichts sind doch alle Menschen", lächelte es. Das Wesen umfasste das große, silberne Kreuz, das über seiner kugelsicheren Weste baumelte, führte es auf Mundhöhe und berührte es dreimal. "Der Feind ist vernichtet, zertrümmert für immer."
Es erhob sich, lud ein neues Magazin in den Schacht und schulterte die automatische Waffe. Zufrieden mit seiner Arbeit, nickte es kaum merklich und schritt über die Leichen hinaus.
Auf der Straße war es still. Totenstill.
Normalerweise herrschte um diese Uhrzeit reges Leben in der Fußgängerzone. Aber heute wagten sich die Menschen nicht vor die Tür. Hinter dem ein oder anderen Fenster erkannte es neugierige Gesichter, die sofort verschwanden, wenn es in deren Richtung sah.
Ganz gemächlich drehte sich das Wesen um und sah auf die Fassade des Gebäudes, aus dem es gekommen war. "Pleasuredom" verkündete die Neonleuchtschrift leise summend. Ein kurzer Feuerstoß ließ die Glaskörper in einem Funkenregen zerbersten.
‚Er wird regnen lassen über die Gottlosen Feuer und Schwefel.' Es nahm eine Phosphorgranate von seiner Kampfkombi und entsicherte sie. Mit einem schwungvollen Wurf beförderte es den Sprengkörper durch die offene Tür ins Haus. ‚Und Glutwind ihnen zum Lohne geben.'
Die dumpfe Explosion ließ Putz von der Außenwand abbröckeln, dann schossen grellgelbe Flammenwolken aus den Fenstern. Die heiße Chemikalie verwandelte die Leichen und die Inneneinrichtung des Bordells rasend schnell zu Asche.
"Sela." Die langen, platinblonden Haare des Wesens wehten im heißen, stinkenden Wind, und auf seiner goldenen Maske spiegelte sich das Feuer.
Gerne würde er bleiben. Bleiben und zusehen, wie das Gebäude zusammenstürzte. Doch die Zeit hatte er nicht. Denn er, Cherub, Gottes Engel, musste in dieser Nacht noch einen anderen Ort aufsuchen....

Thanx to FastJack und Sonne, Paul, Carina und Sgt. Crowfield for testlesing!

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