Markus Heitz

Ripper’s Daughters – Bald!

Noch einen knappen Monat bis RIPPER’S DAUGHTERS (2.3., 976 S., Knaur)!
Es wird Zeit für ein paar Zeilen aus und wundervolle Szenen zum Roman, angefertigt von Isabeau Backhaus.
Eine Mischung aus Gegenwart und Vergangenheit erwartet euch.
Beginnen wir in London. Whitechapel. 10. Mai 1910…

…Neesh saß erneut im Bloody Knife Pub und wartete mit Anspannung, Ungeduld und grimmiger Vorfreude auf das Erscheinen des jungen Mannes, der sich ihr nur als Poe vorgestellt hatte. Dass sie inzwischen seine benutzte Identität kannte, würde ihn überraschen: Thomas Derrick, der Name eines Henkers, der in Tyburn nahe London über 3000 Menschen während seiner Amtszeit exekutierte.
Dass sie um seine wahre Natur wusste, vermutlich noch viel mehr.
Die Stimmung im Bloody Knife war gut, trotz der schwarzen Trauerwimpel, die an den Wänden hingen. Schwarze Tücher verhüllten mehrere Bilder des verstorbenen Königs, einige Besucher trugen schwarze Armbinden als Zeichen der Anteilnahme.
Das hinderte jedoch keinen der Männer und Frauen daran, Lieder zu singen, Dart oder Karten zu spielen und den Abend zu genießen. Das Leben ging -wie stets- weiter.
Neesh, in Hosenrock, Bluse und dicker Weste, trank erneut Tee. Den passenden Siegestrunk gab es erst nach dem Tod des Dämonensprosses.
Sie hatte unauffällig seit ihrer Ankunft in der Sitzgruppe verschiedene Vorbereitungen getroffen, um Derrick mit dem Gift zu vernichten, das Elsie vorbereitet hatte.
Es dauerte nicht lange, und Derrick tauchte in seiner typischen Poe-Aufmachung samt Rabe Nevermore auf.
Im Gegensatz zu seinem letzten Auftritt, den sie verfolgt hatte, trat er mit gravitätischer Miene in den Pub und zitierte schwere Zeilen, wie der Klang Neesh verriet. Es war zu laut, um das Gedicht zu verstehen und zu erkennen.
Über dem jungen Mann schwang sich Nevermore auf einen Balken und krächzte leise, schaute sich um – und erkannte Neesh.
Sofort löste er sich vom Holz und flatterte zu ihr, landete auf dem Tisch und äugte auf den Tee.
„Nur zu. Bediene dich“, lud sie ihn ein. „Warten wir auf deinen Herrn.“ Sie beugte sich leicht nach vorne. „Warst du vor kurzem in Kensington und hast uns belauscht?“
Der Rabe dippte den Schnabel mehrmals in den Tee und trank, als vermochte er kein Wässerchen zu trüben.
Derrick schob sich unter Applaus durch die Menge und setzte sich neben Neesh. Durch geschicktes Arrangieren ihrer Garderobe und der Arzttasche befand er sich mit dem Rücken auf Höhe des herausstehenden Nagels.
Dieser Zeil des Planes war aufgegangen.
„Der dunkelhäutige Engel auf seiner abendlichen Reise durch das Reich der Armen und Vergessenen“, grüßte Derrick sie.
„Und Poe vergisst lyrische Tränen zu Ehren des Königs“, gab sie zurück. „Ihr Rabe trinkt wieder meinen Tee.“
„Nevermore! Lass das.“
Der schwarzgefiederte Vogel krächzte ihn beleidigt an und hüpfte von der Tasse weg.
„Was hat er gesagt?“
„Dass er nur vorkosten wollte. Zu Ihrem Schutz.“ Derrick bekam ein weißschäumendes Bier gebracht und hob es. „Auf den verblichenen König Edward den Siebten.“
„Trinkt man nicht auf den neuen Monarchen?“
„Mir gefallen tote Könige besser“, murmelte Derrick und leerte das Glas in einem Zug bis zur Hälfte. „Muss ich mir von Nevermore abgeschaut haben. Raben mögen Leichen eher.“
„Sie haben Poes Rolle ziemlich verinnerlicht.“ Neesh atmete einmal ein und aus, legte eine Hand an seine Schulter, als setzte sie zu einer vertraulichen Nähe an. „Wahrlich, Mister Derrick. Sie beherrschen die Kunst der Täuschung.“…

Bald mehr…

#GothicHorror #TeamDarkness #JacktheRipper