Das Buch der Götter
Neben dem Ulldartischen Geschichtsalmanach existiert als zweite große
Wissensinstanz das sogenannte "Buch der Götter", in dem
die legendäre Entstehung der Welt festgehalten wurde.
Dazu nur ein paar kleine Anmerkungen von Anonymus.
Niedergeschrieben haben die Worte die Gelehrten des Oberen des Ulldrael-Ordens, sie verbreiteten sie unters Volk. Das Alter des Werkes ist unbekannt.
Diese Entstehungsgeschichte öffentlich anzuzweifeln, gilt zumindest auf
Ulldart als Beleidigung der Götter und wird mit strengen Strafen belegt,
die meist von den Geistlichen gefordert und den weltlichen Instanzen umgesetzt
werden.
Je nach Schwere und Wiederholungsgrad reicht das von Pranger über körperliche
Züchtigung bis zur Hinrichtung, was aber eher selten geschieht.
Was der Schreiber im "Buch der Götter" mit einem Nebensatz erwähnt,
manche würden Kalisstra auch als "Kalisska" verehren, ist ein
Hinweis auf den verschwiegenen, latenten Konflikt auf Ulldart unter den wenigen
Anhängern der Bleichen Göttin.
Vermutlich aufgrund eines Kopierfehlers des "Buchs der Götter"
wurde in machen Ausgaben "Kalisska" anstelle von Kalisstra geschrieben,
von ketzerischen Predigern als einzige Wahrheit so auch verbreitet.
Da auf Ulldart der Ulldraelglaube vorherrscht, fällt dieser Zwist nicht
weiter ins Gewicht.
Nicht auszudenken, wenn dem unglückseligen Schreiber dieses Malheur bei
"Ulldrael" passiert wäre...
Ein weiterer Streitpunkt, der die weltlichen Gelehrten nur heimlich interessieren
darf, ist die Erwähnung von fünf Jahreszeiten.
Manche erklärten es sich mit einem simplen Verschreiber, andere machten
sich an eine wissenschaftliche Erklärung, forschten anhand der Wetteraufzeichnungen
der Jahrhunderte nach Unregelmäßigkeiten und Beobachtungen, die die
Behauptung des Schreibers unterstützen.
Tatsächlich hat sich eine kleine Gruppe von Naturkundigen mit dem Oberen
des Ulldrael-Tempels darauf geeinigt, dass es einen "Winter" und einen
"Tiefstwinter" gibt. Denn, man erinnere sich, die Entstehungsgeschichte
anzuzweifeln, bringt einen in Tzulans Küche.
Somit war der Beweis von fünf Jahreszeiten elegant erbracht, und somit
konnte auch nicht am "Buch der Götter" gezweifelt werden. Die
offizielle Aufspaltung des Winters wird vom gemeinen Volk nicht vorgenommen.
Keinerlei echte Hinweise fanden sich bislang auf die Epoche, die vom dem Verfasser
in Kapitel VII "Die schlechte Magie" angesprochen wird.
"Tzulans Sohn", von dem die Rede ist, findet sich in den Geschichtsaufzeichnungen
des Kontinents nicht, auch hat er keine sichtbaren Spuren in Form von Festungen
oder anderen Bauten hinterlassen.
Die Gelehrten des Ulldrael-Tempels begründen das damit, dass die Götter
auch den kleinsten Hinweis auf "Tzulans Sohn" vernichteten, und die
Menschen zu dieser Zeit die Historie nicht festhielten.
Nun genießt das
"Buch der Götter"
Kap.I: Die Legende von der Erschaffung der Welt
Taralea, die Allmächtige Göttin, die schon von Anbeginn der Zeit
existiert, schuf in ihrer Gnade unsere Welt aus den Elementen Feuer, Wasser,
Luft und Erde.
Sie formte einen Fladen Landmasse aus der Erde, schob und drückte ihn,
damit die Oberfläche nicht so langweilig sei, versah in mit Tiefen und
Höhen. Aber sie hatte noch ein wenig von dem Fladen übrig. Sie zerteilte
sie in kleine Stücke, formte sie ebenfalls in runde Fladen und legte sie
zur Seite. So entstanden die fünf Monde.
Dann goss Taralea große Mengen Wasser über das Werk. Das Wasser sammelte
sich in den Vertiefungen und Rillen, die das Meer und die Kontinente mit ihren
Flüsse und Seen entstanden.
Doch die großen Erhebungen wollten nicht richtig in Form bleiben, deshalb
nahm die Allmächtige Göttin vom flüssigen Feuer und trocknete
die herausstehenden Spitzen, bis sie hart und massiv waren. So entstanden die
Gebirge.
Ein paar Tropfen Feuer allerdings gingen der Allmächtigen Göttin dabei
verloren, sickerten durch ihre Hände und blieben rotglühend an den
Bergen hängen. Manche Feuertropfen erkalteten sofort, andere brannten sich
ihren Weg durch den Berg und brodeln in der Tiefe weiter, wieder andere brennen
für die Ewigkeit. So entstanden die Vulkane.
Doch Taralea war noch nicht zufrieden. Sie nahm aus ihren unendlichen Vorräten
Samen von Bäumen, Gräsern und Pflanzen aller Art. Dann entfachte sie
enorme Winde, wie sie heute noch auf unserer Welt vorkommen, gab ihnen die Samen
mit und überließ ihnen die Verteilung der Pflanzen.
Doch es war zu kalt, das Grün gedieh nicht.
Taralea erkannte den Fehler und schuf zwei Sonnen, die unsere Welt wärmen
sollten. Danach schuf sie die Wolken, die die Landstellen, welche nicht so viele
Flüsse und Seen hatten, mit genügend Wasser versorgt werden. Und siehe,
mit einem Mal grünte und blühte es überall auf. Die Allmächtige
Göttin war zufrieden.
Über unsere Welt stülpte Taralea das Himmelsgewölbe, an das sie
nachts die Sterne, tagsüber die Sonnen hängte.
Und damit es der Allmächtigen Göttin nicht zu langweilig wurde, veränderte
sie den Lauf der Sonnen, machte ihn einmal länger, einmal kürzer,
und veränderte auch die Sterne, ließ sie sich drehen und unterschiedlich
hell funkeln.
Kap.II: Die Erschaffung der Ersten Götter
Dann litt die Allmächtige Göttin große Langeweile, denn sie
hatte niemand, mit dem sie sich unterhalten konnte.
Sie nahm sich eine Prise Sternenstaub, ein Tropfen Wasser aus jedem Weltenmeer
und modellierte drei Frauen und drei Männer.
Auch sie trocknete Taralea mit flüssigem Feuer, wobei eine der Figuren
durch ihre Unachtsamkeit fast verbrannt wäre, eine weitere zu wenig Hitze
erhielt und bleich blieb.
Danach gab sie ihnen Leben, Wissen und Namen: Tzulan, Angor, Ulldrael, Senera,
Kalisstra, die von manchen Unwissenden als Kalisska verehrt wird, und Vintera.
Die Ersten Götter waren geschaffen, einer großartiger als der andere,
eine schöner als die andere.
Nur Tzulan war pechschwarz, seine Augen brannten rot vom flüssigen Feuer
und auch sein Temperament war glühend, zischend, heiß. Kalisstra
dagegen blieb blas, kühl und fast ohne jegliches Gefühl.
Die Allmächtige Göttin freute sich sehr über die neue Schöpfung,
denn sie war nun nicht mehr ganz alleine.
Kap.III: Die Erschaffung der Menschen und Kreaturen
Tzulan, Angor, Ulldrael, Senera, Kalisstra und Vintera betrachteten unsere Welt,
die ihre Mutter geschaffen hatte, und veranstalteten Taralea zu Ehren einen
Wettbewerb. Jeder sollte Kreaturen schaffen, die die verschiedenen Kontinente
unserer Welt bevölkerten. Der Gewinner sollte der sein, der die schönsten
und ausgefallensten Geschöpfe hatte.
Angor entwarf den Kontinent Angor nach seinen Ideen und Vorstellungen, Ulldrael
kümmerte sich um Ulldart, Kalisstra machte sich in Kalisstron an die Arbeit,
während sich Senera und Tzulan einen Kontinent teilen mussten. Für
Vintera blieb kein Kontinent mehr übrig, die anderen Götter wollten
sie auch nicht mitarbeiten lassen. So wählte die Göttin die zahlreichen
Inseln aus, die sie nach ihrer Vorstellungskraft mit Geschöpfen versah.
Lange Zeit waren die Götter in ihre Tätigkeit versunken, schufen aus
Erde, Wasser, Feuer und Luft unzählige verschiedene Tiere und Menschen,
die in Friede und Eintracht miteinander lebten.
Doch es kam zum Streit zwischen Tzulan und Senera, die Grenzen auf dem Kontinent
waren ungenau.
Jeder beschuldigte den anderen mehr Land zur Verfügung zu haben als der
andere.
Vintera versuchte zu schlichten, doch Tzulans heißes Blut verhinderte
eine friedliche Einigung. Mit seinen gewaltigen Kräften wollte der Gebrannte
Gott den Kontinent entzwei reißen, doch im letzten Moment verhindert Senera
die vollständige Teilung.
Tzulan war erbost über das Verhalten seiner Götterschwester, zumal
sie jetzt wegen des ungleichen Risses den kleineren Teil besaß, und er
erhob Anspruch auf das Land, das heute Sena heißt.
Doch seine Geschwister hielten zu Senera und verweigerten dem Gebrannten Gott
das größere Stück. Tzulan gab sich zunächst einsichtig,
aber in seiner Seele fühlte er sich verraten.
Nach vielen Jahrhunderten waren die Götter fertig und präsentierten
der Allmächtigen Göttin Taralea ihre Kontinente. Alle waren sehr schön
gearbeitet, Tzulan, Angor, Ulldrael, Senera, Kalisstra und Vintera hatten sich
sehr viel Mühe gegeben. So konnte die Allmächtige Göttin auch
kein Urteil abgeben und erklärte alle zum Sieger.
Kap.IV: Die Entstehung der Zweiten Götter und der Untiere
Wieder war es Tzulan, der mit der Entscheidung nicht zufrieden war.
Er nörgelte an den Werken seiner Geschwister herum, kritisierte dieses
Tier und diese Menschenrasse, machte sich über vieles lustig und gering
schätzte deren Schöpfungen. Sein Land, Tzulandrien, sei das einzig
wirklich durchdachte.
Er spottete so lange, bis seinen Geschwistern und sogar Taralea die Geduld schwand
und sie ihn ihrerseits aufzogen. Und ihre Zungen waren spitz und scharf.
In seinem glühenden Zorn versprach Tzulan, dass er etwas schaffen werde,
was keiner, nicht einmal die Allmächtige Göttin, nachahmen könne.
Er zog sich in die dunkelsten Winkel von Tzulandrien zurück, um seine Pläne
vor den Augen der anderen zu verbergen. Der Gebrannte Gott nahm eine Handvoll
Sternenstaub, ein Tropfen Wasser aus jedem der Weltenmeere, Erde und Luft, vermengte
die Komponenten in der Weise wie es Taralea einst vermeintlich getan hatte.
Doch in seiner Wut achtete er nicht auf die Mischungsverhältnisse, nahm
statt einer Prise eine ganze Hand voller Sternenstaub, und formte Ungeheuer,
widerliche Kreaturen und andere Götter namens Jebarro, Paktaï, Hemeròc,
Ischozar, Nedror und Kantrill, die in ihrem Wesen ebenso finster und furchtbar
waren wie es Tzulan geworden war.
Kap.V: Der Krieg der Götter und die Gabe der Magie
Als eine Geschwister der Gefahr gewahr wurden, war es fast zu spät.
Es entbrannte ein großer Krieg zwischen den Ersten Göttern und den
Zweiten Göttern, die Tzulan geschaffen hatte. Sowohl Ulldrael als auch
Angor wurden schwer verletzt. Und während die Götter gegen die Götter
antraten und keiner auf den Gebrannten Gott achtete, verbreitete Tzulan die
Ungeheuer und Monster heimlich auf der ganzen Welt.
Die Kämpfe zwischen den Göttern waren so mächtig, dass unsere
Welt so sehr erzitterte und erbebte, sie näher an die Sonnen gerückt
wurde. Die brennenden Scheiben verteilten ihre Strahlen nun aber unregelmäßig
über unsere Welt, an einigen Stellen wurde es für immer kälter,
an anderen immer glühend heiß. Mächtige, zerstörerische
Winde brausten über die Kontinente, die fünf Jahreszeiten entstanden.
Die Menschen begannen sich zu fürchten als die großen Veränderungen
auftraten und riefen ihre Erschaffer um Hilfe an.
Doch Angor, Ulldrael, Senera, Kalisstra und Vintera schlugen Schlachten, um
die Welt und sich selbst zu verteidigen, hörten vor lauter Kampfeslärm
die verzweifelten Schreie ihrer Kreaturen nicht.
Nur einer war zur Stelle: Tzulan.
Er versprach Unterstützung, blendete sie mit falschen Worten und sicherte
sich die Anhängerschaft zahlreicher Länder auf allen Kontinenten.
In der Zwischenzeit besiegten Angor, Ulldrael, Senera, Kalisstra und Vintera
zusammen mit Taralea die Geschöpfe des Gebrannten Gottes.
Doch als sie sich nach unserer Welt umsahen, entdeckten sie, dass die Menschen
und Kontinente untereinander Krieg führten. Die einen im Namen Tzulans,
die anderen im Namen Angors, Ulldraels, Seneras, Kalisstras oder Vinteras.
Das betrübte sie sehr, wussten sie, dass die wundervolle, sorgenfreie Zeit
für unsere Welt vorüber war. Ihr Schmerz war so groß, dass sie
sich voller Entsetzen abwandten und sich zurückzogen.
Tzulan sah, wie seine Geschwister die Flucht ergriffen und lachte voller Freude
über seinen Sieg.
Doch die Allmächtige Göttin bot ihrem Sohn die Stirn, verlieh einigen
Menschen, die nicht dem Gebrannten Gott vertrauten, magische Fertigkeiten.
Bevor Tzulan sich versah, wurden seine Anhänger bis auf wenige Ausnahmen
ausgelöscht. Die Menschen dankten der Allmächtigen Göttin, die
sie nicht im Stich gelassen und sie mit dem Geschenk der Magie gesegnet hatte.
Taralea suchte ihren Sohn, kämpfte mit ihm und zerriss ihn in kleine Stücke,
die sich über alle Kontinente verteilten. Seine glühenden Augen heftete
sie zu den Sternen an das Himmelsgewölbe und nannte sie Arkas und Tulm,
die einzigen Sterne, die sich nicht drehen.
Die Boshaftigkeit des Gebrannten Gottes war jedoch noch in seinem Tod so groß,
dass sich selbst die Erde dort, wo ein Körperteil niederfiel, veränderte,
schwarz wurde und abstarb. So entstanden die Sümpfe, die Sümpfe und
alle anderen unfruchtbaren und giftigen Gebiete.
Die Ungeheuer und Monster spürten die Ausstrahlung Tzulans, wanderten in
diese Regionen ab, um dort zu bleiben. Die wenigen überlebenden Menschen,
die dem Gebrannten Gott gefolgt waren, suchten ebenfalls diese Stellen auf,
schlossen Abkommen mit den Monstren und Ungeheuern.
Doch der Gebrannte Gott war nicht wirklich tot.
Sein Geist hatte überlebt und führte alle die in Versuchung, die von
ihrer Art her ähnlich schlecht veranlagt waren und versprach ihnen große
Reichtümer und Macht, wenn sie in seinem Namen töten würden.
Kap.VI: Die Zeit des ersten Friedens
Nach der Zeit der Kämpfe folgte für unsere Welt eine Zeit des Friedens,
in der sich die Menschen von den Jahrhunderte langen Kriegen und Schlachten
erholten. Die Kulturen, die Angor, Ulldrael, Senera, Kalisstra und Vintera erschaffen
hatten, blühten auf, trieben Handel und entwickelten sich weiter.
Einzig Tzulandrien blieb in der Entwicklung stehen, Kriege rollten auch weiterhin
über das Land, bis auch das angrenzende Sena in Gefahr geriet. Taralea
errichtete eine magische Sperre an der Stelle, wo der Riss endete bis ans Meeresufer.
Kap.VII: Die Schlechte Magie
Die Allmächtige Göttin besah sich die Welt, und als sie überzeugt
war, dass alles stimmte, ging sie zu Angor, Ulldrael, Senera, Kalisstra und
Vintera, um sie zur Rückkehr zu den Menschen zu bewegen.
Doch die Menschen experimentierten mit der Magie, veränderten sie. Vor
allem die ehemaligen und neuen Getreuen des Gebrannten Gottes entwickelten Kenntnisse,
mit denen sie andere Länder mühelos in die Knie zwingen konnten. Geister,
Untote und viele andere bösen Mächte zogen in Tzulandrien umher.
Aus den ganzen Kriegswirren erhob sich ein Mann, der sich Tzulans Sohn nannte.
Er eroberte mit Hilfe von Magie ganz Tzulandrien, doch seine Machtgier war nicht
gestillt.
Tzulans Sohn ließ eine Flotte bauen und segelte nach Kalisstron, das er
in kurzer Zeit unterwarf. Danach setzte er von dort aus nach Ulldart über
und unterjochte auch diesen Kontinent.
Die Allmächtige Göttin hatte in der Zwischenzeit Angor, Ulldrael,
Senera, Kalisstra und Vintera zur Rückkehr bewegt.
Und sie kamen rechtzeitig, um Tzulans Sohn auf dem Kontinent Angor aufzuhalten
und zu töten.
Kap.VIII: Die Zeit des zweiten Friedens und das Ende der Magie
Die Götter beschlossen, dass Magie eine zu gefährliche Sache für
die Menschen sei und verbannten diese Kunst von unserer Welt.
Lediglich Kalisstra erlaubte auf ihrem Kontinent eine harmlose Form der Magie,
die in der Lage ist, die schwersten Wunden zu heilen.
Dass sie unsere Welt im Stich gelassen hatten, tat Angor, Ulldrael, Senera,
Kalisstra und Vintera sehr leid und sie halfen den Menschen, ihre Städte
und Länder, die Tzulans Sohn vernichtet hatte, wieder aufzubauen.
Danach schlossen sie die Vereinbarung, die Menschen künftig alleine handeln
zu lassen. Die Götter wollten nur noch Ratschläge erteilen, die Menschen
aus ihrem Handeln lernen lassen.