Markus Heitz

Ripper’s Daughters – neue Pics!

Neue Impression aus RIPPER’S DAUGHTERS (2.3., 976 S., Knaur)!
Eine Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart erwartet euch…
Bild: Isabeau Backhaus
Leipzig, Gegenwart
(…) Schnellen Schrittes begab sich Ella auf den Hauptweg und auf das imposante, über hundert Jahre alte neoromantische Krematorium zu, das in unmittelbarer Nachbarschaft zum hoch aufragenden Völkerschlachtdenkmal stand.
Zwei kleinere Kapellen und die Haupthalle bildeten einen Komplex, der schon von Weitem und dank des mehr als sechzig Meter hohen Glockenturms zu erspähen war. Umlaufende Gänge und Arkaden verbanden die Elemente in Perfektion.
Ella schritt den Säulengang entlang, richtete ihr Septum in der kalten Nase und vernahm die gedämpften Stimmen zweier Männer.
Eine davon gehörte Korff.
Die zweite kannte sie nicht.
Das Gespräch erklang aus der großen Trauerhalle.
Ella verlangsamte ihre Schritte. Sie wollte nicht unhöflich sein und die Unterredung unterbrechen. Aber sie stand nahe genug, um sie aufzuschnappen. »… wir uns endlich persönlich kennenlernen, war mir ein großes Anliegen«, sagte der Unbekannte. »Sie weichen mir unentwegt aus, Herr Korff.«
»Ich bin viel unterwegs, Herr Dagda.«
»Ihre Sekretärin erwähnte es. Meine Mails und Briefe haben Sie nicht beantwortet, meine Einladungen zum Essen haben Sie ignoriert.«
»Was sagt Ihnen das?«
»Dass wir reden statt schreiben sollten.«
»Eine mutige Deutung meines Schweigens.«
»Es kostete mich ziemliche Anstrengung, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, um ein paar Worte mit Ihnen zu wechseln. Geschäftlich. Persönlich.«
»Sie finden das hier nicht unpassend?«
»Nein. Wir sind Bestatter, wir stehen in der historischen Trauerhalle auf dem legendären Südfriedhof, und es geht um unsere Unternehmen. Passendere Gelegenheiten und Örtlichkeiten werden sich in der Stadt kaum finden lassen, Herr Korff.«
Ella spürte die Spannungen zwischen den Männern durch die offene Tür bis hinaus in den Wandelgang. Es gab keine Feindseligkeit in den Worten, aber etwas Unterschwelliges, etwas Bedrohliches, etwas Dunkles schwebte darin, das sie so noch nie gefühlt hatte.
 »Ich weiß, was Sie vorhaben, Herr Dagda.«
»Oh, jetzt überraschen Sie mich. Das behaupten nur wenige. Nein, eigentlich … eigentlich niemand.«