Markus Heitz

DIE SCHWARZE KÖNIGIN – 4.Teaser

(Vlad & Barbara sind in dieser Szene ca. 15 Jahre alt)

Siebenbürgen (Transsilvanien), nahe der Stadt Torda/ Thorenburg, November anno Domini 1406

… Barbara beendete ihr Mahl. Sie hatte etliches gekostet und war nun satt. „Du hast mich herbringen lassen, um mir zu drohen und mir eine Abmachung zu unterbreiten.“
„So ist es, junge Königin.“ Lucian nickte und fand zurück in seine Rolle als souveräner Fürst.
„Warum ich und nicht Sigismund?“
„Weil ich die besseren Erfahrungen mit Frauen gemacht habe. Sie sind klüger als ihre Gatten“, gab der Murony herablassend zurück. „Die Kaiserwürde ist es, was Sigismund will, nichts Geringeres.“ Lucian lehnte sich vor und stützte die Ellbogen auf die Tischplatte. „Dazu muss er viele Gespräche und Kriege führen. Da du seine Geschäfte immer wieder in Ungarn führen wirst, bist du diejenige, die das Sagen haben wird. Oberirdisch.“
Barbara hielt seinen Blick. „Was habe ich davon, deinen Anweisungen zu folgen?“
Lucian legte den Kopf in den Nacken und lachte schallend.
Unterdessen öffnete sich die rechte Tür und eine brünette Frau trat ein, wie sie Barbara noch nie in ihrem Leben gesehen hatte.
Sie maß beinahe zweieinhalb Schritt, war schlank, aber nicht fehlproportioniert, sondern schlicht größer als eine gewöhnliche Frau. Das Haar lag geflochten um den Kopf und wurde mit polierten Spangen gehalten. Sie kleidete sich weniger bunt als Lucian, ihr silbriges Seidenkleid mit der langen Schleppe, der goldene Schmuck an Armen und Fingern sowie das Geschmeide mit Granat um den Hals verdeutlichten ihre hohe Position. Barbara schätzte sie auf etwa dreißig Jahre. Die Schnürung hob betonend ihre Brüste, das Dekolleté besaß Aussparungen, durch die helle Haut sichtbar war.
Lucian winkte sie zu sich, ohne hinzuschauen. „Draga, mein Herz! Hast du vernommen, was die junge Königin sagte?“
Die riesige Frau trat zu ihm und lehnte sich seitlich an den Thron. „Das habe ich.“ Der Größenunterschied ließ den Murony wie ein zum Altern verfluchtes Kind wirken, das neben seiner Mutter saß und beim Essen mit seinen Freunden beobachtet wurde. „Sie hat Mut, Geliebter.“
Vlad wies Barbara heimlich die vier verbundenen Hamsa-Symbole. Sie glommen schwach und warnend. Entweder befand sich ein unsichtbarer Dschinn bei ihnen – oder die Frau selbst war der Auslöser….

DIE SCHWARZE KÖNIGIN (Mittelalterteil), von Markus Heitz, Knaur Verlag.
ET: 21.8.2023
Zeichnung: isabeaubackhausillustration